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Folgen der Isolation: Gehirne unter Quarantäne

Tiere zeigen in Isolation aggressives Verhalten. Auch bei Astronauten kam es nach langer Quarantäne zu Gewaltausbrüchen. Können wir den Lockdown aber auch als Chance begreifen?
Folgen der Isolation: Gehirne unter Quarantäne

Veröffentlicht am: 24.09.2020

Laufzeit: 0:08:56

Sprache: englisch mit deutschen UT

Während der letzten Monate hat der Ausdruck »soziale Distanz« Einzug in unseren Wortschatz gehalten. Viele von uns mussten sich von Familie und Freunden fern halten, unsere Sozialkontakte haben sich geändert. Wir tun uns schwer mit der coronabedingten Abschottung. Die Wissenschaft eröffnet nun erste Einblicke, was mit unseren Gehirnen passiert, wenn wir unsere Sozialkontakte drastisch reduzieren müssen.

Diese Einblicke stammen von einem Ort, wo es mehr Pinguine als Menschen gibt. Tim Heitland vom Alfred Wegener Institut verbrachte 14 Monate in der Antarktis. Als er zurück kehrte, hat der Alltag ihn überfordert, angefangen mit den Farben und der Vegetation, bis zu all den vielen Menschen. Ein Teil des Schocks mochte daran liegen, dass er mit einem anderen Gehirn zurück kehrte, als er es vor der Expedition hatte.

Während ihrer Zeit auf dem eisigen Kontinent waren Heitland und sein Team selbst Forschungsobjekte. Die Wissenschaftler wollten wissen, wie extreme Arbeitsumgebungen neurologische Veränderungen verursachen können. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass bei den meisten Leute in Heitlands Team der Hippocampus geschrumpft war – eine Gehirnregion, die für räumliche Orientierung und der Verarbeitung von Gefühlen zuständig ist. Das gleiche Phänomen kennt man auch von Gefangenen in Einzelhaft. Soziale Isolation und Sinnesentzug können zu posttraumatischem Stress führen.

Diese Ergebnisse scheinen gerade jetzt wieder relevant zu sein, wo so viele Leute alleine sind. Wissenschaftler hoffen, dass ihre Arbeit Möglichkeiten hervorbringt, den Schaden der Isolation zu mindern, bevor er langfristige Probleme verursacht.

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