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Immunologie / Stammzellbiologie

Humboldt-Professor Sieweke: Die Macht der Makrophagen

Ein Notfallmechanismus im Körper reagiert auf schwere Infektionen und Entzündungen mit der Bildung neuer weißer Blutzellen. Das Verständnis solcher Prozesse der Immunabwehr kann zu neuen Therapieansätzen führen.
Alexander von Humboldt-Professur 2018: Michael H. Sieweke

Veröffentlicht am: 25.04.2018

Laufzeit: 0:06:01

Sprache: deutsch

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Die diesjährigen Humboldt-Professuren wurden am 8. Mai 2018 in Berlin verliehen.

Unser Körper befindet sich in stetigem Wandel. In vielen Organen – sei es im Darm, in der Haut oder im Blut – bilden Stammzellen immer wieder neue Zellen. So wird das Gewebe erhalten oder nach Verletzungen regeneriert. Siewekes Spezialgebiet sind die Mechanismen, mit denen Immunzellen gebildet werden und die Rolle dieser Zellen bei der Erhaltung von Gewebefunktionen und Regeneration. Seine international anerkannte Arbeit könnte dazu beitragen, neue Ansätze bei der Zelltherapie zu entwickeln. So entdeckte Siewekes Team beispielsweise einen Notfallmechanismus, der auf schwere Infektionen zügig reagiert, indem er den Körper mit neuen Immunzellen versorgt, welche die eindringenden Krankheitserreger bekämpfen. Diese Mechanismen könnten in Zukunft bei Knochenmarktransplantationen genutzt werden, um das Immunsystem schneller wieder aufzubauen. Siewekes Forschung hat auch gezeigt, dass einige reife Immunzellen, sogenannte Makrophagen, sich unbegrenzt teilen und ihre Anzahl erhalten können, indem sie ähnliche Mechanismen benutzen wie Stammzellen. Die Hoffnung ist, dass seine Forschung dazu beitragen wird, diese Mechanismen zu aktivieren, wenn die Regeneration nicht gelingt oder größere Mengen von Makrophagen für Zelltherapien zur Verfügung zu stellen. Als Humboldt-Professor soll Sieweke die Technische Universität Dresden künftig stärker an der Schnittstelle von Immunforschung und Geweberegeneration positionieren und neue medizinische Anwendungen in diesem Bereich vorantreiben.

Alexander von Humboldt-Professuren

Die Alexander von Humboldt-Professuren sind Deutschlands höchstdotierte Forschungspreise. Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung führende, bisher im Ausland tätige Wissenschaftler aller Disziplinen aus. Die Preisträger werden von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nominiert und sollen nun dort Teams und Strukturen aufbauen, die weltweit konkurrenzfähig sind. Die Preisträgerinnen und Preisträger aus dem Ausland erhalten jeweils bis zu fünf Millionen Euro.

Prof. Dr. Michael H. Sieweke

wurde 1963 in Deutschland geboren und ist Directeur de Recherche am Centre National de la Recherche (CNRS) und Gruppenleiter am Centre d’Immunologie de Marseille-Luminy, Frankreich. Dorthin wechselte Michael Sieweke bereits 1999 nach seiner Habilitation in Heidelberg, wo er zudem am European Molecular Biology Laboratory forschte. Er studierte in Tübingen und wurde an der University of California, Berkeley, USA, promoviert. Sieweke war Visiting Scholar am Australian Regenerative Medicine Institute in Melbourne, Australien, und Einstein BIH Visiting Fellow am Max-Delbrück-Centrum for Molekulare Medizin in Berlin. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter die Silbermedaille des CNRS und einen ERC Advanced grant. Er gehört wissenschaftlichen Gremien und Verbänden an, wie der European Molecular Biology Organization. Im April 2018 trat Sieweke seine Humboldt-Professur an der Technischen Universität Dresden an.