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Astronomie: Einschlag auf Jupiter

Zwei Hobbyastronomen entdecken auf ihren Aufnahmen von Jupiter Lichtblitze. Unser Autor weiß, worum es sich dabei handelt
Asteroid impact on Jupiter?

Veröffentlicht am: 26.03.2016

Laufzeit: 0:00:34

Gerrit Kernbauer ist ein Amateurastronom aus Österreich.

Wie sieht der Einschlag eines Gesteinsbrockens auf dem Jupiter aus – betrachtet aus 665 Millionen Kilometer Entfernung? Dieses Video zeigt es. Aufgenommen hat es nicht etwa das Weltraumteleskop Hubble, sondern der Hobbyastronom Gerrit Kernbauer aus Österreich. Er benötigte dazu lediglich ein typisches Amateurteleskop und eine hochempfindliche Videokamera.

Normalerweise verarbeiten Amateurastronomen solche Videos später zu scharfen Aufnahmen des Planeten. In diesem Falle ließ Kernbauer die Rohbilder erst einmal zehn Tage auf seiner Festplatte schlummern, denn die Luft über seinem Beobachtungsplatz war am 17. März 2016 sehr unruhig. Man erkennt das am starken Flimmern des Planeten und der ebenfalls sichtbaren Jupitermonde Europa (links) sowie Ganymed und Io (rechts des Jupiters). Beim Durchsehen fiel Kernbauer jedoch am Rand des Planeten ein heller Lichtpunkt auf. Der erschien gegen 01:18 Uhr und dauerte etwa eine Sekunde.

Glücklicherweise entdeckte wenig später auch John Mckeon, ein Amateurastronom aus Irland, diesen Blitz zur gleichen Zeit und an der gleichen Stelle auf seinen in derselben Nacht gewonnenen Aufnahmen. Damit handelte es sich zweifellos um ein reales Ereignis auf dem Riesenplaneten und nicht etwa um ein Bildartefakt. Experten sind sich einig, dass höchstwahrscheinlich ein Miniasteroid, vielleicht auch ein kleiner Kometenkern, in Jupiters Atmosphäre verglüht ist.

Solche Einschläge haben Hobbyastronomen zuvor dreimal beobachtet, zuerst im Jahr 2010, zuletzt 2012. Denn seit hochempfindliche Digitalkameras zur Massenware geworden sind, beobachten Amateure mit ihnen den Jupiter nahezu pausenlos. Die meisten sind an "pretty pictures" interessiert, doch einige suchen inzwischen gezielt nach Asteroideneinschlägen. Der von Kernbauer und Mckeon beobachtete wurde durch einen 5 bis 20 Meter großen Brocken ausgelöst. Das belegt die Analyse des Lichtblitzes und die Tatsache, dass er anders als der Einschlag des Kometen Shoemaker-Levy 9 im Jahr 1994 keine Spuren in der Jupiteratmosphäre zurückgelassen hat. Es handelte sich also um einen relativ kleinen Asteroiden. Zum Vergleich: Der Asteroid, der im Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte, war ebenfalls etwa 20 Meter groß.

Einschläge dieses Typs sind selten auf der Erde, auf Jupiter gibt es sie wegen der größeren Anziehungskraft des Planeten häufiger. Fachleute schätzen, dass er bis zu 60-mal im Jahr getroffen wird.

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