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Fragen und Antworten zu Covid-19: Gibt es im Herbst wieder mehr Todesfälle?

Die Fallzahlen in Europa steigen weiter, auch in Deutschland. Zwar sind die Infizierten tendenziell jünger und erkranken in der Regel weniger schwer - aber wird das auch so bleiben? Die wichtigsten Antworten zu Covid-19.
Das Virus wird unter anderem durch Aerosole übertragenLaden...

Hier bieten wir Fragen und Antworten in Leichter Sprache.

Die Fallzahlen steigen weiter. In manchen Ländern, zum Beispiel in Spanien, sind sie sogar höher als je zuvor. Doch Vergleich zum Anfang der Pandemie haben sich in den letzten Monaten mehr jüngere Menschen infiziert, von denen relativ wenige schwer erkranken. Das hat zur Folge, dass auch weniger Todesfälle verzeichnet werden. Doch was, wenn es draußen kühler wird und die Menschen sich mehr in geschlossenen Räumen aufhalten?

Seit Anfang September, so schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Lagebericht, sei ein leichter Anstieg der Fallzahlen in den höheren Altersgruppen zu sehen. Dieser Verlauf müsse aufmerksam beobachtet werden. Sollten sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, müsse auch mit einem Wiederanstieg der Hospitalisierungen und Todesfälle gerechnet werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet damit, dass die täglichen Corona-Todesfälle in Europa im Oktober und November ansteigen. »Es wird härter werden«, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, der Nachrichtenagentur dpa. Zudem naht mit dem Herbst auch die nächste Grippesaison. Zwar werden derzeit zahlreiche Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus in klinischen Studien getestet; mit einer Zulassung rechnen Experten aber erst im nächsten Jahr.

Die Zahl der insgesamt festgestellten Infektionen mit dem neuen Coronavirus ist laut dem RKI zuletzt auf 289 219 (Stand 00.00 Uhr) gestiegen. 9488 Menschen sind an den Folgen der Krankheit gestorben. Es handelt sich um die bundesweit einheitlich erfassten und an das RKI übermittelten bestätigten Covid-19-Fälle. Die Reproduktionsrate des Virus liegt momentan um eins. Das heißt, jeder Infizierte steckt im Schnitt etwa einen weiteren Menschen an. Weltweit haben sich mittlerweile mehr als 33 000 000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 1 000 000 Menschen sind gestorben.

Wie viele Menschen haben sich neu angesteckt? |

Wie viele Fälle es in den einzelnen Bundesländern gibt, zeigen unter anderem Grafiken des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin. Die Aktualisierung erfolgt zeitnah nach Veröffentlichung der Zahlen durch das Robert Koch-Institut.

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Wie verläuft die Epidemie hier zu Lande?

Die ersten Infizierten in Deutschland steckten sich an, weil sie entweder im Ausland waren oder Kontakt mit aus dem Ausland eingereisten Kranken hatten. In dem Stadium schien es möglich, die Krankheit daran zu hindern, in Deutschland Fuß zu fassen – eine Strategie, die man als »containment« bezeichnet. Doch bald darauf verbreitete sich das Virus auch innerhalb der Bevölkerung. Damit hat sich die Situation verändert.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Neben den behördlichen Tests und Isolierungsmaßnahmen ist das Verhalten der Einzelnen sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Epidemie. Jede und jeder sollte bereit sein, Menschenansammlungen so gut wie möglich zu vermeiden. Wenn nicht, könnte sich ein Szenario wie im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg wiederholen. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort zu einer massenhaften Ausbreitung des Erregers.

Mitte März wurden in Deutschland strenge Kontaktbeschränkungen sowie Abstands- und Hygieneregeln eingeführt. Schulen, Kitas, Sportanlagen, Geschäfte, Kneipen und Restaurants mussten schließen. Großveranstaltungen wurden untersagt und die Grenzen weitgehend geschlossen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ging relativ rasch zurück. So wurden Ende April die ersten, vorsichtigen Lockerungen beschlossen. Abschlussklassen durften wieder zur Schule gehen, und erste Geschäfte konnten unter Auflagen wieder öffnen.

Weil es zu keinem dramatischen Anstieg der Fallzahlen kam, wurde Anfang Mai weiter gelockert. Alle Geschäfte, auch Restaurants, und Ausstellungen durften wieder öffnen, und kleinere Veranstaltungen wie Gottesdienste konnten – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – wieder stattfinden. Das führte zu mehreren Ansteckungsereignissen: Nach einem Gottesdienst in Frankfurt am Main wurden mindestens 200 Menschen aus dem Umfeld der Gemeinde positiv auf Sars-CoV-2 gestestet worden. In einem Restaurant im Landkreis Leer infizierten sich einige Besucher eines Restaurants, mehr als 100 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt.

