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Biologische Vielfalt: Die dunkle Seite der Biodiversität

Unter unseren Füßen tummelt sich eine riesige Vielfalt – die auch das Schicksal oberirdischer Bewohner lenkt. Nico Eisenhauer über Hornmilben, Pandabären und das »Global Worming«.
Biologische Vielfalt: Die dunkle Seite der Biodiversität

Science Notes

Veröffentlicht am: 23.03.2015

Laufzeit: 0:13:55

Sprache: Deutsch

Bei der bundesweiten Veranstaltungsreihe Science Notes berichten herausragende Wissenschaftler:innen in je 15 Minuten von ihrer aktuellen Forschung – verständlich und anschaulich.

Die Biodiversität des Bodens ist kaum zu toppen – und mit seinen eifrigen Bewohnern ermöglicht er erst die Vielfalt des Lebens in den oberen Etagen. Doch bei dem Wort »Ökosysteme« denken wir an Korallenriffe und Urwälder, an Hecken oder Moore – aber selten an den Boden, das wortwörtlich grundlegendste Ökosystem dieser Erde. Schon ein Kubikzentimeter an Boden, erklärt Nico Eisenhauer, enthält Pilz-Hyphen in einer Länge von bis zu fünf Kilometern und gut 60 000 einzellige Lebewesen.

Der Boden ist sein Reich, sozusagen, kaum ein Zweiter dürfte sich so gut mit der Lebenswelt unter unseren Füßen auskennen: Nico Eisenhauer ist Professor für Experimentelle Interaktionsökologie an der Uni Leipzig und forscht am Deutschen Zentrum für Biodiversitätsforschung (iDiv) in Halle, Jena und Leipzig. Und doch gibt Eisenhauer auf den Science Notes zum Thema »Biodiversität« zu, dass der Boden eine Art Imageproblem hat: braun, feucht, dunkel – Biodiversität stellt man sich eben anders vor. Und weder der Regenwurm noch die Hornmilbe, so Eisenhauer, hätten das Charisma eines Pandabärs. Doch in seinen Experimenten kann Nico Eisenhauer klar belegen, welch elementare Rolle der Boden spielt: Auf großen Flächen und oft über mehrere Jahre hinweg manipulieren die Forscher etwa die Artenvielfalt der Bodenbewohner. In seinem Vortrag erklärt Eisenhauer, welche Effekte diese veränderte Bodenfauna nach sich zieht: Auf Flächen mit reduzierter Boden-Biodiversität nimmt sowohl die Artenzahl der auf dem Boden wachsenden Pflanzen als auch deren Produktion von Biomasse deutlich ab.

Dass auch der Lebensraum Boden längst von der Globalisierung und von eingeschleppten Arten betroffen ist, erklärt Eisenhauer am Problem des »Global Worming«: Eingeschleppt von europäischen Siedlern, haben sich invasive Regenwürmer mittlerweile über – beziehungsweise unter – ganz Kanada ausgebreitet. Im Video zeigt Nico Eisenhauer, welch dramatische Effekte eine solche Wurm-Invasion auf einen Urwald haben kann.

Nach einer Promotion zum Thema Regenwürmer an der Technischen Uni Darmstadt forschte Nico Eisenhauer an der TU München und den Universitäten in Göttingen und Jena. Heute leitet Eisenhauer den Bereich »Experimentelle Terrestrische Ökologie« am iDiv in Leipzig.

Auf dem YouTube-Kanal der Science Notes finden sich zahlreiche weitere Vorträge zu den Themen Biodiversität und Ökosysteme.

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