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Imperium Romanum

Auf in die Provinz!

Im italischen Kernland des Reichs gibt es prominente Ruinen zuhauf. Unsere Auswahl 10 geschichtsträchtiger Orte zeigt: Rom war auch in der Provinz beeindruckend!
Monumentalarchitektur in Gerasa
Mosaike in Conimbriga
Mosaike in Conimbriga

Conimbriga (Portugal)

Die antike Stadt Conimbriga in der Nähe des heutigen Coimbra gilt als bedeutendste und größte Fundstätte römischer Zeugnisse in Portugal. Grund ist ihr Erhaltungszustand: Zum einen wurde auch diese Stadt nach ihrer Zerstörung durch die Sueben 468 nicht überbaut. Zum anderen versandete sie über die Jahrhunderte und wurde so perfekt konserviert. Vor allem die prächtigen Mosaikfußböden sind deshalb in einem hervorragenden Zustand. Sie bedecken mehr als 550 Quadratmeter des Villenviertels, in dem die luxuriösen Wohnhäuser sogar mit privaten Thermen ausgestattet waren. Einen zweiten Stadtteil bewohnten Handwerker und andere Mitglieder der Mittelklasse. Allerdings sind bisher erst zehn Prozent des gesamten Areals freigelegt. Die derzeitigen Befunde legen nahe, dass sich Conimbriga nach der Eroberung durch die Römer 139 v. Chr. und die Eingliederung in die Provinz Lusitania zu einem wichtigen und wohlhabenden Verwaltungszentrum entwickelten hat.

Das Heidentor in Carnuntum
Das Heidentor in Carnuntum

Carnuntum (Österreich)

Zumindest an einem Tag in der Weltgeschichte rückte Carnuntum ins Zentrum des Römischen Reichs. Am 9. April 193 riefen die Donaulegionen hier ihren Oberbefehlshaber Septimius Severus zum Kaiser aus. Zu dieser Zeit lebten in der Hauptstadt der Provinz Oberpannonien etwa 50 000 Menschen – das Ergebnis eines rasanten Wachstums, wenn man bedenkt, dass die ältesten römischen Siedlungsspuren nur etwa 150 Jahre älter sind. Ausschlaggebend für die rasche Entwicklung dürfte die Lage der Stadt gewesen sein: Direkt am Limes sicherte das benachbarte Militärlager die Nordgrenze des Reichs. Immer wieder starteten Heerführer von hier Expeditionen in feindliches Gebiet. Zudem trafen hier wichtige Handelsstraßen zusammen. Heute im östlichen Österreich zwischen Wien und Bratislava gelegen umfasst das Gebiet einen zehn Quadratkilometer großen archäologischen Park, in dem Besucher sowohl Rekonstruktionen römischer Gebäude als auch Ruinen – beispielsweise von zwei Amphitheatern – besichtigen können. Regelmäßig fördern Altertumswissenschaftler neue Funde zu Tage.

Mausoleum und Bogen in Glanum
Mausoleum und Bogen in Glanum

Glanum (Frankreich)

Das von den Salluviern, einem gallisch-ligurischen Stamm, gegründete Glanum kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die allerdings 260 n. Chr. abrupt endete. In diesem Jahr wurde die provenzalische Stadt von den Alemannen zerstört und von ihren Einwohnern aufgegeben. Ein Glück für die Archäologen, konnten sie doch so ungestört etwa zwei Hektar der antiken Stadtfläche wieder freilegen. Wirklich vergessen war Glanum allerdings nie – zwei Bauten standen gut sichtbar vor den verschütteten Ruinen: Noch heute ragt ein Bogenmonument aus dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr. mehr als 7,5 Meter in den Himmel. Direkt daneben steht eines der besterhaltenen römischen Mausoleen. Die Basis des 18 Meter hohen Bauwerks ist mit aufwändigen Reliefs geschmückt, die Szenen aus der griechischen Mythologie zeigen. Eine Inschrift verrät, dass drei Brüder die Grabstätte in Erinnerung an ihre Eltern errichtet haben.

