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Hochkulturen

8 Errungenschaften von Maya, Inka und Co

Von Maya, Inka und Azteken hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört - doch welche Errungenschaften prägten diese Hochkulturen? In unserer Bildergalerie stellen wir einige der wichtigsten Hinterlassenschaften der präkolumbischen Kulturen vor.
Castillo Festung in der Maya-Stadt Tulum

Bevor die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert große Teile Lateinamerikas unter die Herrschaft der Krone brachten, wurde der Kontinent bereits von zahlreichen, teils sehr unterschiedlichen Hochkulturen dominiert. Ihre Hinterlassenschaften bieten uns heute einen Blick in eine faszinierende Vergangenheit.

Machu Picchu – Metropole in luftigen Höhen
Machu Picchu – Metropole in luftigen Höhen |

Die Ruinen von Machu Picchu sind heute stumme Zeugen der einst blühenden Kultur der Inka. Doch warum haben diese ausgerechnet an einem derart abgelegenen, ausgesetzten Ort eine Stadt erbaut?

Die Frage gibt den Archäologen noch immer Rätsel auf. Die Lage könnte für eine heilige Stätte sprechen, denn die Bergspitzen der Anden hatten bei den Inka eine hohe religiöse Bedeutung. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sie ein regionales Herrschaftszentrum gewesen ist. Am wahrscheinlichsten – so denken heute viele Forscher – diente die Stadt als Anwesen und Rückzugsort für den damaligen Inka-König Pachacuti.

Ebenso rätselhaft wie die Entstehung ist das plötzliche Ende Machu Picchus: Bereits 100 Jahre nach der Gründung, zur Zeit der spanischen Eroberung Südamerikas, verließen die Inka die Stadt. Und das, obwohl die Spanier den geheimnisvollen Ort niemals ausfindig machten.

Quipus – der Knoten-Kode der Inka
Quipus – der Knoten-Kode der Inka |

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Haufen chaotischer Fadenreste, erweist sich bei genauerer Betrachtung als komplexes Netzwerk verschiedenfarbiger Schnüre, die nebeneinander an einem Hauptfaden hängen. Die einzelnen Fäden sind teilweise mehrfach verknotet und verzweigen manchmal in weitere Stränge – das größte je gefundene Quipu umfasst 1500 Fäden. Wissenschaftler vermuten, dass die Inka die zahlreichen Variationen von Knotentypen, Position und Richtung der Knoten, Farben der Schnüre, Spinntechnik und Material dazu verwendeten, um Informationen festzuhalten.

Die Meinungen über die Bedeutung der Quipus gehen weiterhin auseinander. Während manche Wissenschaftler sie als mathematische Hilfen oder Aufzeichnungen der Bestände und Bevölkerung ansehen, vermuten andere, es handle sich um eine Form der Schrift, mit der die Inka ihre Mythen, Gedichte und Geschichtsschreibung festhielten.

Tikal – verlassene Maya-Metropole
Tikal – verlassene Maya-Metropole |

Das alte Tikal im nördlichen Guatemala war eine der Hauptstädte der klassischen Maya-Periode vom 3. bis zum 9. Jahrhundert. Zu ihrer Blütezeit lebten wahrscheinlich etwa 120 000 Menschen im näheren Umkreis ihrer Tempelanlagen. Die Bedeutung der Stadt nahm danach ab, bis sie im 10. Jahrhundert vollständig verlassen war. Wie es zum Verfall kam, ist noch nicht gänzlich geklärt.

Klimaveränderungen werden allerdings als ein wahrscheinlicher Auslöser für den Niedergang angesehen. Die Maya hatten nämlich ein landwirtschaftliches System geschaffen, das auf ausgefeilten Bewässerungs- und Wasserspeicheranlagen basierte. So konnte die große, verstreut lebende Bevölkerung in einem Gebiet inmitten des Dschungels versorgt werden. Doch die Spezialisierung hatte ihren Preis: Das Bewässerungssystem war vermutlich anfällig gegenüber Dürren, die die Region nach 660 n. Chr. immer wieder heimsuchten. In der Folge kam es auch zu politischen Unruhen und Konflikten, die schließlich um 1100 den Niedergang der Maya-Kultur besiegelten.

Astronomie – der Schlangengott von Chichén Itzá
Astronomie – der Schlangengott von Chichén Itzá |

Zweimal pro Jahr, jeweils zur Tag-und-Nacht-Gleiche im März und im September, kriecht der gefiederte Schlangengott Quetzalcoatl von der Kukulkán-Pyramide in der mexikanischen Karibik herab. Das ist zumindest die Illusion, die die Maya mit ihrem Bauwerk schaffen wollten. Denn an diesen zwei Tagen trifft die Sonne am Nachmittag genau so auf die Pyramide, dass auf deren Schattenseite nur die Silhouette einer Schlange beleuchtet wird.

