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Mens X in corpore Y. Der geistreiche Klumpen Materie

Die Erklärung der engen Verbindung zwischen Körper und Geist erweist sich als eines der schwierigsten Probleme in der Geschichte der Philosophie. Seine vieldiskutierte neuzeitliche Variante ist die Frage nach dem Warum und dem Wie des intimen Zusammenspiels zwischen Gehirn und Bewusstsein. Dabei hat die Renaissance der Bewusstseinsphilosophie in den letzten Jahren sehr viel damit zu tun, dass uns die gegenwärtigen Erfolge der Neuro- und Kognitionswissenschaften einen immer tiefergehenden Einblick in die Funktionsweise des menschlichen Gehirns gestattet und dabei eine weitestgehend materialistische Perspektive der Erklärung des philosophischen Problems nahe legt.Colin McGinn, einer der prominenten Vertreter der modernen Philosophie des Geistes, fasst in seinem neuesten Buch seine Gedanken zur Thematik des menschlichen Bewusstseins erstmals in kompakter Form allgemeinverständlich zusammen. Am Anfang stellt er das Problem eingehend dar. Geistreich und pointiert versteht es McGinn dabei, die wesentliche Frage herauszuschälen: Wie entsteht aus einem Klumpen fleischiger Materie das bewusste Innenleben eines empfindsamen Wesens?Diese Frage zu beantworten ist die dem Buch gestellte Aufgabe. Indem McGinn die bisherigen materialistischen und dualistischen Lösungsansätze kritisch beleuchtet, gelangt er zu einem pessimistischen Resümee. Aufgrund unseres beschränkten Erkenntnisvermögens, so die provozierende Kernthese, sind wir nicht in der Lage, die für eine Erklärung der Gehirn-Geist-Verknüpfung notwendige verborgene Struktur des Bewusstseins zu erfassen. Das hat sehr viel mit unserer alltäglichen Raumvorstellung zu tun. McGinn argumentiert hier überzeugend, dass eben diese unsere intellektuelle Blindheit hinsichtlich des nichträumlichen Kerns des Geistes bewirkt. Am Ende markiert die Körper-Geist-Frage einen blinden Fleck auf der Landkarte des menschlichen Wissens: In McGinns Argumentation erweist sich das Problem als resistent gegen alle menschlichen Lösungsversuche.Vor dem Hintergrund des momentan rasant verlaufenden biotechnischen Fortschritts könnte man McGinns Schlussfolgerung auch als eine Mahnung verstehen: Die gegenwärtige „Revolution“ ist ihrem Wesen nach beschränkt. Vorsicht also vor einem übersteigerten Selbstbewusstein des Menschen und seiner Erkenntniskraft!

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