450 Jahre Astronomiegeschichte
Auf den ersten Blick weist das farbige Cover mit den leuchtenden Nebelmassen auf einen eher lehrbuchartigen Inhalt oder einen Bildband hin. Aber schon im Untertitel erfährt der Leser, was ihn wirklich erwartet – nämlich eine Darstellung der Entwicklung der Astronomie im Großraum Jena – von den ersten Anfängen bis in die jüngste Gegenwart: "Sonnenuhren und Exoplaneten" stehen sozusagen als Metapher für die zeitlichen Grenzen vom frühen Beginn an bis heute – von einfachen Geräten der Himmelsbeobachtung wie etwa Sonnenuhren bis zu Hightech-Instrumenten und Forschungsschwerpunkten unserer Tage, beispielsweise Exoplaneten.
In der Tat lassen sich astronomische Aktivitäten in Jena seit der Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisen – eine auch im europäischen Vergleich beachtlich lange, mehr als 450 Jahre währende Geschichte. Bis zur Gründung der "Herzoglichen Sternwarte zu Jena" im Jahr 1813 mussten aber noch mehr als 250 Jahre vergehen. Die Initiative zum Bau des Observatoriums ist schließlich Herzog Carl-August von Sachsen- Weimar-Eisenach zu verdanken und dem direkten Einfluss von Johann Wolfgang von Goethe, der insbesondere eine enge Zusammenarbeit von Astronomen mit Mechanikern förderte. Dies ist auch aus heutiger Sicht, wo die Partnerschaft zwischen Forschern und der einschlägigen Industrie nicht mehr wegzudenken ist, ein "moderner" Gedanke.
Es ist im Rahmen einer Rezension unmöglich, alle Details zu schildern, die der Autor in diesem Buch zusammengetragen hat, und welche die Geschichte der Astronomie in Jena über die Jahrhunderte hinweg geprägt haben, unter anderem waren dies: Die vielen Wissenschaftler und Direktoren, die mit Jena verbunden sind. Ihr vielleicht Prominentester war Ernst Abbe, Direktor von 1877 – 1900. Die Gründung der Zeiss-Werke und ihre Bedeutung für den astronomischen Instrumentenbau in der Zeit von 1897 bis 1945. Die schwierigen Verhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg. Das "Zeisswerk" war weitgehend zerbombt, es wurde als Kombinat VEB Carl Zeiss Jena wiederaufgebaut und fortgeführt. Die Entwicklung neuer Planetariumsprojektoren zur Volksbildung. Den Bau und die Inbetriebnahme des Zwei-Meter-Universalteleskops im Jahr 1960 in Tautenburg des Karl-Schwarzschild- Observatoriums der "Deutschen Akademie der Wissenschaften".
Bis 1968 konnten die Astronomen der DDR noch Kontakte mit westdeutschen Kollegen und mit Kollegen aus dem westlichen Ausland pflegen. Gemeinsame Symposien, Kolloquien und die Teilnahme an Jahrestagungen der Astronomischen Gesellschaft (AG) waren möglich. Ab 1968 galt ein striktes Reiseverbot, ostdeutsche Astronomen wurden sogar zur Kündigung der AG-Mitgliedschaft aufgefordert! Viele auch freundschaftliche Bindungen mit den Jenensern waren davon arg betroffen, dieser Aspekt wird im Buch leider nicht angesprochen.
Einen netten, aber vom Autor sicher ernst gemeinten Seitenhieb auf das Verhältnis der Jenenser Astronomen zum DDR-Regime, nämlich zu den allseits bekannten Methoden des Geheimdiensts, fand der Rezensent ziemlich versteckt in einem Bildtext auf Seite 271: "IM" bedeutete an der Sternwarte schon immer Interstellare Materie!
Das Buch ist chronologisch aufgebaut und reich untergliedert. Viele kurze Abschnitte, meist ein bis zwei Seiten lang, machen es leicht lesbar und fast zu einem Nachschlagewerk, was in Ermangelung eines Sachverzeichnisses auch notwendig ist.
Leider ist die Wiedergabe der zahlreichen, durchgehend schwarz-weißen Abbildungen etwas flau geraten. Die Porträts, Instrumente, Bauten und Baupläne hätten teilweise in Farbe den Gesamteindruck sicher aufgewertet.
Im umfangreichen Anhang gibt es ergänzende Informationen zu den historischen Sternwarten an der Universität Jena, zu den Institutsbezeichnungen und eine Liste aller Direktoren. Zudem findet sich eine grafische Darstellung zur Chronologie der Astronomie mit Lebenslinien der mit Jena verbundenen Wissenschaftler. Eine Auflistung astronomischer Objekte, deren Namen mit Jena verbunden sind, und ein umfangreiches Literatur- und Personalverzeichnis runden das Werk ab.
