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Sinne: Das Wunder des Hörens

Selbst wenn der Mensch schläft, ist ein Teil von ihm hellwach: das Gehör. 24 Stunden auf Empfang, um Gefahrenquellen zu erkennen, zu kommunizieren und Orientierung zu bieten. Aber das Gehör leidet häufig unter Reizüberflutung und Stress. Laut WHO sind weltweit mehr als 400 Millionen Menschen von Hörverlust betroffen, mehr als eine Milliarde junger Menschen gelten als gefährdet.

Ohne das Multitalent Gehör wäre der Mensch in seiner Anfangszeit schutzlos vielen Gefahren ausgesetzt gewesen. Ohne funktionierendes Gehör kann er sich auch heute nur eingeschränkt verständigen, kann Probleme mit dem Gleichgewicht und der räumlichen Orientierung bekommen.

Der blinde französische Unternehmer Didier Roche »sieht« beispielsweise mit den Ohren. Seine Erfahrungen macht er auch anderen Menschen erlebbar, indem sie in seinen Restaurants in kompletter Dunkelheit zu Abend essen können. Für einen Großteil der Weltbevölkerung sind die akustischen Reize seit der industriellen Revolution stark angewachsen. Das Gehör wird oft gewollt, beispielsweise durch Musikgenuss, und ungewollt – durch Alltagslärm – überfordert. Das führt bei Menschen heute schon in mittlerem Alter zu Höreinschränkungen und Hörverlust. Um Millionen von schwerhörigen Menschen wieder normal hören lassen zu können, forschen Wissenschaftler der Harvard Medical School und der University of Southern California an einem Ansatz, mit einem einfach einzunehmenden Medikament Zellen tief im Inneren des Ohres wiederzubeleben.

Am Campus in Göttingen arbeiten Tobias Moser und seine Teams neben der Grundlagenforschung zur Reizübermittlung an der Wiederherstellung des Gehörs durch Optogenetik. Es ist der Versuch, Nerven, die nicht mehr auf Schall reagieren, im Innenohr durch physikalische Lichtstimulanz zu aktivieren. Digitale Lichtquellen reizen dazu lichtempfindlich gemachte Synapsen in der Hörschnecke. Ellen Reisinger will mit einer Gentherapie Menschen mit bestimmten Formen von Taubheit wieder oder zum ersten Mal hören lassen.

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