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Virolution

Die empirischen Daten, die nicht mit dem Modell des Neo- Darwinismus (Mutation-Selektion) übereinstimmen, wuchsen so stark an, dass die Suche nach neuen theoretischen Konzepten immer drängender wurde. Frank Ryans Buch "Virolution" fasst die Ergebnisse dieser Suche zusammen.

Ryan sucht führende Biologen auf und interviewt sie für dieses Buch. Dadurch verteilt er die Beweislast für die Thesen seines Buches gleichmäßig auf eine breite und anerkannte Expertenschaft. Er beginnt mit der modernen Virologie und belegt mit eindrucksvollen Beispielen, dass Viren nicht nur gefährliche Krankheitserreger sind, sondern einen bis heute kaum beachteten Lebensstil pflegen, indem sie die Genome von Wirtsorganismen symbiotisch besiedeln. Sie bauen sich in Wirtsgenome ein, ohne dem Wirt Schaden zuzufügen, und verändern damit die Identität des Wirtsgenoms.

Praktisch alle Lebewesen, vom einfachsten Bakterium bis zum Menschen, sind nicht nur von "persistenten" Viren besiedelt, sondern in ihrem evolutionären Entstehen durch Viren geprägt. Am Beispiel endogener Retroviren zeigt Ryan, wie zum Beispiel das menschliche Genom hauptsächlich von diesen symbiotischen Viren besiedelt ist und viele genetische Regulationen von ihnen abhängen, zum Beispiel die Ausbildung der Plazenta oder des anpassbaren Immunsystems.

Nach Frank Ryan kennt man heute vier treibende Kräfte der Evolution: Mutation, Symbiogenese, Hybridisierung und Epigenetik. Diese ermöglichen zusammen das Verständnis dessen, was Ryan "genomische Kreativität" nennt, die Fähigkeit der Natur, neue Pläne und Erfindungen zu machen, indem sie ihre verschiedenen Talente miteinander kombiniert.

Sein Buch Virolution präsentiert diesen Paradigmenwechsel in der Evolutionstheorie und kann damit viele biologische Phänomene erklären, die mit dem klassischen Instrumentarium des Neo-Darwinismus nicht erklärbar sind.

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  • Quellen
BIOspektrum 3/2011

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