Das Buch hat mich nachhaltig beeindruckt. Es ist eine ausführliche Dokumentation der astronomischen Vergangenheit Jenas, gründlich recherchiert und deshalb eine verlässliche Fundgrube für künftige Wissenschaftshistoriker. So mancher Standort mit astronomischer Vergangenheit wird die Jenenser um dieses Werk beneiden.
Empfehlen möchte ich es allen Freunden der Astronomie, die persönliche Bindungen zu Jena hatten oder noch pflegen – oder auch nur an der Geschichte der Astronomie Anteil nehmen wollen.
In der Tat lassen sich astronomische Aktivitäten in Jena seit der Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisen – eine auch im europäischen Vergleich beachtlich lange, mehr als 450 Jahre währende Geschichte. Bis zur Gründung der "Herzoglichen Sternwarte zu Jena" im Jahr 1813 mussten aber noch mehr als 250 Jahre vergehen. Die Initiative zum Bau des Observatoriums ist schließlich Herzog Carl-August von Sachsen- Weimar-Eisenach zu verdanken und dem direkten Einfluss von Johann Wolfgang von Goethe, der insbesondere eine enge Zusammenarbeit von Astronomen mit Mechanikern förderte. Dies ist auch aus heutiger Sicht, wo die Partnerschaft zwischen Forschern und der einschlägigen Industrie nicht mehr wegzudenken ist, ein "moderner" Gedanke.
Es ist im Rahmen einer Rezension unmöglich, alle Details zu schildern, die der Autor in diesem Buch zusammengetragen hat, und welche die Geschichte der Astronomie in Jena über die Jahrhunderte hinweg geprägt haben, unter anderem waren dies: Die vielen Wissenschaftler und Direktoren, die mit Jena verbunden sind. Ihr vielleicht Prominentester war Ernst Abbe, Direktor von 1877 – 1900. Die Gründung der Zeiss-Werke und ihre Bedeutung für den astronomischen Instrumentenbau in der Zeit von 1897 bis 1945. Die schwierigen Verhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg. Das "Zeisswerk" war weitgehend zerbombt, es wurde als Kombinat VEB Carl Zeiss Jena wiederaufgebaut und fortgeführt. Die Entwicklung neuer Planetariumsprojektoren zur Volksbildung. Den Bau und die Inbetriebnahme des Zwei-Meter-Universalteleskops im Jahr 1960 in Tautenburg des Karl-Schwarzschild- Observatoriums der "Deutschen Akademie der Wissenschaften".
Bis 1968 konnten die Astronomen der DDR noch Kontakte mit westdeutschen Kollegen und mit Kollegen aus dem westlichen Ausland pflegen. Gemeinsame Symposien, Kolloquien und die Teilnahme an Jahrestagungen der Astronomischen Gesellschaft (AG) waren möglich. Ab 1968 galt ein striktes Reiseverbot, ostdeutsche Astronomen wurden sogar zur Kündigung der AG-Mitgliedschaft aufgefordert! Viele auch freundschaftliche Bindungen mit den Jenensern waren davon arg betroffen, dieser Aspekt wird im Buch leider nicht angesprochen.
Einen netten, aber vom Autor sicher ernst gemeinten Seitenhieb auf das Verhältnis der Jenenser Astronomen zum DDR-Regime, nämlich zu den allseits bekannten Methoden des Geheimdiensts, fand der Rezensent ziemlich versteckt in einem Bildtext auf Seite 271: "IM" bedeutete an der Sternwarte schon immer Interstellare Materie!
Das Buch ist chronologisch aufgebaut und reich untergliedert. Viele kurze Abschnitte, meist ein bis zwei Seiten lang, machen es leicht lesbar und fast zu einem Nachschlagewerk, was in Ermangelung eines Sachverzeichnisses auch notwendig ist.
Leider ist die Wiedergabe der zahlreichen, durchgehend schwarz-weißen Abbildungen etwas flau geraten. Die Porträts, Instrumente, Bauten und Baupläne hätten teilweise in Farbe den Gesamteindruck sicher aufgewertet.
Im umfangreichen Anhang gibt es ergänzende Informationen zu den historischen Sternwarten an der Universität Jena, zu den Institutsbezeichnungen und eine Liste aller Direktoren. Zudem findet sich eine grafische Darstellung zur Chronologie der Astronomie mit Lebenslinien der mit Jena verbundenen Wissenschaftler. Eine Auflistung astronomischer Objekte, deren Namen mit Jena verbunden sind, und ein umfangreiches Literatur- und Personalverzeichnis runden das Werk ab.
Das Buch hat mich nachhaltig beeindruckt. Es ist eine ausführliche Dokumentation der astronomischen Vergangenheit Jenas, gründlich recherchiert und deshalb eine verlässliche Fundgrube für künftige Wissenschaftshistoriker. So mancher Standort mit astronomischer Vergangenheit wird die Jenenser um dieses Werk beneiden.
Empfehlen möchte ich es allen Freunden der Astronomie, die persönliche Bindungen zu Jena hatten oder noch pflegen – oder auch nur an der Geschichte der Astronomie Anteil nehmen wollen.
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