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Wahrnehmung: 10 außergewöhnliche Sinne

Blumen sind manchmal bunter, als sie auf den ersten Blick aussehen, bizarre Nasen sind oft hilfreich, und auch Pflanzen haben Gefühle: In der Welt der Sinneswahrnehmungen ist kaum etwas so bizarr, dass es nicht irgendwo realisiert wäre.
Augen einer Springspinne
9. Augen für polarisiertes Licht | Biologisch hat der Sinn für polarisiertes Licht eine ähnliche Funktion wie die UV-Wahrnehmung, physiologisch jedoch ist es etwas komplexer, diese Zusatzinformation wahrzunehmen. Wir Säugetiere brauchen dafür spezielle Polarisationsfilter, zum Beispiel doppelbrechende Kristalle. Insektenaugen dagegen sind für polarisiertes Licht ideal eingerichtet. In ihren Facettenaugen liegt das lichtempfindliche Molekül Rhodopsin nicht wie bei uns zufällig durcheinander, sondern streng parallel zur optischen Achse der Sinneszelle. Das Molekül absorbiert Licht am besten, wenn es genau senkrecht zu seiner Dipolachse polarisiert ist, so dass jede Sinneszelle eine bestimmte Polarisationsrichtung bevorzugt wahrnimmt. Mit Hilfe dieser Fähigkeit finden zum Beispiel Ameisen und Bienen schnell nach Hause zurück, indem sie sich am Polarisationsmuster des Himmels orientieren. Aber auch viele andere Tiere sehen polarisiertes Licht, so zum Beispiel Oktopoden. Und einige Spinnen haben sogar spezielle Augen dafür entwickelt.
Ausgewachsene Lachse überwinden einen Wasserfall in Alaska
5. Der Geruchssinn der Lachse | Lachse werden in einem Fluss geboren, wandern aber für ihr mehrere Jahre dauerndes Erwachsenenleben ins Meer und schwimmen dort tausende Kilometer umher. Am Ende ihres Lebens jedoch zieht es sie zum Laichen zurück in den Oberlauf ihren Heimatflusses, den sie auch zuverlässig wiederfinden. Bei diesen Wanderungen erklimmen sie sogar Wasserfälle (siehe Bild). 1954 wiesen Forscher nach, dass es ihr Geruchssinn ist, mit dem die Fische das heimatliche Wasser unter den Wässern Tausender anderer Flüsse und Ströme erspüren: Verschließt man den Lachsen die Riechgruben, können sie nur noch raten. Doch welche Moleküle sind es, die die Lachse mit so beeindruckender Präzision identifizieren? Die meisten Indizien deuten darauf hin, dass Aminosäuren der entscheidende Hinweis sind. Auch in anderen Situationen verlassen sich die Tiere auf Aminosäuren: Winzigste Konzentrationen von Serin lösen bei Forellen eine Fluchtreaktion aus – der Stoff ist in menschlicher Haut in großen Mengen enthalten und warnt die Fische, dass sich flussaufwärts ein Angler die Hände wäscht.
Kabeljau mit deutlich sichtbarer Seitenlinie
3. Das Seitenlinienorgan | Mit dem Seitenlinienorgan nehmen Fische und Amphibien Wasserbewegungen wahr – es ist quasi eine Art Tastsinn auf Distanz. Das Organ zeigt sich an der Oberfläche in Form von Hautporen, die zu einem mit einer gelartigen Masse gefüllten Schlauch in der Haut führen. Eingebettet in das Gel liegen die Sinneshärchen der eigentlichen Sinneszellen. Druckwellen verformen das Gel, und das lenkt wiederum die Sinneshärchen aus. Es gibt verschiedene Arten dieses Sinnesorgans, ein Sonderfall sind die Lorenzinischen Ampullen, die auch elektromagnetische Felder wahrnehmen. Für wasserlebende Tiere ist so ein Organ extrem wertvoll, besonders wenn das Wasser trüb ist oder zu tief, um noch Licht durchzulassen. Schwarmfische koordinieren mit dem Seitenlinienorgan ihre Bewegungen: Ändert ein Fisch die Richtung, bemerken die Nachbarfische die Druckänderung und richten sich entsprechend aus.
Silvesterausgabe 53. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, Silvesterausgabe 53. KW 2014

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