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Astronomie: Erleben wir ein goldenes Zeitalter der Astronomie?

Die Nobelpreisträger Brian Schmidt und John Mather versprühen Optimismus – zu voreilig?
A golden age? - with Brian Schmidt and John Mather

Nature

Veröffentlicht am: 19.09.2012

Laufzeit: 0:10:52

Sprache: englisch

Die Nature Publishing Group (NPG) gehört wie auch Spektrum der Wissenschaft zum Holtzbrinck-Konzern Springer Nature. Sie ist Herausgeberin von "Nature", einem wöchentlich erscheinenden wissenschaftlichen Fachjournal.

Die Frage nach dem "Goldenen Zeitalter für X" ist eine Steilvorlage dafür, spannende aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen Revue passieren zu lassen – und dafür sind Brian Schmidt und John Mather keine schlechten Kandidaten.

Mather gleich in zweierlei Hinsicht: zum einen durch seine nobelpreiswürdige Arbeit zur kosmischen Hintergrundstrahlung, die dieser Tage von Missionen wie Planck weitergeführt wird und jüngst ja über den behaupteten, dann aber doch weitgehend zurückgezogenden Nachweis von Urknall-Gravitationswellen nicht ganz so rühmlich wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hat (Stichwort BICEP2-Experiment). Zum anderen als Projektwissenschaftler des James Webb Space Telescope, des im Bau befindlichen Nachfolgers des Hubble-Weltraumteleskops – trotz beachtlicher Kostensteigerung und Terminverzögerung ein vom wissenschaftlichen Potenzial her wegweisendes Weltraumteleskop, das die Zukunft der Astronomie maßgeblich mitbestimmen dürfte, sobald es dann (2018?) gestartet ist.

Schmidt ist als Mit-Entdecker der Beschleunigung der kosmischen Expansion (dafür gab's den Physik-Nobelpreis 2011) mit dafür verantwortlich, dass seit 1998 verstärkt – und leider nicht sehr erfolgreich – darüber gerätselt wird, was es mit dieser Beschleunigung und dem dafür eher als Platzhalter denn als Erklärung eingeführten Konzept der Dunklen Energie auf sich hat.

Leider gerät die Diskussion der zwei Nobelpreisträger mit drei Nachwuchsforscherinnen, die das 10-minütige Video dokumentiert, zu allgemein, um sonderlich interessant zu sein. Dass man immer erst im Nachhinein beurteilen kann, was ein Goldenes Zeitalter war, ist ein Allgemeinplatz. Dass wir Dunkle Energie und Dunkle Materie nicht verstehen, weiß jeder, der etwas über Kosmologie weiß – und wer es noch nicht weiß, erfährt in diesem Video nicht allzu viel darüber.

Das ist aus mehrerlei Gründen schade. Erstens, weil man in einem 10-Minuten-Video deutlich mehr aus einem so spannenden Thema herausholen können sollte als hier geschehen. Allerdings würde das wohl nach größerem (oder zumindest effektiverem) redaktionellen Aufwand verlangen, als er hier betrieben wurde. Zweitens weil die Beteiligten – sowohl die zwei Nobelpreisträger als auch ihre jüngeren Kolleginnen – sicher viel Interessantes zu sagen gewusst hätten, allerdings eben nicht auf dem ganz oberflächlichen Level, auf dem das Video verbleibt, sondern mit etwas mehr konkreten Informationen. Paradebeispiel ist die Diskussionssequenz darüber, ob wir uns zumindest in einem goldenen Zeitalter der beobachtenden Astronomie befinden. Was die Diskutierenden darüber wissen und worauf sie ihre hier vorgetragenen allgemeinen Einschätzungen stützen – welche neuen Missionen? welche Weltraumteleskope? Entfernungsmessungen mit Gaia? welche neuen Durchmusterungen? – bleibt komplett ungesagt im Hintergrund.

Alles in allem: Prädikat schade; eine verpasste Chance.

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