Theater auf der Hochebene in Acinipo
Theater auf der Hochebene in Acinipo

Acinipo (Spanien)

Monolithisch überragen die Ruinen des Theaters der römischen Stadt Acinipo die raue Landschaft des fast 1000 Meter hohen Plateaus in Andalusien. Nur wenig deutet darauf hin, dass hier vor 2000 Jahren einmal mehr als 5000 Menschen in einem 32 Hektar großen Stadtgebiet lebten. Von den meisten anderen Bauten des Orts, etwa Wohnhäuser und eine Therme, sind nur mehr die Grundmauern geblieben. Dabei galt Acinipo als reiche Stadt, lag sie doch an einem Knotenpunkt zwischen Handelszentren wie Hispalis (Sevilla) und Gadeira (Cádiz). Die Bewohner erhielten sogar das Recht, eigene Münzen zu prägen. Die Lage auf einer Hochebene schützte sie zudem vor Angreifern. Möglicherweise hat ihre Entstehung aber einen kriegerischen Grund: Historiker vermuten, dass Julius Cäsar hier im ersten Jahrhundert v. Chr. Veteranen seiner Legionen ansiedelte, um sie für ihren Dienst zu belohnen. Vermutlich hatten viele von ihnen ganz in der Nähe die verbliebenen Anhänger der Republik in einer letzten großen Schlacht besiegt.

Cardo maximus in Gerasa
Cardo maximus in Gerasa

Gerasa (Jordanien)

Die berühmteste antike Attraktion Jordaniens ist zweifelsohne die Felsenstadt Petra. Doch auch die Römer haben ihre Spuren im nahöstlichen Königreich hinterlassen, beispielsweise in Gerasa. Die Stadt, gegründet vermutlich Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. vom Seleukidenkönig Antiochus, war zunächst Teil der Dekapolis – einem Bündnis aus zehn hellenistischen Städten. Seine Hochphase erlebte es aber unter der Herrschaft der Römer. Noch heute können sich Besucher davon überzeugen, gilt Gerasa doch als eine der größten und am besten erhaltenen römischen Fundstätte außerhalb der Apenninenhalbinsel. Besonders eindrucksvoll ist das von Kolonnaden eingefasste ovale Forum, der Jupitertempel und das Nymphäum aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Im Winter 129/130 besuchte Kaiser Hadrian die Stadt – ein Ehrenbogen, der in den 2000er Jahren zu großen Teilen restauriert wurde, erinnert an seinen Aufenthalt.

Odeon in Gortyn
Odeon in Gortyn

Gortyn (Griechenland)

Zwar besang bereits Homer in seiner »Ilias« das »fest ummauerte Gortyn«, das spätestens in klassischer und hellenistischer Zeit mit bis zu 80 000 Einwohnern zu einer ersten Blüte ansetzte. Doch ihren absoluten Höhepunkt erfuhr die südkretische Stadt als Zentrum der römischen Provinz Creta et Cyrene. Die Römer hatten 67 v. Chr. die Piraten von der Insel vertrieben und sich diese gleichzeitig dem Imperium einverleibt. Gortyn hatte sich dabei als mächtiger Verbündeter herausgestellt. Die Ruinen der antiken Stadt erstrecken sich heute über mehr als 1500 Hektar. Aus römischer Zeit sticht dabei das Odeon – also eine Art Theater – aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. hervor, in dem die Bauherren mehrere Quader mit einer alten griechischen Gesetzesinschrift aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. wiederverwendet haben. Ein seltener Glücksfall, der den Gesetzestext für die Nachwelt konservierte. Und sogar auf einen prominenten antiken Besucher kann die Stadt zurückblicken: 189 v. Chr. verbrachte Hannibal ein Jahr seines Exils in Gortyn.

Ruinen in Viroconium
Ruinen in Viroconium

Viroconium (Großbritannien)

Wie viele römische Ortschaften Britanniens hat auch Viroconium seinen Ursprung in einem Militärlager. Zunächst wurde 45 n. Chr. in der Gegend nordwestlich des heutigen Birmingham eine Kohorte Soldaten stationiert, später eine ganze Legion. Kaiser Claudius wollte mit allen Mitteln schaffen, woran bereits einige seiner Vorgänger gescheitert waren: die britische Insel erobern und als Provinz ins Reich eingliedern. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Feldzugs entwickelten sich aus den militärischen Posten kleine Städte – so auch in Viroconium. Der Ort, der im Stammesgebiet der keltischen Kornen lag, wurde schachbrettartig angelegt. Im Westen entstanden Wohnhäuser und im Jahr 120 n. Chr. ein Forum mit einem Säulengang. Öffentliche Gebäude wie Thermen und Tempel vervollständigten die Stadt in kurzer Zeit, so dass sie sich unter Kaiser Hadrian bereits auf etwa 70 Hektar ausbreitete. Bis zu 15 000 Menschen lebten hier, was die Stadt zur viertgrößten römischen Siedlung der Insel machte. Im frühen Mittelalter verließen die Bewohner Viroconium. Einen Teil des Orts haben Archäologen wieder freigelegt. Im Rahmen einer TV-Show wurde zudem eine römische Villa mit antiken Techniken rekonstruiert.