Ende Mai erhielten die Bundesländer zusätzlichen Gestaltungsspielraum bei der Auslegung der Regeln. Sie sollen anhand des lokalen Infektionsgeschehens entscheiden, welche Lockerungen angebracht sind. So gelten in einigen Bundesländern, etwa in Thüringen, lediglich Empfehlungen: Wo immer dies »möglich und zumutbar« sei, soll der Mindestabstand aber weiterhin eingehalten werden. Auch gilt im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften weiterhin die Pflicht, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Lokale Ausbrüche in Hochhauskomplexen und Schlachtbetrieben, bei denen zum Teil über 1000 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, zeigen jedoch: Die Situation ist nach wie vor nicht stabil.

Zwischenzeitlich war die Reproduktionsrate des Virus auf knapp unter drei gestiegen. Daraufhin wurden die Kontaktbeschränkungen in den betroffenen Landkreisen zeitweise wieder verschärft. Zunächst führten solche lokalen Ausbrüche zu keinem bundesweiten und dauerhaften Anstieg der Fallzahlen. Laut dem RKI war die Anzahl der neu übermittelten Fälle seit etwa Mitte März bis Anfang Juli rückläufig. Dann aber nahm die Fallzahl wieder stetig zu. Ein Grund: Es kommt zu immer mehr kleineren Geschehen in verschiedenen Landkreisen, etwa bei größeren Feiern im Familien- und im Freundeskreis, Freizeitaktivitäten oder an Arbeitsplätzen. Hinzu kam zur Urlaubszeit die Sorge, dass Reiserückkehrer das Virus mitbringen.

Laut dem RKI waren zwischenzeitlich knapp 40 Prozent der neu registrierten Infektionen auf Reiserückkehrer zurückzuführen. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass Reisende zu dieser Zeit auch verstärkt getestet wurden. Für Urlauber, die aus Risikogebieten zurückkommen, gilt seit dem 8. August sogar eine Testpflicht. Insgesamt, so sagen die Zahlen, ist es noch immer wahrscheinlicher, sich in Deutschland mit dem Virus anzustecken.

Nachdem sich die Lage Anfang Semptember vorübergehend etwas beruhigt hatte, verzeichnet das RKI zur Zeit wieder einen Anstieg der täglichen Fallzahlen. Mancherorts lagen sie über der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Stadt München verschärft deshalb ihre Maßnahmen: So soll im Zentrum eine generelle Maskenpflicht herrschen, außerdem dürfen bald nur noch maximal fünf Personen zusammenkommen, egal ob in ihren Wohnungen, auf öffentlichen Plätzen oder in Gaststätten.

Langfristig zeigen die historischen Erfahrungen, dass eine Pandemie zwei bis drei Jahre dauert. Vermutlich wird es Phasen mit stärkerer und schwächerer Verbreitung geben, die sich regional unterscheiden. Es wäre also ein Fehler, mit der Bekämpfung nachzulassen, wenn die Pandemie abzuebben scheint. Das Virus kommt wieder, vermutlich mehrfach.

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Wie tödlich ist das neue Coronavirus?

Noch ist unklar, wie viele Erkrankte an den Folgen des Coronavirus sterben. Nicht alle Menschen können getestet werden – und Todesfälle werden stets mit einiger Verzögerung registriert. Insgesamt verzeichneten einige Länder in den letzten Monaten jedoch deutlich mehr Tote als in anderen Jahren. Das spricht dafür, dass Covid-19 deutlich gefährlicher ist als eine gewöhnliche Atemwegsinfektion.

Die offiziellen Covid-19-Sterberaten verschiedener Länder unterscheiden sich zum Teil stark: Während in Italien, Großbritannien und Belgien laut Statistiken mehr als 10 Prozent der nachweislich Infizierten verstorben sind, waren es in Deutschland laut dem RKI bislang etwa vier Prozent. Woran dies liegt, ist noch weitgehend unklar.

Die Sterberaten für China haben Wissenschaftler inzwischen genauer untersucht. Sie schätzen, dass die Fallsterblichkeit für ganz China etwa 0,7 Prozent beträgt. Der Vergleich mit internationalen Daten zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, nicht nur in China mit dem Alter zunimmt: Während die Sterberate bei unter 60-Jährigen meist unter einem Prozent liegt, steigt sie ab diesem Alter auf vier bis sechs Prozent. Bei über 80-jährigen Covid-19-Patienten sterben laut den Berechnungen sogar etwa 13 Prozent.

Etwa ein Fünftel der Infizierten, zeigen die chinesischen Daten, müssen ins Krankenhaus, einige von ihnen mit erheblichem Aufwand künstlich beatmet werden. Fallberichte legen nahe, dass Covid-19 für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem höheren Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko verbunden ist. Auch eine groß angelegte Untersuchung aus England zeigte, dass Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes, schwerem Asthma sowie Atemwegs-, chronischen Herz-, Leber-, neurologischen und Autoimmunerkrankungen offenbar ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu sterben. Die Studie ergab auch, dass Männer bei der Krankheit ein um rund 1,6-fach höheres Sterberisiko haben als Frauen. Und: Trotz Berücksichtigung etwaiger Vorerkrankungen starben den Daten zufolge Südasiaten sowie Menschen dunkler Hautfarbe oder mit gemischtem ethnischem Hintergrund rund 1,6- bis 1,9-mal häufiger an Covid-19 als Weiße.

