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Fragen und Antworten zu Covid-19: Wann zeigen die Maßnahmen Wirkung?

Das Kontaktverbot in Deutschland soll bis zum 20. April gelten. Was hilft, um das Virus zu stoppen? Wie viele Menschen haben es überstanden? Die wichtigsten Antworten.
Je mehr Menschen Kontakt haben, desto größer die Chance, ein Virus weiterzugeben.Laden...

Stand des Artikels: 31. März 2020, 08:30 Uhr. Hier können Sie den Artikel in Leichter Sprache lesen.

Vor dem 20. April soll es in Deutschland keine Lockerung der bestehenden Maßnahmen gegen das Coronavirus geben. Das hat Kanzleramtschef Helge Braun am Samstag, 28. März, klargestellt. Seit dem 23. März gilt hierzulande ein umfangreiches Kontaktverbot. Demnach dürfen sich – außer Familien und Menschen in einem gemeinsamen Haushalt – nicht mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit treffen.

Die Zahl der Infektionen stieg laut dem Robert Koch-Institut (RKI) auf 57 298 (Stand 30. März, 08.00 Uhr), 4 751 mehr als am Wochenende. Allerdings fehlen für diesen Zeitraum die Zahlen aus Sachsen-Anhalt. 455 Menschen sind laut RKI an den Folgen der Krankheit gestorben. In einer Pressekonferenz am 31. März rief RKI-Präsident Lothar Wieler die deutsche Bevölkerung erneut dazu auf, das persönliche Schutzverhalten anzupassen. Zu viele Menschen wüssten zwar um die richtigen Maßnahmen, wendeten sie jedoch nicht konsequent genug an.

Trotz intensiver Forschung an dem neuen Erreger gibt es auf viele Fragen zu dem Virus bisher keine sicheren Antworten. Unklar ist nicht zuletzt, wie tödlich die im Februar von der WHO Covid-19 getaufte Krankheit tatsächlich ist. Mehr als 786 000 Menschen sind weltweit offiziell erkrankt. Wie viele Kranke wird es in Deutschland geben? Woher kommt das Virus überhaupt? Kann ein Impfstoff die Pandemie stoppen? Wir haben hier die wichtigsten Fragen zum neuen Coronavirus zusammengestellt – und die Antworten, die zu diesem Zeitpunkt möglich sind.

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Wie viele Fälle sind in Deutschland genau bekannt?

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Wie wird die Epidemie hier zu Lande verlaufen?

Die ersten Infizierten in Deutschland steckten sich an, weil sie entweder im Ausland waren oder Kontakt mit aus dem Ausland eingereisten Kranken hatten. In dem Stadium schien es möglich, die Krankheit daran zu hindern, in Deutschland Fuß zu fassen – eine Strategie, die man als »containment« bezeichnet. Doch inzwischen verbreitet sich das Virus auch innerhalb der Bevölkerung. Damit hat sich die Situation verändert.

Neben den behördlichen Tests und Isolierungsmaßnahmen ist das Verhalten der Einzelnen sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Epidemie. Jede und jeder sollte bereit sein, große Veranstaltungen und Menschenansammlungen so gut wie möglich zu vermeiden. Wenn nicht, könnte sich ein Szenario wie im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg wiederholen. In Deutschland gilt ein Kontaktverbot. Großveranstaltungen sind untersagt, Schulen und Kitas, Sportanlagen, Kinos, Bars und Kneipen geschlossen. Mitterteich in Bayern verhängte als erste deutsche Stadt am 20.  März eine Ausgangssperre.

Langfristig zeigen die historischen Erfahrungen, dass eine Pandemie zwei bis drei Jahre dauert. Vermutlich wird es Phasen mit stärkerer und schwächerer Verbreitung geben, die sich regional unterscheiden. Es wäre also ein Fehler, mit der Bekämpfung nachzulassen, wenn die Pandemie abzuebben scheint. Das Virus kommt wieder, vermutlich mehrfach.

