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Wir Werden Alle Sterben: Das Nipah-Virus - WWAS-Halloweenfolge 2020

In der gruseligen Jahreszeit gönnen wir uns ein bisschen Abwechslung von der Corona-Krise. Schließlich gibt es noch viele andere Viren da draußen. Zum Beispiel das Nipah-Virus.
© Lars Fischer, Mike Beckers
WWAS Halloween 2020

Veröffentlicht am: 13.10.2020

Laufzeit: 0:05:48

Sprache: deutsch

Wir Werden Alle Sterben ist der Wissenschafts-Videocast auf Leben und Tod der Spektrum-Redakteure Mike Beckers und Lars Fischer.

Wir sind ja alle irgendwie etwas genervt von Corona, und deswegen beschäftigen wir uns heute mit der nächsten Pandemie. Denn wir wissen ja: die nächste Seuche kommt bestimmt. Und einer der heißesten Kandidaten dafür ist das Nipahvirus, ein entfernter Verwandter der Masern. Mit diesem Krankheitserreger infizieren sich in Südostasien jedes Jahr einige Menschen.

Und: der Erreger kann von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Derzeit liegt die effektive Reproduktionszahl etwa bei 0,3 bis 0,5, das heißt die Ausbrüche laufen sich immer wieder tot. Aber wir wissen ja vom Coronavirus, dass das nicht so bleiben muss.

Der Vorteil des Nipahvirus im Vergleich zum Coronavirus ist, dass uns im Falle einer Pandemie die ganzen leidigen Diskussionen erspart blieben, wie wie gefährlich das Virus wirklich ist und ob man wirklich eine Maske tragen muss. Die Sterblichkeit unter den Bekannten Fällen schwankt zwischen 40 und 75 Prozent.

Abgesehen davon ähnelt Nipah in vielen Punkten einerseits Sars-CoV-2, andererseits der Grippe. Es kommt aus Fledermäusen, und deren Exkremente können das Virus auf Menschen übertragen. 2005 kam es zu einer Epidemie in Bangladesh, weil mehrere Personen mit Fledermausfäkalien verunreinigten Palmensaft getrunken hatten.

Ein bisschen wie Grippe oder Covid-19

Früher, als ich jung und naiv war, hätte ich diese ausdrücklichen Hinweis für unnötig gehalten, aber wir haben 2020, und heutzutage weiß man ja nie. Deswegen zur Sicherheit die Empfehlung: Esst keine Fledermausscheiße.

Nipah kann aber nicht nur direkt auf Menschen übertragen werden, sondern Schweine als Zwischenwirt benutzen. Das heißt: Schweine stecken sich an und übertragen das Virus untereinander, und natürlich auch manchmal auf Menschen.

Von Mensch zu Mensch verbreitet sich das Virus durch Speicheltröpfchen, ganz wie Grippe oder eben Sars-CoV-2. Außerdem gibt es bereits Indizien für eine Überdispersion bei der Verteilung der Ansteckungen. Das heißt, auch bei Nipah spielen Superspreader eine Rolle.

Die Krankheit selbst ist allerdings ein bisschen ekliger als Grippe oder Covid-19. Sie beginnt zwar auch mit Fieber und einer Infektion der Atemwege, endet aber mit einer Enzephalitis, einer Hirnhautenzündung, die oft tödlich ausgeht. Von denen, die Überleben, haben viele hinterher neurologische Störungen oder eine veränderte Persönlichkeit.

Wie wahrscheinlich es tatsächlich ist, dass aus Nipah eine Pandemie wird, ist unklar. Das Virus ist noch ziemlich rätselhaft. Zum Beispiel verhält es sich von Ort zu Ort unterschiedlich, warum, weiß niemand.

Unklar ist auch die Auswirkung einer Besonderheit aller Paramyxoviren, zu denen Nipah gehört: Ihre Oberflächenproteine sind ungewöhnlich stabil, obwohl Nipah ein RNA-Virus ist. Das sieht man auch an Masern, bei denen man nach einer Infektion lebenslang geschützt ist.

Auch hier weiß niemand, warum das so ist. Es bedeutet allerdings: Wenn es zu einer Nipah-Pandemie kommt, dann stirbt zwar vermutlich etwa ein Drittel der Infizierten. Aber die Überlebenden sind von da an immun. Und wenn nach zwei Jahren oder so dann ein Impfstoff gefunden wird, schützt der dann auch sehr gut.

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