Menschen, deren Immunsystem etwa infolge einer Organtransplantation geschwächt ist, sollen laut einer Studie mit 200 Patienten am Transplantationszentrum in Bergamo jedoch nicht besonders gefährdet sein. Bislang gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass eine Schwangerschaft das Risiko für eine schwere Erkrankung erhöht.

Autopsie-Untersuchungen und Berichte von Covid-19-Patienten haben zudem gezeigt, dass die Infektion nicht nur die Lunge, sondern auch das Gefäßsystem und verschiedene andere Organe wie Herz, Leber, Darm oder Nieren schädigen kann. So litt von 416 Sars-Cov-2-Infizierten, die im Rahmen einer Studie in Wuhan untersucht wurden, jede fünfte Person an Herzproblemen. Das liegt vermutlich daran, dass auch Zellen in diesen Geweben den Rezeptor an ihrer Oberflächen tragen, der Sars-CoV-2 die Türen öffnet. Mit Hilfe menschlicher Mini-Organe untersuchen Forscher, welche Schäden das Virus in unserem Körper anrichtet.

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Wie verbreitet sich das Virus?

Über den Schleim, den erkrankte Menschen ausniesen oder aushusten. Dabei entsteht ein Aerosol aus feinen Tröpfchen, das eine Zeit lang in der Luft bleibt, bevor es sich absetzt. Deswegen sollte sich niemand längere Zeit in der Nähe von möglicherweise Erkrankten aufhalten. Und eventuell Erkrankte sollten sich von anderen fernhalten, also zu Hause bleiben.

Größere ausgehustete Tröpfchen können sich auf Oberflächen absetzen; dort überlebt das Virus bis zu mehrere Tage. Auch von den Händen Infizierter gelangt das Virus auf Gegenstände. Wenn man selbst dorthin fasst, hat man die Viren an den Fingern; wir fassen uns oft unbewusst ins Gesicht und können uns auf diesem Weg anstecken. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen schützt ebenso, wie sich bewusst nicht ins Gesicht zu fassen. Wer Handschuhe trägt, tut das seltener.

Eine Verbreitung über das Wasser – etwa in Schwimmbädern – ist eher unwahrscheinlich, zumal das Virus hier sehr stark verdünnt vorliegt und dem Wasser meistens Chlor zur Desinfektion zugesetzt wird. Viel bedenklicher ist der enge Kontakt zu anderen Menschen, etwa auf Liegewiesen.

Eine reine Übertragung über die Luft wurde lange Zeit ausgeschlossen. Zwar ist häufig Viruserbgut in der Luft nachweisbar, infektiöse Viren konnten Forscher daraus jedoch nicht isolieren. Einem US-amerikanischen Team ist dies nun offenbar doch gelungen. Selbst in fast fünf Metern Abstand zu einem Infizierten ließen sich noch intakte Viren isolieren, heißt es in der Studie, die noch nicht durch unabhängige Gutachter geprüft wurde. Ob die in Aerosolen enthaltene Viruslast tatsächlich ausreicht, um andere Menschen mit Sars-CoV-2 anzustecken, ist noch unklar. Beobachtungsstudien zeigten aber, dass Singen in der Gruppe, Fitnesskurse oder auch das Arbeiten an einem Fließband zahlreiche Infektionsereignisse herbeigeführt haben. »Der längere Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als zwei Meter erhöhen«, schreibt das RKI auf seiner Seite.

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Wie ansteckend ist das Virus wirklich?

Das neue Virus gehört zur großen Gruppe der sarsähnlichen Coronaviren, ist aber nur entfernt mit dem Epidemievirus von 2003 verwandt und verhält sich anders. Der Erreger ist wohl ähnlich ansteckend wie Sars – seine Basisreproduktionszahl R0 liegt laut dem RKI zwischen 2,4 und 3,3.

Diese Zahl beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt – unter der Annahme, dass noch niemand immun gegen das Virus ist. Sie ist aber kein fixer Wert, sondern lässt sich durch unser Verhalten beeinflussen. Im Verlauf einer Epidemie misst man darum die effektive Reproduktionszahl R. Um einen Ausbruch zu stoppen, muss dieser Wert dauerhaft unter 1 gehalten werden. Das bedeutet: Jeder Infizierte steckt im Schnitt weniger als eine weitere Person an. Doch selbst dann schrumpfen die Fallzahlen nicht überall:

Die Reproduktionszahl R

Veröffentlicht am: 03.05.2020

Laufzeit: 0:04:35

Sprache: deutsch

Vermutlich spielen so genannte Superspreading-Ereignisse eine zentrale Rolle in der Epidemie. Das bedeutet: Nicht jeder Mensch steckt gleich viele andere an. Während manche Personen die Infektion nicht weitergeben, geht von anderen eine riesige Ansteckungskette aus: Sie sind Superspreader. Ein frühes Beispiel dafür konnte man im Landkreis Heinsberg beobachten. Dort steckten zwei Menschen, die das Coronavirus bereits unwissentlich in sich trugen, infolge einer Karnevalsfeier fast 800 Menschen an. Ähnlich scheint es bei den Ausbrüchen bei einem Gottesdienst in Frankfurt sowie in deutschen und niederländischen Schlachthöfen gewesen zu sein. Bewegungsdaten von Menschen, vor allem in Städten, könnten helfen, solche Superspreader-Hotspots vorherzusagen.

