Christian Mayer und die Astronomie in Schwetzingen

 

20. August 1719

Christian Mayer wird in Mederitz (Mähren) geboren.

1745

Mayer tritt nach dem Studium der Theologie in Mainz in den Jesuitenorden ein. Nach Abschluss der vorgeschriebenen Studienjahre wirkt er in Aschaffenburg als Lehrer für Mathematik und alte Sprachen.

1751

Mayer wird für das Fach Philosophie an die Universität Heidelberg berufen

7. Oktober 1752

Kurfürst Carl Theodor begründet an der Universität Heidelberg den ersten Lehrstuhl für Experimentalphysik. Dieser wird auf Vorschlag der Jesuiten mit Christian Mayer besetzt.

1756-1763

Siebenjähriger Krieg zwischen Österreich (im Bündnis mit den meisten europäischen Mächten) und Preußen; damit verflochten ist ein See- und Kolonialkrieg zwischen Frankreich und Großbritannien. Die Kurpfalz gehört mit Frankreich zu den Verbündeten Österreichs und entsendet Truppen.

September 1757 – Januar 1758

Mayer hält sich in Paris auf, um dort die Wasserversorgung zu studieren. Dort lernt er die Astronomen Nicolas-Louis de Lacaille, Joseph-Jérôme de Lalande, César François Cassini de Thury und Pierre Bouguer kennen. Von ihnen erlernt er den Gebrauch astronomischer und geodätischer Instrumente. Mayer kauft eine Pendeluhr beim Uhrmacher Lepaute und mehrere Bücher. Beim Instrumentenmacher Canivet bestellt er einen Quadranten.

20. April 1758

Mayer legt eine Denkschrift zur Verbesserung der Mannheimer Trinkwasserversorgung vor.

Herbst 1758

Der Canivet-Quadrant trifft ein; Mayer verwendet ihn zunächst in Heidelberg.

1759

Mayer beobachtet den großen Kometen, dessen Wiederkehr Edmond Halley vorausgesagt hatte.

Frühjahr 1761

Zur Beobachtung des mit Spannung erwarteten Venustransits wird auf dem Platz vor der Orangerie im Schwetzinger Schlossgarten ein Holzbau errichtet.

6. Juni 1761

Mayer und der von einem Fieber gequälte Carl Theodor beobachten im Schwetzinger Schlossgarten am frühen Morgen den Venustransit mit dem Canivet-Quadranten, doch „war das Wetter ziemlich neblicht“.

Wegen des Siebenjährigen Krieges gibt es keine aufwändigen Expeditionen zur Beobachtung des Transits.

28. Juni 1761

Kurfürstin Elisabeth Augusta schenkt nach 19-jähriger Ehe mit Carl Theodor dem Land einen Thronfolger, der jedoch infolge ärztlichen Unvermögens kurz nach der Geburt stirbt. Sternengläubige sehen darin die Manifestierung eines Unglücks, das sich durch den Venustransit ankündigte.

Juli 1761 –
Januar 1764

Auf dem Dach des Schwetzinger Schlosses wird ein „observations-gebäu“ als Beobachtungsplattform eingerichtet. Die bewegliche Kuppel mit einem Innendurchmesser von 3,25 m beherbergt die Lepaute-Uhr und den Canivet-Quadranten.

1. August 1763

Mayer wird zum kurfürstlichen Hofastronomen ernannt.

16. August 1765

Mayer und Carl Theodor beobachten von Schwetzingen aus eine partielle Sonnenfinsternis.

März 1769 – September 1770

Auf Einladung der russischen Akademie reist Mayer als „observator principalis” nach St. Petersburg, um von dort aus den Venustransit am 3. Juni 1769 (23. Mai nach dem in Russland geltenden julianischen Kalender) zu beobachten und eine umfangreiche Schrift darüber zu verfassen. Für die Beobachtungen kauft Mayer einen Refraktor von Dollond und eine Pendeluhr von Norton.

3. Juni 1769

Weltweite Expeditionen zur Beobachtung des Venustransits. In Europa ist nur die Anfangsphase dieses Ereignisses am Abendhimmel zu sehen. Mayer beobachtet in St. Petersburg. In Schwetzingen, wo sich Prinz Xaver von Sachsen bei Carl Theodor einfindet, verhindert ungünstiges Wetter einen Blick auf die untergehende Sonne.

August/September 1769

Mayer beobachtet in St. Petersburg einen Kometen, den der franz. Astronom Charles Messier am 8. August 1769 entdeckt hatte.

27. April 1770

Mayer schlägt der St. Petersburger Akademie ein neues Verfahren vor, mit dem ganz Russland rasch und preiswert zu kartieren sei.

1771

Auf seiner Reise mit den Einrichtungen großer Sternwarten vertraut geworden, wird Mayer mit den beengten Verhältnissen in Schwetzingen unzufrieden. In einer umfangreichen Denkschrift schlägt er den Neubau einer Sternwarte in Mannheim vor, der „Krone der Kurpfälzischen Städte“.

