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FAQ: Was tun gegen Aphthen?

Sie sind klein, schmerzhaft und in den allermeisten Fällen völlig harmlos: so genannte Aphthen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Schädigungen in der Mundschleimhaut.
Wund im Mund: Aphthen sind unangenehm, aber meist harmlos

Das Fiese ist der Schmerz. Selbst winzige, nur wenige Millimeter große Aphthen können das Essen, Trinken oder Zähneputzen zum Alptraum werden lassen. Spezielle Salben und Tinkturen lindern zwar die Schmerzen, wirken sich allerdings kaum auf den Heilungsverlauf aus. Manche Menschen neigen mehr, andere weniger zu Aphthen. Warum das so ist, wissen Wissenschaftler bislang nicht. Auch, weil nur die wenigsten mit ihren Wunden im Mund in die Arztpraxis gehen. Bei ungewöhnlich großen und hartnäckigen Aphthen sollte man das allerdings tun und abklären lassen, ob nicht doch eine andere Erkrankung dahintersteckt.

Aphthen treten fast ausnahmslos in Mund und Rachen auf und zählen dort zu den häufigsten Erkrankungen. Neben der Mundschleimhaut können die Lippen oder die Zunge betroffen sein. In sehr seltenen Fällen entwickeln sie sich auch auf den Schleimhäuten im Genitalbereich.

Mit den wiederkehrenden Aphthen geht es meist im zweiten oder erst im dritten Lebensjahrzehnt los. Im Alter lässt ihre Häufigkeit dann zumeist wieder nach. Frauen sind dabei stärker betroffen als Männer.

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Was sind Aphthen?

Das Aussehen von Aphthen ist sehr charakteristisch: ein weißlich-gelblicher Belag, rings herum ein geröteter Rand. Experten sprechen von Läsionen, also Wunden in der Mund- und Rachenschleimhaut. »Viele missdeuten den hellen Belag als Eiter oder Wundsekret«, sagt Nicole Arweiler, Direktorin der Klinik für Parodontologie und peri-implantäre Erkrankungen am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Tatsächlich handele es sich bei diesem Belag jedoch um eine Art natürliches Schutzpflaster aus dem Eiweiß Fibrin. »Das ist das gleiche Prinzip wie Schorf auf einer Wunde der Haut, nur farblich umgekehrt«, sagt Arweiler. Die Größe und Dicke des Fibrinbelags auf einer Aphthe ändern sich, während sie entsteht und heilt. Darauf, wie schmerzhaft sie ist, hat das allerdings keinen Einfluss. Der Schmerz wird durch mechanische Reibung oder Kontakt mit säurehaltigen Lebensmitteln ausgelöst.

Serie: Gesund im Mund

Ob beim Sprechen, Essen, Lächeln oder Küssen: Unser Mund ist quasi pausenlos in Bewegung. Wie wichtig es ist, dass er gesund bleibt, fällt vielen trotzdem erst dann auf, wenn sich die ersten Wehwehchen bemerkbar machen wie Karies, Zahnfleischentzündungen oder fiese Aphten. Dabei kann die Mund- und Zahnpflege weit reichende Konsequenzen für den gesamten Körper haben – selbst mit Erkrankungen wie Alzheimer, Herzleiden und Covid-19 wird sie inzwischen in Verbindung gebracht. Wie eine optimale Mundhygiene aussieht, welchen Beitrag das orale Mikrobiom leistet und was die Mundschleimhaut so besonders macht, erfahren Sie in unserer Serie »Gesund im Mund«:

Aktuell unterscheiden Fachleute gemeinhin drei Typen:

Typus minor: Diese nur oberflächlichen Aphthen kommen am häufigsten vor, sie machen rund 85 Prozent aller wiederholt auftretenden Aphthen aus. Etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Die Aphthen haben einen Durchmesser von weniger als einem Zentimeter, meist sind sie nur zwei bis fünf Millimeter groß. Sie heilen auch ohne Behandlung nach sieben bis zehn Tagen komplikationslos aus.

Typus maior: Diese Aphthen sind ein bis drei Zentimeter groß und reichen meist tiefer in die Mundschleimhaut. Sie sind sehr viel schmerzhafter als die Aphthen vom Typus minor und brauchen zwei bis vier Wochen, bevor sie abheilen. Es ist möglich, dass Narben bleiben. Etwa zehn Prozent aller wiederholt auftretenden Aphthen zählen zu diesem Typus.

Typus herpetiformis: Mit einem Durchmesser von gerade einmal ein bis zwei Millimeter sind diese Aphthen zwar so klein wie ein Stecknadelkopf, treten dafür aber in großer Zahl auf: 50 bis mehr als 100 Stück auf einmal haben Betroffene mitunter im Mund. Sie heilen nach sieben bis zehn Tagen von alleine ab. Etwa fünf Prozent aller wiederholt auftretenden Aphthen gehören zu diesem Typus, sie können ein Anzeichen für eine Herpesinfektion sein.

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Wie entstehen sie?