Laut einer Studie aus China sind Infizierte vermutlich im Durchschnitt schon 2,3 Tage vor den ersten Symptomen ansteckend. Etwa die Hälfte der 77 untersuchten Übertragungen fanden statt, bevor die Krankheit ausbrach. 0,7 Tage bevor die ersten Symptome auftraten, waren die Infizierten im Schnitt am ansteckendsten. Dass auch Menschen ohne Krankheitszeichen das Virus übertragen können, macht es sehr schwer, seine Ausbreitung einzugrenzen.

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Welche Rolle spielen Kinder?

Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar beantworten. Laut Studien aus Italien, Island und den USA erkranken Kinder deutlich seltener an Covid-19 als Erwachsene. Frühere Daten aus China hatten hingegen nahegelegt, dass sich Kinder ähnlich häufig infizieren. In Deutschland machen Kinder unter 10 Jahren laut Angaben des RKI derzeit etwa vier Prozent der nachgewiesenen Fälle aus; etwa sechs Prozent der Infizierten sind zwischen 10 und 19 Jahre alt.

Kinder erkanken in der Regel eher mild und werden auch schneller wieder gesund. Eine vorab veröffentlichte Studie des Teams um den Virologen Christian Drosten ergab jedoch, dass bei etwa 50 Kindern unter 10 Jahren etwa dieselbe Menge Virus im Rachen nachweisbar ist wie bei Erwachsenen. Sie könnten demnach genauso ansteckend sein. Ob das tatsächlich so ist, ist schwer zu sagen. Oft wird die Erkrankung bei Kindern auf Grund der milden oder ausbleibenden Symptome gar nicht erkannt, und sie werden nicht getestet. Somit könnten die Fallzahlen in dieser Altersgruppe deutlich höher sein als bislang angenommen.

Im Juni haben Forscher der Universitäten Heidelberg und Ulm die vorläufigen Ergebnisse der bislang größten Studie zum Infektionsgeschehen bei Kindern vorgestellt. Für diese hatten die Forscher 2500 Elternteil-Kind-Paare auf das Virus und auf Antikörper untersucht. Etwa ein Viertel der Kinder ging coronabedingt in die Notbetreuung. Ingesamt stießen die Wissenschaftler bei 49 Eltern und 19 Kindern auf Antikörper gegen das neue Coronavirus. Das könnte darauf hindeuten, dass Kinder sich seltener infizieren und aktuell keine Treiber der Pandemie sind. In einer Studie aus Südkorea steckten 10- bis 19-Jährige ihre Haushaltsmitglieder hingegen mindestens genauso häufig an wie Erwachsene. Wie infektiös Kinder wirklich sind, ist daher noch nicht abschließend geklärt.

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Was passiert, wenn nicht alle Kranken behandelt werden können?

 

Die größte Gefahr durch Covid-19 ist nicht etwa, dass das neue Virus so tödlich wäre. Das ist es nicht, es tötet weit weniger Menschen, als es das Robert Koch-Institut zum Beispiel im Szenario für den Risikobericht Bevölkerungsschutz 2012 angenommen hatte. Allerdings breitet sich das Virus ohne Gegenmaßnahmen sehr schnell aus.

Die Erfahrungen in Italien haben gezeigt, dass dann vor allem Beatmungsgeräte knapp werden. Wenn nicht mehr alle behandelt werden können, nutzt man ein als Triage bezeichnetes Auswahlverfahren, um zu entscheiden, wer die lebensrettenden Maßnahmen erhält. Damit sollen die knappen Ressourcen effektiver eingesetzt werden, um möglichst viele Leben zu retten.

Triage-Verfahren kennt man sonst aus dem militärischen Bereich und aus der Katastrophenhilfe, wenn sehr viele Verletzte gleichzeitig versorgt werden müssen. Auf einem weniger dramatischen Niveau ist Triage Alltag. In den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser werden Patientinnen und Patienten jeden Tag durch geschultes Pflegepersonal nach Dringlichkeit ihrer Behandlung eingestuft.

Doch wenn Covid-19 die Kapazitäten eines Krankenhauses erschöpft, werden solche Entscheidungen schwieriger. Zwar müssen Fachleute nach medizinischen Kriterien entscheiden – aber nach welchen? Zählt, wie dringend die Behandlung ist, oder bekommt den Vorzug, wer die stärkste Verbesserung erwarten lässt?

In einer echten Krisensituation kann es auch passieren, dass Angehörige dringend benötigter Berufe, insbesondere medizinisches Personal, bevorzugt behandelt werden. Die Triage führen im Normalfall eigens abgestellte Personen durch.

