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Von Schlangensternen und Fledermäusen: Vergleichs-Weise sehr gut.

Noch ein Neurobiologielehrbuch...denkt der Rezensent und lässt kurz die Reihe der deutschen und englischsprachigen Lehrbücher Revue passieren. Wozu also noch ein weiteres Werk, auch wenn die Autoren vom Verlag vollmundig als die "renommiertesten Experten im deutschsprachigen Raum" gepriesen werden? Und wie soll dieses Buch sich von der Konkurrenz im eigenen Verlag absetzen?

Um es kurz zu machen: Dieses Buch ist einzigartig durch die exzellente Zusammenstellung der Sinnesleistungen von Tieren, vom Aufbau der Sinnesorgane über die neuronale Verarbeitung bis hin zu sehr ausgefallenen Spezialisierungen. Viele Bücher geben eine Beschreibung des visuellen Systems, aber wo finden sich Informationen über die Photorezeptoren von Schlangensternen oder die Sehfeldwinkel verschiedener Vogelarten? Es ist den Autoren gelungen, diese ausgefallenen Beispiele nicht nur als Kuriositäten aufzuführen, sondern durch ihre Beschreibung eine wesentlich komplettere Vorstellung von den Sinnesleistungen zu geben, als dies sonst durch die Beschränkung auf die "Standard"-Organismen gelingt. Dass auch die Evertebraten eine angemessene Erwähnung finden, ist bei deutschen Lehrbüchern glücklicherweise fast schon der Normalfall. Unterstützt wird der flüssig geschriebene und sehr lesbare Text durch ausgezeichnete Abbildungen. Die Autoren haben die besten Abbildungen aus den unterschiedlichsten Büchern zusammengestellt; meines Erachtens eine weitaus bessere Strategie als zu versuchen, jeweils eigene Grafiken anzufertigen. Auch die Beschränkung auf zwei Farben hebt sich wohltuend von anderen Lehrbüchern ab.

Was ist dieses Buch also nicht? Es ist keine Einführung in die Neurobiologie, dafür sind die einleitenden Kapitel über grundlegende Neurophysiologie und Zellbiologie zu knapp (und könnten tatsächlich ganz herausgenommen werden). Und es ersetzt sicherlich auch nicht die Standardwerke, die auf das Säugergehirn bzw. den Menschen fokussiert sind, auch dafür reicht der Umfang des Buches nicht aus. Für alle jedoch, die sich für die Sinnesleistungen und deren neuronale Verarbeitung bei Tieren allgemein interessieren, kann das Buch von Neuweiler und Heldmaier wärmstens empfohlen werden. Gerade auch für Dozenten ist dieses Buch eine Fundgrube für Informationen und wird daher wohl in vielen Vorlesungen zur Sinnesphysiologie Verwendung finden.

Der zweite Band der beiden Autoren über vegetative Physiologie ist für den Herbst angekündigt – man darf gespannt sein, ob dieses Niveau gehalten werden kann.

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