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Fake News: Von Dosenfleisch zum unfreiwilligen Pornostar

Das Wort Spam hat seinen Ursprung in amerikanischem Frühstücksfleisch. Es entwickelte sich zu einem Synonym für unerwünschte Werbung, nutzlose Information, ominöse Links, gefälschte Meinungen. Der Ideenreichtum am Spam-Markt scheint mittlerweile grenzenlos. Das Video zeigt, wie Deep Fakes entstehen, die neueste Form manipulativer Nachrichten.
Fake News: Von Dosenfleisch zum unfreiwilligen Pornostar

Veröffentlicht am: 15.10.2018

Laufzeit: 0:09:59

Sprache: englisch

Die Geschichte von Spam begann mit einem gar nicht so unerwünschten Produkt: Hormel Foods' Frühstücksfleisch in Dosen, das vielen Soldaten im Zweiten Weltkrieg als Nahrung diente. Erst ein Sketch von Monty Python gab dem Wort eine negative Bedeutung. Darin wollte eine Kellnerin das Dosenfleisch servieren, der Gast aber brachte energisch und mehrfach vor: »Ich mag kein SPAM!«. Schnell wurde das Wort zum Synonym für Unerwünschtes. Die Gamer-Community der 1980er Jahre verwendete es erstmals für das automatisierte Erstellen von Objekten oder Text. Doch die erste unerbetene Massenmail liegt noch weiter zurück. Gary Thuerk bewarb darin 1978 ein neues Computermodell bei über 300 Usern. Erst in den frühen 1990er Jahren, als das Internet größere Reichweite erlangte, haben Werbemails an Tausende von Nutzern immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Bei vielen dieser Nachrichten handelt es sich auch heutzutage noch um »harmlose« Themen wie Partnersuche. Doch mehr als die Hälfte enthalten schädliche Anhänge – häufig als Zipdatei verpackt – oder Links zu unsicheren Webseiten, auf denen »Phisher« die Passwörter oder Kontodaten argloser Nutzer abgreifen.

Das deutsche Telemediengesetz (TMG) nutzt zwar nicht explizit den Ausdruck Spam, verbietet es aber, in elektronischer Post den kommerziellen Charakter zu verheimlichen. Eine Eigenschaft, die einen erfolgreichen Spam eigentlich charakterisiert. Er wird in der Regel nur geöffnet, wenn der Nutzer nicht verstanden hat, dass es sich um Werbung oder gar Betrug handelt. Oft ist diese Absicht ziemlich einfach zu erkennen. Auch Spamfilter identifizieren eine Mehrheit der unerwünschten Werbemails und verbannen diese dann automatisch in einen Spam-Ordner. Bei den »Spams 2.0« wird dieser Punkt immer schwieriger. »Social Spam« wie gesponserte Facebook-Posts, falsche Nutzerprofile oder gefälschte Kommentare zu Produkten gehören zu dieser neuen Version des Spams. Sie sollen in erster Linie die Meinung der Menschen beeinflussen und sind oft nur schwer von authentischen Meldungen zu unterscheiden. Ganz spammäßig verteilen sie ihre Botschaft wahllos im Netz. Das kann schwer wiegende Konsequenzen haben, von Rufmord oder dem Ausforschen persönlicher Daten bis hin zur versuchten Manipulation ganzer Gesellschaften im Vorfeld von Wahlen. Bereits hinter solchen Kommentaren oder Profilen steckt häufig künstliche Intelligenz in Form von Bots. Eine noch viel raffiniertere Form der Manipulation durch künstliche Intelligenz sind Deep Fakes.

In den berühmtesten Beispielen von Deep Fakes schimpft Barack Obama seinen Nachfolger Donald Trump einen »dipshit« – einen Volldepp. Dieser versichert wiederum in einem anderen Video, von Gott höchstselbst in sein Amt gewählt worden zu sein. Mark Zuckerberg hingegen gibt ganz offen zu, Kontrolle über gestohlene Daten zu haben. Deep Fakes betreffen hauptsächlich audiovisuelle Medien. Die künstliche Intelligenz wird zu diesem Zweck mit einer Vielzahl von Bildern gefüttert, um anschließend das Gesicht oder auch nur den Mund der Person im Video oder auf dem Bild mit anderem Material zu ersetzen. Für normale Internetnutzer besteht auf Grund der großen Menge an benötigten Daten derzeit keine große Gefahr, Opfer von Deep Fakes zu werden, solange man nicht Hunderte von Bildern von sich täglich ins Netz stellt. Auch ist die Qualität dieser gefälschten Medien noch relativ begrenzt, weshalb sie eher soziale Medien betreffen und weniger die Fernsehnachrichten. Trotzdem bergen Deep Fakes eine größere Gefahr als eine E-Mail mit ominösen Anhängen oder schlechte Rezensionen über einen Mixer: In düsteren Szenarien könnten KI-gefälschte Videos einen Politiker sagen lassen, er habe gerade eine Bombe abgeworfen oder einen Wahlkandidaten als Pornostar zeigen. Wie bei Spam-Mails ist es auch für den Betrachter von Deep Fakes wichtig, auf diverse Fehler zu achten: mangelnde Logik der Aussagen, ein Mund, der nicht ins Gesicht passt oder sich nicht korrekt bewegt, Fehler im Hintergrund des Bilds.

Genau wie die unerwünschten Mails gibt es auch Spam in Dosen immer noch. Und genau wie sein elektronischer Namensvetter hat auch die Marke sich entwickelt: Die Deep Fakes der Dosennahrung sind »SPAM Teriyaki« und »SPAM Burritos«. Doch werden diese, selbst wenn man kein Fan kompakt verpackter internationaler Küche ist, zumindest keinen Schaden an der Demokratie anrichten.

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