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Wozu brauchen Genetiker Milchflaschen? Jonathan Weiners Einsichten aus den Labors von Seymour Benzer

Die bevorzugten „Versuchskaninchen“ der Genetiker sind bekanntlich die Taufliegen. Als Heim für ihre „Drosophila“ dienen vielen Forschern leere Milchflaschen. Zu den Pionieren der Molekularbiologie gehört nicht zuletzt Seymour Benzer, dessen wissenschaftliche Biografie und Arbeiten Gegenstand des Buches „Zeit, Liebe, Erinnerung“ des Pulitzer-Preisträgers Jonathan Weiner sind.Fast fünf Jahre weilte Weiner bei Benzer als Zaungast am kalifornischen Caltech — nun gestattet sein Buch auch der Allgemeinheit Einsichten in die Entwicklung der Molekularbiologie im 20. Jahrhundert sowie in die Skurrilitäten und Lebenswege einiger ihrer wichtigsten Protagonisten. Neben Benzer geht es dabei unter anderem um die Arbeiten und Ansichten von Forschern wie Thomas H. Morgen, Max Delbrück und E. O. Wilson.Benzers Genkartierung an Mutanten der „Drosophila“ bildet einen Schwerpunkt der Darstellung; ein weiterer ist die Frage nach der Relation zwischen Genen und Verhalten. Die Arbeiten von Benzer und Co. an der Taufliege zeigen hier, dass der Zeitsinn ebenso genetisch bedingt ist wie das Werbe- und Paarungsverhalten sowie das Erinnerungsvermögen. Ja, kaum zu glauben — auch Taufliegen besitzen ein solches!Ein sehr interessantes, schon mit wenig biologischem Grundwissen spannend und unterhaltsam zu lesendes Buch, trotz der auf den ersten Blick etwas unübersichtlichen Vielfalt an Forschungsergebnissen verschiedener Benzer-Schüler und -Kollegen. Insgesamt wird Lust auf eine weitere Vertiefung der Thematik geweckt, was die erfreulich umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches auch erleichtert.

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