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Kognitive Linguistik: Humboldt-Professorin Dąbrowska: Wie Menschen Sprache erwerben

Die Existenz einer Universalgrammatik gilt dank der kognitiven Linguistik mittlerweile als widerlegt. Individuelle, soziale und kulturelle Faktoren spielen entscheidende Rollen für den Spracherwerb.
Alexander von Humboldt-Professur 2018: Ewa Dąbrowska

Veröffentlicht am: 25.04.2018

Laufzeit: 0:05:50

Sprache: deutsch

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Die diesjährigen Humboldt-Professuren wurden am 8. Mai 2018 in Berlin verliehen.

Besitzt jeder Mensch schon von Geburt an eine Grundausstattung an Grammatik? Etwas, das wie ein naturgegebener allgemeingültiger Bauplan das Erlernen von Sprache ermöglicht, gleich in welcher Umgebung ein Kind aufwächst und welche Muttersprache es lernt, sei es Chinesisch, Deutsch oder Kisuaheli? Dass es eine solche Universalgrammatik gibt, war lange die herrschende Meinung in der Sprachforschung – bis die Kognitive Linguistik auf den Plan trat und das jahrzehntelang bestehende Denkgebäude erschütterte. Ewa Dąbrowska ist eine der prominentesten Vertreterinnen dieses Ansatzes. Mit empirischen Untersuchungen bei Kindern und Erwachsenen analysiert sie die je nach Sprache und Kultur unterschiedlichen Wege, die zum Erwerb von Sprache führen, und welche Rolle soziale und individuelle Einflüsse hierbei spielen. Dass sich diese Vielfalt in nur wenigen, universellen Regeln zusammenfassen ließe, erscheint Dąbrowska nicht plausibel. Statt von der alles überwölbenden Theorie her, analysiert sie die Sprache von ihrem Gebrauch und von ihren Wirkungen ausgehend. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sind auch gesellschaftlich und bildungspolitisch relevant. So hat sie belegt, dass sprachliche Defizite aus den ersten Lebensjahren kaum noch kompensiert werden können und die späteren Sprachmöglichkeiten als Erwachsene einschränken. An der Universität Erlangen-Nürnberg soll Ewa Dąbrowska einen neuen Lehrstuhl für Sprache und Kognition bekleiden, die kognitive und gebrauchsbasierte Linguistik verstärken und helfen, ein Linguistics Lab aufzubauen, in das auch die linguistische Expertise aus anderen Bereichen einfließt.

Alexander von Humboldt-Professuren

Die Alexander von Humboldt-Professuren sind Deutschlands höchstdotierte Forschungspreise. Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung führende, bisher im Ausland tätige Wissenschaftler aller Disziplinen aus. Die Preisträger werden von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nominiert und sollen nun dort Teams und Strukturen aufbauen, die weltweit konkurrenzfähig sind. Die Preisträgerinnen und Preisträger aus dem Ausland erhalten jeweils bis zu fünf Millionen Euro.

Prof. Dr. Ewa Dąbrowska

1963 in Polen geboren, ist Professorin am Department of English Language and Applied Linguistics an der University of Birmingham, Vereinigtes Königreich. Dąbrowska studierte an der Uniwersytet Gdański in Danzig, Polen, wo sie 1995 promoviert wurde. Weitere wissenschaftliche Stationen waren unter anderem die University of Glasgow, Schottland, die University of Sussex, die University of Sheffield sowie die Northumbria University Newcastle, alle England. 2008 wurde Dąbrowska zum Ehrenmitglied der Polish Cognitive Linguistics Association (PCLA) ernannt. Seit 2014 ist sie Präsidentin der United Kingdom Cognitive Linguistics Association.

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