Man geht in mehreren Schritten vor. Zuerst wird festgestellt, wer überhaupt noch für eine Beatmung in Frage kommt. Dann müssen Fachleute bewerten, bei wem die Überlebenschancen am höchsten sind. Dazu nutzt man bestehende Kriterien wie den Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Score, der laut Studien gute Indizien für die Sterblichkeit bei Covid-19 gibt. Doch auch wenn ein Patient nach einer solchen Bewertung beatmet wird, geht die Triage weiter – unter verschärften Bedingungen.

Denn verschlechtert sich die Prognose deutlich, ist es womöglich sinnvoller, jemanden anderes zu beatmen. Die Beatmung eines Patienten einzustellen, ist allerdings eine dramatische Entscheidung. Unter normalen Umständen trifft man sie nur auf Wunsch eines Patienten – oder wenn es keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt.

Während einer akuten Corona-Krise trifft aber weder das eine noch das andere zu. Die Triage potenzieller Beatmungspatienten stellt medizinisches Personal vor neue, bisher kaum vorstellbare fachliche, ethische und menschliche Dilemmas. Bisher ist unklar, wer diese Entscheidungen trifft und wie.

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Wie viele Menschen sind bisher genesen?

Die Frage ist eher: Was sagt uns diese Zahl überhaupt? Nicht nur ist der Wert schwer zu ermitteln, er hat auch bloß begrenzte Aussagekraft über den Verlauf der Epidemie. Während die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und Todesfälle in vielen Fällen Rückschlüsse darauf erlaubt, wie sich ein Ausbruch entwickelt, hängt die Zahl der Geheilten weit hinterher, und das auf schwer auswertbare Weise.

Nicht zuletzt, weil sich Menschen abhängig von der Schwere der Krankheit langsamer oder schneller erholen. Es gibt auch keinen klaren Zeitpunkt, ab dem Kranke weltweit wieder als gesund gelten. Ist es der Moment, an dem sie aus dem Krankenhaus entlassen werden? Oder jener, an dem sie keine nachweisbaren Viren mehr abgeben? Wegen solcher Unwägbarkeiten spielt die Zahl der Gesundeten nur eine untergeordnete Rolle.

Unklar ist außerdem, ob und wie lange man gegen das Virus immun ist, nachdem man eine Infektion durchgemacht hat. Laut Studien ist die Konzentration an so genannten neutralisierenden Antikörpern im Blut für einige Wochen nach der Infektion hoch, lässt dann aber wieder nach. Welche Konzentration an Antikörpern notwendig ist, um eine erneute Infektion zu verhindern oder zumindest die Symptome abzumildern, ist unbekannt. Zudem wird Immunität wird nicht allein durch Antikörper vermittelt. Auch bestimmte Immunzellen, so genannte T-Zellen, spielen eine wichtige Rolle. Erfahrungen mit anderen Coronaviren zeigen, dass ein Schutz, der die eine Infektion komplett verhindert, oft nur wenige Monate bestehen bleibt. Eine Immunität, die Symptome verhindert oder lindert, könnte laut Experten jedoch länger anhalten.

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Warum ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Jedes Jahr infizieren sich nach Schätzungen etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung mit einer saisonalen Grippe; im Lauf der Zeit kommen so fast alle Menschen mit verschiedenen Grippeviren in Kontakt. Dadurch verläuft die Krankheit oft weniger schwer, viele Menschen stecken sich gar nicht an, sie sind immun. Das Robert Koch-Institut identifizierte im Jahr 2020 bereits mehrere hundert Virenstämme, von denen die meisten zu den bereits umgehenden Subtypen H1N1, H3N2 sowie dem Influenza-B-Virus gehören.

Das ist bei Covid-19 anders. Das Virus Sars-CoV-2 ist neu, weshalb es in der Bevölkerung keinen verteilten Immunschutz gibt. Darum breitet sich die Krankheit unter Umständen sehr schnell aus. Das passierte zum Beispiel in China und Italien. Nur bei etwa einem Fünftel der Erkrankten verläuft die Krankheit so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. So der aktuelle Stand. Aber wenn es in kurzer Zeit sehr viele Fälle gibt, können die Krankenhäuser sie oft nur notdürftig oder gar nicht mehr versorgen.

Ein überlastetes Gesundheitssystem bedroht nicht allein Patientinnen und Patienten mit Covid-19, sondern alle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Deswegen können durch Covid-19 sehr viele Menschen sterben, die gar nicht mit dem Virus infiziert sind: Herzkranke, Grippe-Infizierte und Unfallopfer.

Die fehlende Immunität in der Bevölkerung kann auch dazu führen, dass sehr viele Menschen sterben, obwohl das Virus gar nicht so tödlich ist. Fachleute schätzen, dass bis zu 70 Prozent der Bevölkerung erkranken könnten. Selbst wenn nur etwa ein Prozent der Infizierten tatsächlich an der Krankheit stirbt, würde das schlimmstenfalls 560 000 Tote allein in Deutschland bedeuten.

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Wie verhindert man, dass das Virus sich wieder ausbreitet?