Mosaike in Nora
Mosaike in Nora

Nora (Sardinien/Italien)

Angeblich soll der mythologische Held Norax – immerhin Nachfahre des Götterboten Hermes – persönlich die Stadt Nora gegründet haben, als erste auf Sardinien. So berichtet es der griechische Reiseschriftsteller Pausanias. Tatsächlich waren es wohl eher die Phönizier, die eine bereits bestehende Ortschaft in ein florierendes Handelszentrum verwandelten – vor allem dank der Nähe zur damaligen Metropole Karthago. Dessen Bewohner beherrschten die Stadt, bevor die Römer 238 v. Chr. das Sagen auf Sardinien hatten. Ihr Einfluss ist heute deutlich erkennbar. Archäologen gruben etwa römische Villen mit aufwändigen Mosaikfußböden, Thermenanlagen und ein Theater aus. Überhaupt sind die Ausprägungen der Stadt für den Besucher noch gut erkennbar – selbst wenn auf Grund der Lage auf einer Halbinsel einige Bereiche der Stadt im Meer versunken sind. Doch sorgte das Wasser auch für die Wiederentdeckung der Stadt: Eine Springflut legte 1889 Teile der Ruinen frei.

Amphitheater in Butrint
Amphitheater in Butrint

Butrint (Albanien)

Dem Gründungsmythos zufolge habe der trojanische Prinz und spätere Gründer Roms Äneas auf der Flucht aus seiner zerstörten Heimatstadt an der Straße von Korfu einen Stier opfern wollen. Dieser sei verwundet ins Meer gesprungen. An der Stelle, an der er wieder an Land gekommen sei, wurde eine Stadt gegründet, die – in Anlehnung an das griechische Wort für Rind – den Namen Butrint erhielt. Diese Legende zeigt, wie eng hier griechische und römische Traditionen miteinander verbunden sind. Ursprünglich eine illyrische und griechische Stadt wurde Butrint 228 v. Chr. unter römisches Protektorat gestellt und schließlich etwa 80 Jahre später in die Provinz Macedonia eingegliedert. In der Folge entwickelte sich die Lagunenstadt zu einem beliebten Kurort. Heute kann man neben einigen griechischen Gebäuderesten, wie dem Asklepios-Heiligtum, vor allem römische Ruinen sehen, beispielsweise den Minerva-Tempel, eine Therme, ein Aquädukt und ein spätrömisches Baptisterium.

Triumphbogen des Septimius Severus in Leptis Magna
Triumphbogen des Septimius Severus in Leptis Magna

Leptis Magna (Libyen)

Der Name Groß-Leptis hält, was er verspricht: Leptis Magna ist die größte erhaltene antike Stadt der Welt. Die phönizische Gründung entwickelte sich scheinbar unaufhaltsam zur Metropole, weder die Eroberung durch die Karthager noch die durch die Römer – im Jahr 46 v. Chr. – taten ihrem Wachstum Abbruch. Mehr als 100 000 Menschen lebten bereits dort, als sie Teil der römischen Provinz Africa wurde. Getreide, Olivenöl und wilde Tiere für die Arenen lieferten Händler von hier ins Imperium. Und mit Septimius Severus erblickte hier sogar ein späterer Kaiser (siehe »Carnuntum«) das Licht der Welt. Der Imperator befreite seine Geburtsstadt von nahezu sämtlichen Abgaben und stattete sie mit prachtvollen Bauten aus, etwa ein neues Forum und einen Triumphbogen. Andere Kaiser hatten bereits vorher ihre Spuren hinterlassen: Nero schenkte der Stadt ein Amphitheater, Hadrian ließ Thermen errichten. Noch heute vermitteln die Ruinen einen Eindruck von der Blüte der Stadt – kaum zu glauben, dass auch sie von ihren Bewohnern aufgegeben wurde, nachdem sich das Machtzentrum nach Oea – das spätere Tripolis – verlagert hatte.

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