Die Maya wussten demnach nicht nur von den Tag-und-Nacht-Gleichen, sie richteten sogar Bauwerke nach ihnen aus. Auch andere astronomische Phänomene beobachteten und dokumentierten sie: Der einzigartige Caracol, dessen Überreste auf dem selben Gelände wie die Kukulkán-Pyramide in der archäologischen Stätte Chichén Itzá stehen, war ein Observatorium, das an der Bahn der Venus ausgerichtet war. In ihrer Blütezeit hatten die Maya also ganz ohne Teleskope bereits ausgefeilte astronomische Beobachtungen durchgeführt.

Tenochtitlan – die Stadt im See
Tenochtitlan – die Stadt im See |

Zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert beherrschten die Azteken große Teile des heutigen Zentralmexiko. Als Hernán Cortés im Jahr 1519 in ihr Einzugsgebiet vordrang, marschierten er und seine Gefolgschaft auch in die Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan ein. Die "schwimmende Stadt" befand sich auf einer Insel im Texcoco-Salzsee und wurde über ein Kanalsystem mit Süßwasser versorgt.

Zwei Jahre nachdem Cortés erstmals Fuß in die Metropole gesetzt hatte, fiel Tenochtitlan nach 75-tägiger Blockade in die Hände der Konquistadoren. Die besondere Lage trug wohl auch zum Untergang der Stadt bei: Die Spanier hatten die Süßwasserzufuhr in die Stadt unterbrochen, und eine aus Europa eingeschleppte Seuche – vermutlich die Pocken – hatte die Bevölkerung dezimiert und geschwächt.

Nach der Eroberung entwässerten die Kolonialherren zusehends den Texcoco-See, zerstörten Tenochtitlan und erbauten das heutige Mexiko-Stadt auf dessen Ruinen.

Stein der Sonne – der Kalender, der keiner ist
Stein der Sonne – der Kalender, der keiner ist |

Im Dezember 1790 entdeckten Arbeiter unter einem Platz im Zentrum von Mexiko-Stadt einen riesigen, runden Stein mit reichen Prägungen. Die 24 Tonnen schwere Skulptur stammt vom Haupttempel der ehemaligen Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan, der an dieser Stelle gestanden hatte und auf dessen Ruinen die Spanier Mexiko-Stadt errichtet hatten.

Was anfangs als Kalenderstein interpretiert wurde, sehen Wissenschaftler inzwischen als möglichen Altarstein an, auf dem die Tenochtitlaner ihre Menschenopfer hingerichtet haben könnten. Im Zentrum der Skulptur ist der Sonnengott Tonatiuh zu sehen, weshalb das Artefakt heute als Stein der Sonne bekannt ist. Der Stein ist im Anthropologischen Nationalmuseum in Mexiko-Stadt ausgestellt.

Olmeken – mexikanische Urkultur?
Olmeken – mexikanische Urkultur? |

Bereits 1500 v. Chr. gründeten die Olmeken ihr erstes großes Zentrum, San Lorenzo, in der Nähe der Küste des Golfs von Mexiko. Die Siedlung ist die wahrscheinlich erste Stadt Nordamerikas. Lange galten die Olmeken deshalb als Mutter aller mexikanischen Hochkulturen – diese These ist heute widerlegt; ihr Einfluss auf die Azteken und Maya gilt dennoch als gesichert.

Ihre Bildzeichen dienten als Grundlage der berühmten Glyphenschrift der Maya. Zudem kommen die Olmeken als Erfinder des Ballsports mit in Betracht, denn in olmekischen Siedlungsüberresten fanden Archäologen Zeremonialplätze, auf denen Spielen mit Kautschukbällen gefrönt worden war. Auch für mexikanische Kulturen typische Steinpyramiden hatten sie bereits erbaut. Die wohl bekanntesten Zeugnisse dieser frühen Hochkultur sind allerdings die riesigen Basaltköpfe, die vermutlich hochrangige Persönlichkeiten der Olmeken darstellen.

Nazca – Mysteriöse Linien im Sand
Nazca – Mysteriöse Linien im Sand |

Die erst 1924 entdeckten Nazca-Linien gehören zu Perus größten Kulturschätzen. Nur aus der Luft kann man die riesigen, Geoglyphen genannten Scharrbilder in der Wüste von Nazca erkennen, die Menschen, Affen, Vögel oder Wale darstellen. Sie sind somit nicht nur Zeugnisse einer frühen Hochkultur, sondern zeigen auch das besondere geometrische Verständnis der frühen Nazca-Menschen.

Die ältesten dieser Zeugnisse datierten Archäologen auf die Zeit um 800 bis 600 v. Chr. Nur durch die extrem trockenen Bedingungen konnten die Strukturen die letzten knapp 3000 Jahre überstehen. Angesichts dieser Fragilität schützt die peruanische Regierung die Nazca-Linien streng: Touristen dürfen sie ausschließlich aus der Luft betrachten. Lediglich in seltenen Ausnahmefällen erhalten ausgewählte Gäste – etwa Wissenschaftler – Zutritt zu den Stätten.

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