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Emotionen: Gefühle: Universell oder relativ?

Weltweit drücken Menschen ihre Gefühle auf die gleiche Weise aus, behaupten Psychologen. Nun regen sich Zweifel.
Six basic human emotions

Veröffentlicht am: 07.01.2016

Laufzeit: 0:02:41

Sprache: englisch

Human Behavior Research ist ein rumänisches Unternehmen, das sich nach eigenen Angaben im Rahmen von Marketinganalysen wissenschaftlich mit menschlichem Verhalten beschäftigt.

Wenn wir glücklich sind, lächeln wir strahlend. Sind wir vor Angst und Schrecken starr, reißen wir die Augen weit auf. Schon Charles Darwin versuchte aufzuzeigen, dass überall auf der Welt alle wichtigen menschlichen Emotionen auf die fast gleiche Weise zum Ausdruck gebracht werden. Untermauert wurde seine These dann im 20. Jahrhundert von dem mittlerweile emeritierten US-amerikanischen Psychologen Paul Ekman von der University of California mit seinen Belegen für die Basisemotionen, die in jedem Psychologie-Lehrbuch zu finden sind. Und auch in dem sympathisch animierten Video von Human Behavior Research, einer rumänischen Firma, die sich nach eigenen Angaben im Rahmen von Marketinganalysen wissenschaftlich mit menschlichem Verhalten beschäftigt, werden diese kurz vorgestellt, aber nicht weiter eingeordnet.

Ekman zufolge gibt es bestimmte Gefühle, die Menschen aller Kulturen in gleicher Weise empfinden, zum Ausdruck bringen und bei anderen Menschen erkennen: Freude, Ärger, Ekel, Angst, Trauer und Überraschung. Zu jeder dieser Basisemotionen gehöre ein unverkennbarer Gesichtsausdruck, über den niemand hinwegtäuschen könne. Mit dem Facial Action Coding System (FACS) entwickelte Ekman ein System von Kodierungen, mit dem man anhand kleinster Muskelbewegungen Gesichtsausdrücke dechiffrieren und Emotionen zuordnen kann.

Was das Video verschweigt: Psychologen stellen sein Modell zunehmend in Frage. »Die wissenschaftliche Evidenz im Ganzen gesehen unterstützt die Idee der Basisemotionen nicht«, sagt etwa die Psychologin Lisa Barrett von der Northeastern University. Sie ist eine der bekanntesten Kritikerinnen von Ekmans Theorie. In ihren Studien (siehe etwa diese Untersuchung) hatten Probanden durchaus Probleme, Gesichtern übereinstimmend bestimmte Emotionen zuzuschreiben – sofern sie ihnen nicht unter die Arme griff, indem sie etwa von Anfang an eine Liste von möglichen Emotionen vorgab. Das galt für Menschen aus dem Westen und in noch stärkerem Maße für Probanden aus anderen Kulturkreisen.

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