Unklar ist noch, ob mit steigenden Temperaturen das Virus inaktiver wird. Bei Grippe und vielen anderen Erkrankungen der Atemwege ist das der Fall. Dafür spricht, dass es vermutlich nicht so sehr die Eigenschaften des Virus sind, die diesen Verlauf bestimmen, sondern Sonnenlicht, Tageslänge und geändertes Verhalten – womöglich sogar körperliche Veränderungen – der Menschen. Dagegen spricht, dass das Virus sehr ansteckend ist.

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Wie tödlich ist das neue Coronavirus?

Noch ist unklar, wie viele Kranke an den Folgen des Coronavirus sterben. Sicher ist derzeit nur, dass Covid-19 viel weniger schwer verläuft als die verwandten Krankheiten Sars und Mers, an denen etwa 10 beziehungsweise 30 Prozent der Erkrankten sterben.

Außerhalb von Wuhan scheint die Sterblichkeit allgemein deutlich niedriger zu sein als am Epizentrum der Epidemie. Laut einem WHO-Bericht starben in Wuhan während des Ausbruchs 5,8 Prozent der Infizierten. Eine neue Studie legt nahe, dass dies an der Altersverteilung liegt: Die nachweislich Erkrankten in Wuhan waren im Schnitt älter als die anderswo in China. Weil sie hauptsächlich in Krankenhäusern getestet und behandelt wurden, handelte es sich wohl meist um eher schwerere Fälle. Jüngere Menschen, die vermutlich nur milde Symptome zeigten, wurden von der Statistik womöglich nicht ausreichend erfasst. Wie viele Menschen bei den größeren regionalen Ausbrüchen tatsächlich sterben, hängt also auch von der Stichprobe ab. Allerdings lässt sich die Sterblichkeit anhand der Ausbrüche in Deutschland und Italien nicht bemessen – die Datenlage ist zu unsicher.

Wissenschaftler haben die Sterberaten in China inzwischen genauer untersucht. Sie schätzen, dass die Fallsterblichkeit für ganz China etwa 0,7 Prozent beträgt. Der Vergleich mit internationalen Daten zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, nicht nur in China mit dem Alter zunimmt: Während die Sterberate bei unter 60-Jährigen meist unter einem Prozent liegt, steigt sie ab diesem Alter auf vier bis sechs Prozent. Bei überachtzigjährigen Covid-19-Patienten sterben laut den Berechnungen sogar etwa 13 Prozent.

Etwa ein Fünftel der Infizierten, zeigen die chinesischen Daten, müssen ins Krankenhaus, einige von ihnen mit erheblichem Aufwand künstlich beatmet werden. Fallberichte legen nahe, dass Covid-19 für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem höheren Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko verbunden ist. Menschen, deren Immunsytem etwa in Folge einer Organtransplantation geschwächt ist, sollen laut einer Studie mit 200 Patienten am Transplantationszentrum in Bergamo jedoch nicht besonders gefährdet sein. Bislang gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass eine Schwangerschaft das Risiko für eine schwere Erkrankung erhöht.

Indizien deuten darauf hin, dass bei einem Teil der Erkrankten Organe dauerhaft geschädigt werden – vor allem die Lunge. Eine überschießende Immunreaktion auf das Virus zerstört auch gesundes Gewebe und lässt das Organ vernarben. Ähnliche Schäden vermelden Fachleute in anderen Organen; wie oft solche lebenslangen Schäden auftreten, ist noch unklar.

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Wie verbreitet sich das Virus?

Über den Schleim, den erkrankte Menschen ausniesen oder aushusten. Dabei entsteht ein Aerosol aus feinen Tröpfchen, das eine Zeit lang in der Luft bleibt, bevor es sich absetzt. Deswegen sollte sich niemand längere Zeit in der Nähe von möglicherweise Erkrankten aufhalten. Und eventuell Erkrankte sollten sich von anderen fernhalten, also zu Hause bleiben.

Größere ausgehustete Tröpchen können sich auf Oberflächen absetzen; dort überlebt das Virus bis zu mehrere Tage. Auch von den Händen Infizierter gelangt das Virus auf Gegenstände. Wenn man selbst dorthin fasst, hat man die Viren an den Fingern; wir fassen uns oft unbewusst ins Gesicht und können uns auf diesem Weg anstecken. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen schützt ebenso, wie sich bewusst nicht ins Gesicht zu fassen. Wer Handschuhe trägt, tut das seltener.

Eine reine Übertragung über die Luft wurde bisher nicht nachgewiesen, die WHO schließt diesen Weg derzeit aus:

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Wie ansteckend ist das Virus wirklich?

Das neue Virus gehört zur großen Gruppe der sarsähnlichen Coronaviren, ist aber nur entfernt mit dem Epidemievirus von 2003 verwandt und verhält sich anders. Der Erreger ist wohl ähnlich ansteckend wie Sars – die Basisreproduktionszahl R0 liegt vermutlich bei beiden etwa um drei –, er verbreitet sich aber schneller, weil Infizierte schneller ansteckend werden. Wie schnell sich der Erreger genau verbreitet, ist allerdings noch sehr schwer zu bestimmen und hängt unter anderem von der Situation ab.

Mehrere Arbeitsgruppen haben bereits versucht, Ausbreitungsgeschwindigkeit und Zahl der Infizierten anhand der vorhandenen Daten zu berechnen; hinter solchen Modellen stehen aber immer Annahmen, von denen wir nicht wissen, ob sie stimmen.

Fest steht, dass Patientinnen und Patienten mit sehr milden Symptomen schon ansteckend sind. Unklarer ist, ob auch Menschen ohne Symptome den Erreger weitergeben können. Für diese Behauptung gibt es bisher keine Belege. Eine Veröffentlichung, laut der eine symptomlose Trägerin des Virus die ersten Ansteckungen in Deutschland verursachte, wurde nun wegen Fehlern zurückgezogen.

Von der WHO-Mission veröffentlichte Daten deuten eher darauf hin, dass es nur sehr wenig Fälle dieser Art gab. Doch die Beobachtungen vom Kreuzfahrtschiff »Diamond Princess« lassen den gegenteiligen Schluss zu.

Was den Widerspruch auflösen könnte: Nach Angaben einer chinesischen Arbeitsgruppe gebe es zwei verschiedene, unterschiedlich aggressive Viruslinien, von denen eine weniger schwere Erkrankungen auslöst, aber später in der Epidemie in Erscheinung trat. Eine andere Erklärung ist, dass möglicherweise schwache Symptome nicht berichtet oder registriert werden.

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Was passiert, wenn nicht alle Kranken behandelt werden können?

 

Die größte Gefahr durch Covid-19 ist nicht etwa, dass das neue Virus so tödlich wäre. Das ist es nicht, es tötet weit weniger Menschen als es das Robert-Koch-Institut zum Beispiel im Szenario für den Risikobericht Bevölkerungsschutz 2012 angenommen hatte. Allerdings breitet sich das Virus ohne Gegenmaßnahmen sehr schnell aus.

Die Erfahrungen in Italien haben gezeigt, dass dann vor allem Beatmungsgeräte knapp werden. Wenn nicht mehr alle behandelt werden können, nutzt man ein als Triage bezeichnetes Auswahlverfahren, um zu entscheiden, wer die lebensrettenden Maßnahmen erhält. Damit sollen die knappen Ressourcen effektiver eingesetzt werden, um möglichst viele Leben zu retten.

Triage-Verfahren kennt man sonst aus dem militärischen Bereich und aus der Katastrophenhilfe, wenn sehr viele Verletzte gleichzeitig versorgt werden müssen. Auf einem weniger dramatischen Niveau ist Triage Alltag. In den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser werden Patientinnen und Patienten jeden Tag durch geschultes Pflegepersonal nach Dringlichkeit ihrer Behandlung eingestuft.

Doch wenn Covid-19 die Kapazitäten eines Krankenhauses erschöpft, werden solche Entscheidungen schwieriger. Zwar müssen Fachleute nach medizinischen Kriterien entscheiden – aber nach welchen? Zählt, wie dringend die Behandlung ist, oder bekommt den Vorzug, wer die stärkste Verbesserung erwarten lässt?

In einer echten Krisensituation kann es auch passieren, dass Angehörige dringend benötigter Berufe, insbesondere medizinisches Personal, bevorzugt behandelt werden. Die Triage führen im Normalfall eigens abgestellte Personen durch.

Man geht in mehreren Schritten vor. Zuerst wird festgestellt, wer überhaupt noch für eine Beatmung in Frage kommt. Dann müssen Fachleute bewerten, bei wem die Überlebenschancen am höchsten sind. Dazu nutzt man bestehende Kriterien wie den Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Score, der laut Studien gute Indizien für die Sterblichkeit bei Covid-19 gibt. Doch auch wenn ein Patient nach einer solchen Bewertung beatmet wird, geht die Triage weiter – unter verschärften Bedingungen.

Denn verschlechtert sich die Prognose deutlich, ist es womöglich sinnvoller, jemanden anderes zu beatmen. Doch die Beatmung eines Patienten einzustellen ist eine dramatische Entscheidung. Unter normalen Umständen trifft man sie nur auf Wunsch eines Patienten – oder wenn es keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt.

Doch während einer akuten Corona-Krise trifft weder das eine noch das andere zu. Die Triage potenzieller Beatmungspatienten stellt medizinisches Personal vor neue, bisher kaum vorstellbare fachliche, ethische und menschliche Dilemmas. Bisher ist unklar, wer diese Entscheidungen trifft und wie.

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Wie viele Menschen sind bisher geheilt?

Die Frage ist eher: Was sagt uns diese Zahl überhaupt? Nicht nur ist diese Zahl schwer zu ermitteln, sie hat auch bloß begrenzte Aussagekraft über den Verlauf der Epidemie. So lag die Zahl der insgesamt Infizierten am 31. März weltweit bei über 786 000 Infizierten, mehr als 37 000 Menschen waren gestorben – und mehr als 166 000 gelten als geheilt. Doch was sagt uns das über die Zukunft? Während die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und Todesfälle in vielen Fällen Rückschlüsse darauf erlaubt, wie sich ein Ausbruch entwickelt, hängt die Zahl der Geheilten weit hinterher, und das auf schwer auswertbare Weise.

Nicht zuletzt, weil sich Menschen abhängig von der Schwere der Krankheit langsamer oder schneller erholen. Es gibt auch keinen klaren Zeitpunkt, ab dem Kranke weltweit wieder als gesund gelten. Ist es der Moment, an dem sie aus dem Krankenhaus entlassen werden? Oder jener, an dem sie keine nachweisbaren Viren mehr abgeben? Wegen solcher Unwägbarkeiten spielt die Zahl der Gesundeten nur eine untergeordnete Rolle.

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Warum ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Jedes Jahr infizieren sich nach Schätzungen etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung mit einer saisonalen Grippe; im Lauf der Zeit kommen so fast alle Menschen mit verschiedenen Grippeviren in Kontakt. Dadurch verläuft die Krankheit oft weniger schwer, viele Menschen stecken sich gar nicht an, sie sind immun. Das Robert Koch-Institut identifizierte im Jahr 2020 bereits mehrere hundert Virenstämme, von denen die meisten zu den bereits umgehenden Subtypen H1N1, H3N2 sowie dem Influenza-B-Virus gehören.

Das ist bei Covid-19 anders. Das Virus Sars-CoV-2 ist neu, weshalb es in der Bevölkerung keinen verteilten Immunschutz gibt. Darum breitet sich die Krankheit unter Umständen sehr schnell aus. Das passierte zum Beispiel in China und Italien. Nur bei etwa einem Fünftel der Erkrankten verläuft die Krankheit so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. So der aktuelle Stand. Aber wenn es in kurzer Zeit sehr viele Fälle gibt, können die Krankenhäuser sie oft nur notdürftig oder gar nicht mehr versorgen.

Ein überlastetes Gesundheitssystem bedroht nicht allein Patientinnen und Patienten mit Covid-19, sondern alle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Deswegen können durch Covid-19 sehr viele Menschen sterben, die gar nicht mit dem Virus infiziert sind: Herzkranke, Grippe-Infizierte und Unfallopfer.

Die fehlende Immunität in der Bevölkerung kann auch dazu führen, dass sehr viele Menschen sterben, obwohl das Virus gar nicht so tödlich ist. Fachleute schätzen, dass bis zu 70 Prozent der Bevölkerung erkranken könnten. Selbst wenn nur etwa ein Prozent der Infizierten tatsächlich an der Krankheit stirbt, würde das schlimmstenfalls 560 000 Tote allein in Deutschland bedeuten.

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Wie schütze ich mich vor Sars-CoV-2?

Die Epidemie steht in Deutschland noch am Anfang, doch von Behörden verordnete Maßnahmen allein können das Virus nicht mehr aufhalten. Die Bevölkerung sollte dazu beitragen, die Ausbreitung des Erregers einzudämmen. Das erste Gebot: sich nicht selbst anstecken – im eigenen Interesse und zum Wohle anderer. Dazu gehört unter anderem, Menschenmassen zu meiden. Hier eine Übersicht:

Um sich nicht selbst anzustecken:
  • Größere Menschenansammlungen meiden
  • Kontakt mit Menschen verringern
  • Hände regelmäßig waschen oder desinfizieren
  • Nicht ins Gesicht fassen; Handschuhe tragen
Um andere nicht anzustecken:
  • In ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und niesen
  • Bei Erkältungssymptomen zu Hause bleiben
Hände waschen kurz erklärt

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Was deutet darauf hin, dass ich mich angesteckt habe?

Viele Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Manche Erkrankte scheinen zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn zu verlieren. Darauf deuten neue Daten hin, die es nun zu prüfen gilt. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme wie bei einer Grippe. Kopfschmerzen und Durchfall sind ebenfalls möglich. Wenn die Infektion schwerer verläuft, kommt eine Lungenentzündung hinzu. Insbesondere Atemnot ist ein Warnzeichen dafür und sollte unbedingt ernst genommen werden.

Der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – die Inkubationszeit – beträgt nach jetziger Kenntnis meist 2 bis 14 Tage, im Mittel etwa 5 Tage. Ob man in diesem Zeitraum Menschen anstecken kann, ist unklar. Vermutlich nur für einen kurzen Zeitraum vor Ausbruch der Symptome.

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Was ist zu tun, wenn ich eine Ansteckung vermute?

Sich telefonisch beim Hausarzt melden. Auch ohne für Covid-19 typische Symptome kann ein Hausarzt Patientinnen und Patienten am Telefon für bis zu sieben Tage krankschreiben. Man muss dann – dank einer seit Kurzem geltenden Sonderregelung – nicht in die Praxis. Getestet wird meist nicht.

Konkrete Anzeichen, insbesondere die einer Lungenentzündung, sind dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt zu melden. Wichtiger als ein Test ist allerdings, andere Menschen nicht anzustecken, egal mit welchem Virus. Nicht die Behörden leisten den wichtigsten Beitrag zur Eindämmung der Epidemie, sondern Menschen, die umsichtig handeln.

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Wird sich das Coronavirus weltweit unkontrolliert ausbreiten?

Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Epidemie nicht mehr in China. Am 19. März überstieg die Zahl der Todesfälle in Italien jene derer in China. Auch in Spanien sind inzwischen schon etwa 7700 Erkrankte verstorben, das sind mehr als doppelt so viele wie in China. Je nach Quelle unterscheiden sich die aktuellen Fallzahlen etwas. Laut dem WHO-Lagebericht vom 30. März 2020 sind weltweit mehr als 693 000 Menschen nachweislich infiziert, mehr als 392 700 Personen davon in der europäischen Region. Das Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University meldet weltweit schon mehr als 786 000 Infektionen.

Die Ausbrüche lassen sich in einzelnen Ländern unterschiedlich gut eindämmen: Einerseits scheint es mancherorts zu gelingen, Coronavirus-Fälle schnell zu entdecken und Kranke und ihre Kontakte zu isolieren. In Südkorea, Taiwan und nicht zuletzt China beispielsweise. Andererseits zeigt sich in Europa derzeit, dass es keineswegs einfach ist, Covid-19 zu kontrollieren. Die Zahl der immer neuen Infizierten droht die Gegenmaßnahmen zu überwältigen, wie lange Zeit in Italien zu beobachten war. Auch in anderen Ländern wie Deutschland und den USA besteht die Gefahr. Noch aber ist der Kampf nicht verloren.

In den USA, wo es bislang wenig Tests und lange Zeit kaum systematische Gegenmaßnahmen gab, spitzt sich die Lage nun zu. Insgesamt sind dort schon mehr als 164 600 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Am stärksten betroffen ist der Bundesstaat New York. Die Zahl der Toten stieg dort am letzten Wochenende auf fast 1000. Mitglieder des Weißen Hauses warnten, die Zahl der Toten könne die Zahl von 100 000 übersteigen. Präsident Donald Trump verlängerte die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung bis zum 30. April.

Die Zahl der bekannten Infizierten in Afrika ist bislang eher gering, besonders südlich der Sahara – trotz enger Verbindungen vieler Länder nach China. Insgesamt scheinen tropische Regionen und die südliche Halbkugel bisher weniger stark betroffen zu sein. Das ist möglicherweise ein Indiz dafür, dass sich Covid-19 ähnlich verhält wie die Grippe, deren Auftreten jahreszeitlich schwankt.

Wieviele Menschen dort tatsächlich infiziert sind, ist jedoch unbekannt. Lange Zeit gab es in Afrika nur zwei Labors, die eine Infektion mit dem neuen Coronavirus bestätigen konnten. Erst seit kurzem haben die meisten Länder dort die Möglichkeit, möglicherweise Infizierte auf Covid-19 zu prüfen. Einige Staaten haben bereits drastische Einschränkungen angekündigt – manche sogar, obwohl sie noch gar keinen Infektionsfall haben. Allerdings sind die Regelungen sehr unterschiedlich, teils widersprüchlich und schwer umzusetzen. So ist eine Selbstisolierung Betroffener in armen Vierteln und Städten, wo die Menschen dicht gedrängt auf engstem Raum leben, praktisch unmöglich.

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Wann wird es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Es gab Berichte, es sei ein »Durchbruch« auf der Suche nach einem Impfstoff geglückt, eine solche Vakzine könnte schon in einigen Wochen zur Verfügung stehen. Doch das klingt voreilig. In Seattle wird bereits eine erste Impfstoffstudie an Menschen durchgeführt. Sie wird aber in jedem Fall mindestens ein Jahr dauern. Vor 2021 ist also mit einem Impfstoff nicht zu rechnen.

Ein Grund: Impfstoffe müssen sehr viel gründlicher getestet werden als normale Medikamente. Hunderten Millionen Gesunde sollen sie schließlich bekommen.

Bisher dauerte es meist Jahre und erfordert erhebliche Mittel, einen Impfstoff gegen einen neuen Erreger zu entwickeln. Beim Sars-Coronavirus dauerte es 20 Monate, bis auch nur ein Impfstoffkandidat bereit für die klinische Prüfung war. Deswegen setzen die beteiligten Unternehmen und Arbeitsgruppen auf neue, womöglich schnellere Verfahren. Künstliche DNA oder RNA kommen hier zum Einsatz, so auch bei dem Kandidaten, der derzeit in den USA getestet wird.

Solche Erbgut-Impfstoffe können deutlich schneller zur Verfügung stehen als klassische Impfstoffe. Beispiel: Im Jahr 2015 gelang mit Hilfe künstlicher DNA binnen sieben Monaten ein testfertiger Impfstoff gegen das Zika-Virus. Außerdem können sich die Entwicklungsteams nicht nur auf die bereits verfügbaren Gendaten von 2019-nCoV stützen, sondern auf jahrelange Erfahrung mit der Suche nach anderen Coronavirus-Impfstoffen gegen Sars und Mers. Die Erfahrung mit der Ebola-Epidemie im Kongo hat gezeigt, dass man neue Impfstoffe im Prinzip gleichzeitig einsetzen und testen kann.

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Wird es Engpässe bei Medikamenten geben?

Das ist zu befürchten. Eine der wichtigsten Lieferketten für Medikamentengrundstoffe führt nach Asien. Viele Wirkstoffe basieren auf Stoffen, die überwiegend oder ausschließlich in China hergestellt und dann in Indien weiterverarbeitet werden. Stehen die Fabriken dort wegen des Coronavirus still, können solche Medikamente nicht mehr hergestellt werden.

Der Fehler liegt also im System. Tatsächlich sind Engpässe bei Medikamenten auch unter normalen Umständen keineswegs ungewöhnlich. Derzeit sind mehr als 300 Medikamente in Deutschland nur schlecht zu bekommen. Das betrifft nicht so sehr neue Hightech-Medikamente als vielmehr bewährte Wirkstoffe, deren Patente lange ausgelaufen sind.

Diese Generika werden möglichst billig meist in China und Indien produziert und erst in Europa zu fertigen Medikamenten verarbeitet. Der Kostendruck erzeugt ein massives strukturelles Problem im Medikamentenmarkt, der das ganze System anfällig macht – zum Beispiel für eine Pandemie. Besonders ausgeprägt ist diese Abhängigkeit bei Antibiotika.

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Woher kommt die neue Krankheit?

Wie der Erreger auf den Menschen übersprang, weiß bislang niemand genau. Die bisher plausibelste Hypothese präsentierten Chen Yongyi und Xiao Lihua von der South China Agricultural University in Guangzhou. Deren Untersuchung des Spike-Proteins des Virus schien auf das Pangolin als Infektionsquelle hinzudeuten.

Das Genom eines Coronavirus aus dem Tannenzapfentier stimmt an wichtiger Stelle mit jenem von 2019-nCoV zu 99 Prozent überein. Doch diese hohe Übereinstimmung gilt nur in einer spezifischen Region. Insgesamt ähneln die verschiedenen untersuchten Pangolin-Viren dem Sars-CoV-2 nur zu rund 90 Prozent. Das ist viel zu wenig, als dass diese Viren direkte Vorläufer des Covid-19-Erregers sein könnten.

Aus dem Spiel ist das Schuppentier damit als Zwischenwirt aber nicht. Für die Pangolin-Hypothese spricht immer noch eine Reihe weiterer Argumente. Zum einen werden die Schuppentiere in China tatsächlich gehandelt und verkauft, obwohl das illegal ist – zum anderen ist bekannt, dass Coronaviren Pangoline töten.

Abgesehen davon hat man bisher keine besseren Kandidaten. Einige zuvor aufgekommene Hypothesen – wie jene Studie, die Schlangen als Überträger vorschlug, oder gar die Vermutung, das Virus sei im Labor erzeugt – gelten als nicht vereinbar mit dem, was man heute über das Genom und die Biologie des Erregers weiß.

Nahezu sicher ist, dass das neue Coronavirus ursprünglich aus Fledermäusen kommt, in denen man auch 2018 seine nächsten Verwandten fand. Eine direkte Übertragung jedoch ist unwahrscheinlich.

Anm. d. Red.: Das RKI weist darauf hin, dass es auf Grund des Meldeverzugs zwischen dem Bekanntwerden von Fällen vor Ort und der Übermittlung an das RKI Abweichungen zu den zum Beispiel von den Bundesländern aktuell herausgegebenen Zahlen geben kann.

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12/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12/2020

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