Bis heute ist nicht endgültig geklärt, woher Aphthen kommen. »Wir wissen, dass die Ursachen für klassische Minor-Aphthen weder viral noch bakteriell sind«, sagt Arweiler. Diskutiert werden beispielsweise Stress oder Ernährung als Auslöser. Bei manchen Menschen reduziert sich das Auftreten von Aphthen, wenn sie auf besonders histaminhaltige Lebensmittel wie reifen Käse, Walnüsse, Tomaten oder Zitrusfrüchte verzichten. Auch Verletzungen der Mundschleimhaut durch schlecht sitzende Zahnspangen oder einen harten Brotkanten können zu Aphthen führen.

Weißliche Schutzschicht | Der Belag auf den Aphthen wird oft mit Eiter verwechselt. Es handelt sich jedoch um eine Schutzfunktion der Schleimhaut.

Eine erbliche Veranlagung scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen. »Wenn Eltern häufig unter Aphthen leiden, sind einer Studie zufolge in 90 Prozent der Fälle auch die Kinder betroffen«, sagt Arweiler, »während nur zehn Prozent der Kinder Aphthen bekommen, wenn die Eltern nicht davon betroffen sind.«

Neben den klassischen Aphthen gibt es solche, die im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten. So haben beispielsweise Menschen mit Morbus Crohn, Zöliakie, der Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder HIV öfter mit den Läsionen im Mund zu kämpfen. »Hier spielt vermutlich das geschwächte Immunsystem als Auslöser der Aphthen eine Rolle«, sagt Arweiler.

Insgesamt mangelt es jedoch an fundierten Studien zum Thema. Ärztinnen und Ärzte müssen sich zumeist auf Erfahrungswissen berufen.

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Wie schlimm sind die Wunden im Mund?

Die »normalen« Aphthen heilen innerhalb von etwa sieben Tagen von selbst ab. Sie sind nicht ansteckend und ziehen keine Folgeschäden nach sich.

Treten sie allerdings im Zusammenhang mit anderen Symptomen auf, wie zum Beispiel Fieber, sehen sie besonders ungewöhnlich aus oder heilen sie auch nach über einer Woche nicht ab, dann sollte man ärztlichen Rat suchen. Durch eine Differenzialdiagnose schließen Mediziner beispielsweise aus, dass es sich bei der Läsion um die Vorstufe eines Tumors oder eine andere Krankheit, zum Beispiel eine Virusinfektion oder Autoimmunerkrankung, handelt.

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Wie kann man Aphthen behandeln?

»Jeder, der öfter Aphthen hat, entwickelt da seine ganz eigenen Strategien«, sagt Arweiler. Die meist darin bestehen, säurehaltige Lebensmittel wie Orangensaft und Salatdressing zu meiden und auf eine Zahnbürste mit weicheren Borsten umzusteigen. Medikamentös können vor allem schmerzstillende Salben helfen, die die betroffenen Stellen lokal betäuben. Sie enthalten das Betäubungsmittel Lidocain. Salben mit einem Lidocaingehalt bis zu zwei Prozent sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. »Vor dem Auftragen sollte man einatmen, damit die Stelle trocken wird und die Salbe nicht so sehr mit Speichel vermischt wird«, sagt Arweiler. »Dann die Salbe mit dem Finger oder einem Wattestäbchen auf der Aphthe einreiben.«

Auf keinen Fall sollte die Lidocainsalbe verschluckt werden, da dann Teile der Speiseröhre betäubt werden. Das könne zu Panikattacken führen, sagt Arweiler.

Eine ähnliche lokal betäubende Wirkung haben so genannte adstringierende, also zusammenziehende Lösungen. »Gute Erfolge zeigen sich mit Myrrhetinkturen oder Rhabarberextrakt«, sagt Arweiler.

Auch wenn Bakterien nicht ursächlich für die Aphthen verantwortlich sind, können antibakterielle Mundspülungen sinnvoll sein. »Wer Aphthen hat, putzt oft schmerzbedingt in dieser Gegend nicht mehr so gründlich, weshalb sich hier vermehrt Bakterien absetzen können. Insofern kann eine antibakterielle Spülung da gute Dienste leisten«, sagt Arweiler. Um die eigentliche Entzündung zu hemmen, empfiehlt die offizielle zahnmedizinische Leitlinie chlorhexidinhaltige Gele und kortisonhaltige Salben. »Das sollte man allerdings nach dem Stufenkonzept handhaben, wenn die Aphthen besonders zahlreich oder groß sind, nicht gleich als Mittel der Wahl bei einer normalen Aphthe«, sagt Arweiler.

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Wie kann man Aphthen vorbeugen?

Da die Ursachen für Aphthen nicht genau bekannt sind, kann man ihnen auch nicht vorbeugen. »Wer sehr darunter leidet, kann zumindest mal probeweise ein Ernährungsprotokoll führen und schauen, ob es da einen Zusammenhang gibt, das ist allerdings sehr aufwändig«, sagt Arweiler. Auch Stress als möglicher Auslöser kann in einer Selbstbeobachtung bestätigt oder ausgeschlossen werden. Sonst hilft nur: damit leben lernen. Mit dem Wissen, dass keine schlimmere Erkrankung dahintersteckt, fällt das auf jeden Fall leichter.

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