1772

In unmittelbarer Nähe der kurfürstlichen Residenz und des Jesuitenkollegs in Mannheim beginnt die Hofkammer mit dem Neubau eines 33 m hohen Sternwartenturms. Mayer wird die „gesammte Herstellung“ überlassen. Die Gelder bringt überwiegend der Jesuitenorden auf.

21. Juli 1773

Papst Clemens XIV. löst den Jesuitenorden auf. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Mannheimer Sternwarte, deren Bau sich dadurch verzögert. Mayer beobachtet weiterhin in Schwetzingen sowie auf dem Turm des Jesuitenkollegs in Mannheim.

1773

Als Ergebnis seiner langjährigen und aufwändigen Vermessung der Kurpfalz legt Mayer die „Charta Palatina“ vor.

Ende 1773

Die Mannheimer Akademie der Wissenschaften ernennt Mayer zum außerordentlichen Mitglied.

22. Februar 1774

Auf Mayers Vorschlag wird bei dem Instrumentenbauer John Bird in London ein achtfüßiger Mauerquadrant bestellt, mit dem die Kulminationshöhen von Gestirnen beobachtet werden sollen.

3. Januar 1775

Mayer zieht von seiner Heidelberger Wohnung in den Mannheimer Sternwartenturm um, wird jedoch wegen der noch feuchten Räumlichkeiten bald krank.

18. Februar 1775

In Schwetzingen beobachtet Mayer das seltene Ereignis einer Saturnbedeckung durch den Mond.

30. Januar 1776

Mayer beobachtet die Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond. Aus den gemessenen Kontaktzeiten berechnet der Berliner Astronom Johann Elert Bode die geographischen Koordinaten der Mannheimer Sternwarte.

31. Juli 1776

Während eines Trinkgelages, das Mayer in der noch nicht fertig gestellten Mannheimer Sternwarte zu Ehren des Todestages von Ignatius von Loyola veranstaltet, bricht ein Feuer aus. Viele von Mayers Handschriften, seine Beschreibung der russischen Reise, unzählige Aufzeichnungen und einige Gerätschaften werden zerstört.

1776/77

Mit dem Bird’schen Mauerquadranten entdecken Mayer und sein Adjunkt Johann Metzger über 100 Doppelsterne. Wie Mayer als Erster richtig erkannte, handelt es sich bei den „Fixsterntrabanten“, wie er sie nannte, um physisch zusammengehörende Sternsysteme, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Damit verlässt Mayer als einer der ersten das klassische Gebiet der Astronomie und dringt ansatzweise in die Stellarastronomie vor.

24. Juni 1778

Mayer und Metzger beobachten in der Mannheimer Sternwarte eine partielle Sonnenfinsternis.

1778

Der kurfürstliche Hof übersiedelt nach München, wo Carl Theodor sein bayerisches Regierungserbe antritt.

4. November 1781

Mayer gelingt es als drittem deutschen Beobachter, den am 13. März 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel in England entdeckten Planeten Uranus zu sehen.

16. April 1783

Christian Mayer stirbt in Mannheim.

1786

Mayers Nachfolger als Hofastronom, der Exjesuit Karl Joseph König, versetzt Carl Theodors Wappentier, den pfälzischen Löwen, als Sternbild an den Himmel; ferner die Monogramme CT und EA des kurfürstlichen Paares. Diese Sternbilder wurden jedoch – wie zahlreiche der damals frei erfundenen Konstellationen – international nicht anerkannt. König selbst wird ebenfalls versetzt; er muss Mannheim verlassen, „weil er die Mädchen zu glücklich machte“.

1880

Nach einem Jahrhundert wechselvoller Geschichte wird die Sternwarte in Mannheim aufgegeben und nach Karlsruhe verlegt. In Ermangelung eines geeigneten Gebäudes werden die Instrumente in einer provisorischen Baracke im Erbprinzengarten aufgestellt.

20. Juni 1898

Die Großherzogliche Badische Hofsternwarte in Karlsruhe wird mit der Heidelberger Privatsternwarte des Astronomen Max Wolf zu einem neu gegründeten Institut zusammengelegt: der Landessternwarte auf dem Königstuhl. Unter ihrem Direktor Wolf erblüht die astronomische Forschung im Rhein-Neckar-Raum zu neuer Stärke. Die Landessternwarte ist heute eines von fünf Heidelberger Instituten, an denen moderne astronomische Forschung betrieben wird.

1983

Die Landessternwarte übergibt die historischen Instrumente Mayers an das neue Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim, wo sie in einer Dauerausstellung der Öffentlichkeit zugänglich sind.

 

Quellen: Adolf Kistner, Die Pflege der Naturwissenschaften in Mannheim zur Zeit Karl Theodors. Selbstverlag des Mannheimer Altertumsvereins, 1930; Carl Ludwig Fuchs, Schloss Schwetzingen, Schimper-Verlag 1991; Kai Budde: Wirtschaft, Wissenschaft und Technik im Zeitalter der Aufklärung, LTA Mannheim, 1993; Uwe Reichert, Hundert Jahre Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, in: Sterne und Weltraum 12/1998, S. 1036-1044.

Zusammenstellung der Daten: Uwe Reichert