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Bernhard Hoëckers Gute Frage: Macht Zucker Kinder aggressiv?

Immer wieder hört Bernhard Hoëcker am Spielplatz die Klage, Kinder seien durch Zuckerkonsum viel aggressiver. Aber ist das wirklich so? Beeinflusst Zucker das Verhalten von Kindern? Psychologe und »Spektrum«-Redakteur Steve Ayan geht der Sache auf den Grund und startet dazu einen Selbstversuch.
Bernhard Gute Hoëckers Frage: Kann Zucker Kinder aggressiv machen?

Veröffentlicht am: 20.09.2019

Laufzeit: 0:05:14

Sprache: deutsch

Die Antwort auf diese Frage hängt sehr davon ab, was genau man unter »macht aggressiv« versteht. Zucker ist zunächst mal einfach ein Energielieferant. Glukose und Fruktose feuern über ein paar biochemische Umwege die Zellen des Körpers und natürlich auch die im Gehirn an. Alles, was irgendwie Energie erfordert, sprich: anstrengt, geht dann im Prinzip leichter – zum Beispiel Sport oder konzentriertes Nachdenken, ja sogar die Selbstkontrolle.

Und damit kommen wir der Sache schon näher. Psychologische Studien haben nämlich gezeigt, dass eine Extraportion Zucker Erwachsene im Schnitt sogar weniger aggressiv macht, weil sie die Fähigkeit zur Selbstkontrolle stärkt. Sprich: Wer sich besser zusammenreißen kann, rastet nicht so leicht aus. Nun ist das mit der Selbstkontrolle bei Kindern so eine Sache – wo eh nicht viel ist, kann auch durch Zucker nicht viel mehr dazukommen. Was Kinder betrifft, lässt sich in der Fachliteratur deshalb eigentlich weder eine aggressionshemmende noch -steigernde Wirkung von Zucker finden. Sehr wohl aber kann Süßes bei Kids mit einem Hang zur Unaufmerksamkeit dazu führen, dass sie kurzzeitig noch hibbeliger werden. Die machen Quatsch, rennen rum, sind hyperaktiv – aber sie hauen deshalb nicht gleich dem nächsten mit der Schippe auf den Kopf. Wenn uns oder Kinder etwas aggressiv macht, dann sind das etwa frustrierende Erfahrungen, aggressive Vorbilder oder … nervige Fragen von Erwachsenen. Das Zuckerlevel ist da meist (Achtung, Wortspiel!) nicht so durchschlagend.

Übrigens kann auch das Gegenteil, nämlich akute Unterzuckerung, aggressiv machen. Weil man dann gefälligst was zwischen die Kiemen haben will! Und ein üppiges Stück Käsekuchen oder Sachertorte kann einen auch ziemlich träge werden lassen, wenn es nämlich schwer im Magen liegt. Wie alles in der Psychologie sind das nur statistische Durchschnittswerte: Kann also sein, muss aber nicht. Ein simpler Kausalzusammenhang wie »Zucker macht Kinder aggressiv« besteht allerdings nicht.

Das wichtigste, was man über Zucker und Kinder wohl sagen muss, ist das: Die andauernde, gewohnheitsmäßige Zufuhr von Flüssigzucker in Form von Limo oder Cola hat ganz andere negative Folgen für den Nachwuchs. Sie macht vor allem dick und verdirbt den Sinn für gesundes Essen. Ein bisschen auf den Zuckernachschub zu achten, indem man leckeren Sprudel oder zumindest verdünnte Schorle anbietet und die Pausenbrotdose nicht mit Gummibärchen füllt, ist also keine schlechte Idee. Aber ein Eis muss schon mal drin sein.

Ein weiteres Video aus der Reihe »Bernhard Hoëckers Gute Frage« finden Sie hier.

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