Die Epidemie hat in Deutschland vorübergehend ein Level erreicht, das kontrollierbar scheint. Damit das so bleibt, müssen allerdings weiterhin alle mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen das Virus eindämmen. So empfehlen Fachleute, die Coronavirus-App zu nutzen, um die Kontaktverfolgung zu erleichtern. Gesundheitsminister Jens Spahn hat sie nach langem Warten am 16. Juni vorgestellt. Schon mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland haben die App auf ihrem Smartphone installiert. Das erste Gebot ist aber: sich nicht selbst anstecken – im eigenen Interesse und zum Wohle anderer.

Inzwischen sind die wichtigsten Bedingungen bekannt, unter denen sich das Virus gut verbreitet. Geschlossene Räume mit geringem Luftaustausch, besonders wenn viele Menschen darin sind, stellen ein Risiko dar – umso mehr, je länger man sich darin aufhält. Durch lautes Sprechen oder Singen scheint die Ansteckungsgefahr auch zu steigen. Masken bieten einen gewissen Schutz – sofern sie gut sitzen und keine großen Lücken an den Seiten lassen.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Maßnahmen:

  • in ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und niesen
  • Mund-Nase-Schutz tragen
  • größere Menschenansammlungen meiden
  • Innenräume meiden
  • Zahl der regelmäßigen Kontakte klein halten
  • Hände regelmäßig waschen oder desinfizieren
  • nicht ins Gesicht fassen
  • bei Erkältungssymptomen zu Hause bleiben
Hände waschen kurz erklärt

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Was deutet darauf hin, dass ich mich angesteckt habe?

Viele Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme wie bei einer Grippe. Kopfschmerzen und Durchfall sind ebenfalls möglich. Manche Erkrankte verlieren offenbar zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Ein Team der University of California befragte etwa 250 Menschen mit grippeartigen Symptomen. Etwa 70 Prozent derjenigen, die sich als Sars-CoV-2-positiv herausstellten, konnten nach eigenen Angaben wesentlich schlechter riechen und schmecken als sonst, unter den Sars-CoV-2-Negativen waren es nur etwa 17 Prozent. Es könnte also ein Anzeichen für eine sonst mild oder gar symptomlos verlaufende Infektion sein. Keine der erkrankten Personen musste wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden; der Geruchs- und Geschmackssinn kehrte in den meisten Fällen nach weniger als zwei Wochen zurück. Wenn die Infektion schwerer verläuft, kommt eine Lungenentzündung hinzu. Insbesondere Atemnot ist ein Warnzeichen dafür und sollte unbedingt ernst genommen werden.

Der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – die Inkubationszeit – beträgt nach jetziger Kenntnis meist 2 bis 14 Tage, im Mittel etwa 5 Tage. Offenbar kann man bereits in diesem Zeitraum andere Menschen anstecken.

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Was ist zu tun, wenn ich eine Ansteckung vermute?

Sich telefonisch beim Hausarzt melden und zu Hause bleiben. Die Kriterien dafür, wer getestet wird, wurden bereits mehrfach angepasst. Laut dem neuen Infektionsschutzgesetz soll künftig noch mehr getestet werden, und die Krankenkassen sollen auch präventive Corona-Tests bezahlen.

Konkrete Anzeichen, insbesondere die einer Lungenentzündung, sind dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt zu melden. Wichtiger als ein Test ist allerdings, andere Menschen nicht anzustecken, egal mit welchem Virus. Nicht die Behörden leisten den wichtigsten Beitrag zur Eindämmung der Epidemie, sondern Menschen, die umsichtig handeln.

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Wird sich das Coronavirus weltweit unkontrolliert ausbreiten?

Der Schwerpunkt der Epidemie liegt schon lange nicht mehr in China. Bereits am 19. März überstieg die Zahl der Todesfälle in Italien jene derer in China. Bald darauf lagen auch andere europäische Länder und andere Staaten um ein Vielfaches darüber. Die USA meldeten inzwischen mehr als 200 0000 Tote. Je nach Quelle unterscheiden sich die aktuellen Fallzahlen etwas.

Die Ausbrüche lassen sich in einzelnen Ländern unterschiedlich gut eindämmen: Einerseits scheint es mancherorts zu gelingen, Coronavirus-Fälle schnell zu entdecken und Kranke und ihre Kontakte zu isolieren. In Südkorea, Taiwan und nicht zuletzt China beispielsweise. Auch Neuseeland war zwischenzeitlich coronavirusfrei. Andererseits zeigte sich beispielsweise in Europa, dass es keineswegs einfach ist, Covid-19 zu kontrollieren. Die Zahl der immer neuen Infizierten drohte die Gegenmaßnahmen zu überwältigen, wie lange Zeit in Italien zu beobachten war. Auch in anderen Ländern bestand die Gefahr. Zudem wachsen die Befürchtungen vor einer zweiten Welle: Spanien verzeichnet derzeit höhere Fallzahlen als zu Beginn der Pandemie. Auch Israel ist stark betroffen: dort gab es zuletzt täglich mehr als 4000 Neuinfektionen, darum ging das Land am 18. September erneut in den Lockdown.

Die USA sind derzeit das mit Abstand am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Insgesamt haben sich dort bis zum 23. September rund 6 900 000 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, so viele wie nirgendwo sonst. Auch Mittel-und Südamerika sind stark betroffen: In Brasilien haben sich nach offiziellen Angaben bereits rund 4 600 000 Menschen infiziert, rund 138 000 davon sind im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus gestorben.

Bislang hat sich das Virus in Afrika relativ langsam verbreitet. Wie viele Menschen sich dort tatsächlich infiziert haben, ist jedoch unbekannt. Nicht alle Staaten haben die Möglichkeit, ihre Einwohner auf das Virus zu testen. Rund 34 000 Menschen sind bereits infolge einer Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben. Die meisten Todesfälle gibt es der WHO zufolge derzeit in Südafrika, Ägypten, Algerien, Marokko, Nigeria und Sudan. Einige Staaten haben drastische Einschränkungen eingeführt. Allerdings sind die Regelungen sehr unterschiedlich, teils widersprüchlich und schwer umzusetzen. Vielen Menschen gehen dadurch die Einkommensmöglichkeiten verloren – es droht eine gleichzeitige Hungersnot. Um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, haben viele Länder die Maßnahmen inzwischen gelockert oder aufgehoben. Das könnte eine hohe Zahl an neuen Infektionen mit sich bringen, wie sich am Beispiel Indiens zeigt: Das Land hatte seinen Lockdown aufgehoben, obwohl die Fallzahlen weiter stiegen. Die Folge: Mit rund 5 700 000 Infizierten befindet sich Indien mittlerweile auf Rang zwei der am stärksten betroffenen Länder weltweit; nirgendwo steigen die Infektionszahlen schneller als hier.

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Wann wird es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Russland gab Mitte August 2020 die Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs gegen das Coronavirus bekannt. Experten äußerten sich allerdings sehr skeptisch. Sie rechnen nicht vor 2021 mit einem marktfähigen Impfstoff. Ein Grund: Impfstoffe müssen sehr viel gründlicher getestet werden als normale Medikamente. Hunderte Millionen Gesunde sollen sie schließlich bekommen. Das russische Vakzin wurde bislang nur an sehr wenigen Menschen getestet; wichtige Studien stehen noch aus. Weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen des Vakzins lassen sich derzeit fundiert beurteilen.

Zurzeit laufen weltweit mehr als 170 Impfstoffprojekte. Einige davon lieferten bereits viel versprechende Ergebnisse: Die Probanden entwickelten nach der Impfung Antikörper gegen Sars-CoV-2. Unter anderem in den USA, China und Basilien laufen schon klinische Studien der Phase III. Sie sollen zeigen, ob ein Geimpfter tatsächlich immun gegen eine Infektion mit dem Coronavirus ist.

Der Pharmakonzern AstraZeneca musste am 9. September 2020 eine kombinierte Phase II/III-Studie mit einem Impfstoffkandidaten unterbrechen, nachdem bei einer Frau aus dem Vereinigten Königreich Symptome einer transversen Myelitis – einer Entzündung des zentralen Nervensystems – festgestellt worden waren. Die Probandin hatte den Vektorimpfstoff, bei dem für den Menschen eigentliche ungefährliche Viren als eine Art Taxi für die Informationen über das Oberflächenprotein von Sars-CoV-2 genutzt werden, im Zuge der Wirksamkeitsstudie erhalten; inzwischen ist bekannt, dass sie nicht in der Placebogruppe war. Ob die Erkrankung aber tatsächlich mit der Gabe des Impfstoffs in Verbindung steht, ist bislang unklar. In Großbritannien habe man die Testreihe fortgesetzt, nachdem die britische Gesundheitsbehörde erklärt habe, dass die Sicherheit gewährleistet sei, teilte AstraZeneca am 12. September 2020 mit. In anderen Ländern stehen die notwendigen Genehmigungen noch aus.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass in solchen Versuchen Nebenwirkungen auftreten würden, erklärte Paul Griffin von der University of Queensland in Brisbane, Australien, gegenüber »Nature«. Häufig stünden sie in keinem Zusammenhang mit dem getesteten Wirkstoff. »Eine kurzfristige Unterbrechung der Studienrekrutierung, wie in diesem Fall jetzt geschehen, ist ein übliches Vorgehen bei klinischen Prüfungen, wenn schwere Nebenwirkungen auftreten. Üblicherweise entscheidet ein Data Safety Monitoring Board (DSMB), welches unabhängig vom Sponsor ist (hier AstraZeneca), dass ein Stopp eingelegt wird«, sagte auch Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing sowie Leiter der dortigen Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen, dem Science Media Center. »Sollte sich ein ursächlicher Zusammenhang zum Impfstoff bestätigen, wäre dies ein herber Rückschlag, nicht nur für diesen konkreten Impfstoff, sondern auch für andere Impfstoffe auf der Basis von Adenovirus-Vektoren. Denn nichts muss so sicher sein wie ein Impfstoff, der voraussichtlich in vielen Millionen Menschen zur Anwendung kommen soll.« Zu Glück gäbe es aber bereits auch Impfstoffkandidaten gegen Covid-19, die ganz ohne Viren auskommen – die RNA-Impfstoffe. Auch hier werden bereits erste Kandidaten in großen Wirksamkeitsstudien getestet.

Bisher dauerte es meist Jahre und erforderte erhebliche Mittel, einen Impfstoff gegen einen neuen Erreger zu entwickeln. Beim Sars-Coronavirus dauerte es 20 Monate, bis auch nur ein Impfstoffkandidat bereit für die klinische Prüfung war. Deswegen setzen die beteiligten Unternehmen und Arbeitsgruppen auf neue, womöglich schnellere Verfahren. Künstliche DNA oder RNA kommen hier zum Einsatz. Auch deutsche Firmen arbeiten an RNA-Impfstoffen, die derzeit unter anderem in Deutschland und den USA getestet werden.

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Und was ist mit Medikamenten zur Behandlung?

Inzwischen haben sich eine Reihe von Medikamenten als mögliche Behandlungsoptionen bei Covid-19 erwiesen. Der beste Kandidat ist derzeit Dexamethason, ein künstliches Steroid, das normalerweise bei allergischen und entzündlichen Erkrankungen eingesetzt wird; der Wirkstoff reduzierte in einer Studie die Sterblichkeit bei beatmeten Patienten um ein Drittel. Dexamethason verlangsamt Entzündungsreaktionen und steht quasi in der Tradition früherer Versuche, die Lungenschäden durch Covid-19 durch eine Hemmung von Immunprozessen einzudämmen.

Als bedingt effektiv erwies sich der antivirale Wirkstoff Remdesivir, der die Vermehrung des Virus hemmt. In Studien damit wurden Patienten deutlich schneller wieder gesund. Allerdings ist unklar, wie gut das Mittel bei schweren Verläufen wirkt – wenn ein Medikament am dringendsten gebraucht wird. Der Stoff greift in die Produktion des Viruserbguts ein und verlangsamt so die Ausbreitung des Virus im Körper. Das heißt, am effektivsten ist es recht früh im Verlauf der Infektion – was aber heißt, dass man viele Menschen damit behandeln müsste, die auch ohne Hilfe die Krankheit überstehen würden. Möglicherweise setzt man Remdesivir als Komponente einer Kombinationstherapie am sinnvollsten ein.

Die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin dagegen scheinen entgegen anfänglichen Erwartungen nicht zu helfen. Bisher liegt kein Beleg für die Wirksamkeit der Stoffe vor. Seit April mehren sich sogar die Indizien, dass die Behandlung die Gefahr für Herzprobleme erhöht. Eine Untersuchung, laut der in einer Studie mit den Medikamenten sogar mehr Todesfälle auftraten, wurde allerdings ebenfalls zurückgezogen.

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Woher kommt die neue Krankheit?

Wie der Erreger auf den Menschen übersprang, weiß bislang niemand genau. Die bisher plausibelste Hypothese präsentierten Chen Yongyi und Xiao Lihua von der South China Agricultural University in Guangzhou. Deren Untersuchung des Spike-Proteins des Virus deutete auf das Pangolin als Infektionsquelle hin.

Das Genom eines Coronavirus aus dem Tannenzapfentier stimmt an wichtiger Stelle mit jenem von Sars-CoV-2 zu 99 Prozent überein. Doch diese hohe Übereinstimmung gilt nur in einer spezifischen Region. Insgesamt ähneln die verschiedenen untersuchten Pangolin-Viren dem Sars-CoV-2 nur zu rund 90 Prozent. Das ist viel zu wenig, als dass diese Viren direkte Vorläufer des Covid-19-Erregers sein könnten.

Aus dem Spiel ist das Schuppentier damit als Zwischenwirt aber nicht. Für die Pangolin-Hypothese spricht immer noch eine Reihe weiterer Argumente. Zum einen werden die Schuppentiere in China tatsächlich gehandelt und verkauft, obwohl das illegal ist – zum anderen ist bekannt, dass Coronaviren Pangoline töten.

Abgesehen davon hat man bisher keine besseren Kandidaten. Einige zuvor aufgekommene Hypothesen – wie jene Studie, die Schlangen als Überträger vorschlug, oder gar die Vermutung, das Virus sei im Labor erzeugt – gelten als nicht vereinbar mit dem, was man heute über das Genom und die Biologie des Erregers weiß.

Nahezu sicher ist, dass das neue Coronavirus ursprünglich aus Fledermäusen kommt, in denen man auch 2018 seine nächsten Verwandten fand. Eine direkte Übertragung jedoch ist unwahrscheinlich.

Anm. d. Red.: Das RKI weist darauf hin, dass es auf Grund des Meldeverzugs zwischen dem Bekanntwerden von Fällen vor Ort und der Übermittlung an das RKI Abweichungen zu den zum Beispiel von den Bundesländern aktuell herausgegebenen Zahlen geben kann.

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12/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12/2020

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