Direkt zum Inhalt

Wir werden alle sterben: Die Grippewelle

Im Jahr 2018 steht ein trauriges Jubiläum an: Vor hundert Jahren, 1918, begann die spanische Grippe, die weltweit 25 bis 50 Millionen Menschen tötete.
© Lars Fischer / Mike Beckers
Die Grippewelle 2018 : Wir Werden Alle Sterben

Veröffentlicht am: 15.01.2018

Laufzeit: 0:04:13

Sprache: deutsch

Wir Werden Alle Sterben ist der Wissenschafts-Videocast auf Leben und Tod der Spektrum-Redakteure Mike Beckers und Lars Fischer.

Passend zum 100. Jahrestag dieser Pandemie steht uns vermutlich die unangenehmste Grippesaison seit Jahren bevor; das zeigen jedenfalls die Zahlen aus den Ländern, die schon voll in der Grippewelle stecken. Australien hat es dieses Jahr so schlimm erwischt, dass der Erreger im englischsprachigen Raum als australische Grippe bezeichnet wird, und Großbritannien erlebt gerade die vermutlich schlimmste Grippewelle seit 50 Jahren.

Schuld daran ist der dieses Jahr umgehende Grippestamm Influenza A H3N2; der hatte schon letztes Jahr allein in Deutschland fast dreieinhalb Millionen Menschen außer Gefecht gesetzt. H3N2 hat eine Reihe sehr unangenehmer Eigenschaften. Einer der wichtigsten Faktoren, der H3N2 viel aggressiver als andere Grippestämme macht, ist eine spezielle Variante des Proteins PB1-F2, das Zellen in den Selbstmord treibt. Historisch sterben in Saisonen, in denen H3N2 auftritt, fast dreimal so viele Menschen an Grippe, insbesondere in der Altersgruppe 65+.

Unschön ist auch, dass die Grippeimpfung gegen H3N2 besonders wenig wirksam ist, weil sich dieser Virentyp noch überdurchschnittlich stark verändert. Die alljährlichen Impfstoffe schützen normalerweise etwa 40 bis 60 Prozent der Geimpften, bei H3N2 ist es deutlich weniger, besonders bei älteren Menschen. In Australien waren weniger als 20 Prozent aller Geimpften geschützt, in Europa war der Impfstoff in der letzten Saison bei über 65-jährigen nur in 17 Prozent der Fälle effektiv.

Dazu kommt die beunruhigende Beobachtung, dass die Wirksamkeit der Impfung speziell bei den besonders gefährdeten Altersgruppen nach ein paar Wochen merklich nachlässt. Deswegen sind dieses Jahr auch die älteren wieder besonders gefährdet; das war schon bei den früheren H3N2-Wellen so, vermutlich wird sich der Effekt dieses Jahr noch deutlicher zeigen.

Hier in Deutschland geht die Grippewelle jetzt gerade los, ihr habt also noch die Gelegenheit, euer Risiko durch angemessenes Verhalten ein bisschen zu senken. Wie sich solche Viren übertragen, habe ich ja in unserer WWAS-Folge über Schnupfen schon erklärt: Der wichtigste Übertragungsweg ist die Schmierinfektion.

Und da gibt es einfache und effektive Hilfsmittel, diese Übertragung zu unterbinden. Eines ist Seife. Regelmäßiges Hände waschen schützt. Und mit regelmäßig meine ich nicht alle zwei Wochen oder so, sondern idealerweise gleich, wen man irgendetwas angefasst hat, das andere auch angefasst haben.

Ein Hinweis vielleicht noch an die Familienmenschen: Da die Über-65-jährigen besonders gefährdet sind und kleine Kinder Atemwegsinfektionen sehr effektiv übertragen, solltet ihr den gemeinsamen Besuch bei Oma und Opa vielleicht bis zum Ende der Grippesaison verschieben. Es sei denn ihr wollt erben. Und damit hoffentlich bis zur nächsten Folge von Wir Werden Alle Sterben.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos