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Fragen und Antworten zu Covid-19: Was bringt die Corona-App?

Am 16. Juni hat Jens Spahn die neue Corona-Warn-App vorgestellt. Wird sie helfen können, das Virus zu stoppen? Oder ist eine zweite Welle unvermeidbar? Die wichtigsten Antworten.
Die Corona-App soll helfen, die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen.Laden...

Stand des Artikels: 2. Juli 2020. Hier können Sie den Artikel in Leichter Sprache lesen.

Nach langem Warten hat Gesundheitsminister Jens Spahn sie am 16. Juni endlich vorgestellt: die Corona-Warn-App. Sie soll dabei helfen, mögliche Infektionsketten schneller zu erkennen und zu unterbrechen. Dazu misst sie mittels Bluetooth, welche Nutzer sich über einen längeren Zeitraum näher als zwei Meter kommen. Wird dann bei einer Person eine Infektion mit dem neuen Coronavirus festgestellt, benachrichtigt die App alle Kontaktpersonen, die sich angesteckt haben könnten. Datenschutzbedenken haben die Entwickler inzwischen weitgehend ausgeräumt: So werden die Daten, welche die App sammelt, nun etwa dezentral auf den Geräten der Nutzer gespeichert.

Die spannendste Frage dürfte aber wohl sein, welchen Nutzen die App am Ende haben wird. Einer britischen Studie zufolge müssten 60 Prozent der Bevölkerung die App auf ihrem Smartphone installieren, um die Pandemie zu stoppen. In anderen Ländern ist das bislang nicht gelungen. Doch auch, wenn weniger Menschen mitmachen, könnte die App helfen, Infektionen und Todesfälle zu verhindern, glauben manche Experten. Schon etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland haben sie auf ihrem Smartphone installiert. Ein Wundermittel wird die App nicht sein, wie auch Gesundheitsminister Spahn bei ihrer Vorstellung noch einmal betonte. Vielleicht aber ein ergänzender Faktor.

Insgesamt ist es um das Coronavirus zuletzt ruhiger geworden in Deutschland. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die Reproduktionsrate des Virus inzwischen wieder unter eins. Das heißt, jeder Infizierte steckt im Schnitt weniger als einen weiteren Menschen an. Nach einigen lokalen Ausbrüchen, etwa in einer Fleischfabrik in Nordrhein-Westfalen, war der Wert zwischenzeitlich auf knapp unter drei gestiegen. Auf Grund dessen gelten im Kreis Gütersloh mindestens bis zum 7. Juli wieder strenge Kontaktbeschränkungen. In anderen Bundesländern werden derzeit hingegen nur wenige Neuinfektionen registriert. Von einem bundesweit gestiegenen Infektionsgeschehen kann also vorerst keine Rede sein. Es handele sich jedoch um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation, warnt das RKI.

Die Zahl der insgesamt festgestellten Infektionen ist laut dem RKI zuletzt auf 195 228 (Stand 00.00 Uhr) gestiegen, das sind 503 mehr als am Vortag. 8994 Menschen sind laut RKI an den Folgen der Krankheit gestorben. Es handelt sich um die bundesweit einheitlich erfassten und an das RKI übermittelten bestätigten Covid-19-Fälle.

Dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist, zeigen die Zahlen aus dem Rest der Welt. So verzeichneten einige Bundesstaaten der USA der deutschen Presseagentur zufolge am vergangenen Wochenende einen neuen Höchststand bei den Neuinfektionen. China hat Peking nach einem Ausbruch auf einem Großmarkt wieder teilweise abgeriegelt: Bewohner dürfen die Stadt nur noch verlassen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. In Japan wurden erstmals seit Wochen wieder mehr als 50 Neuinfektionen binnen eines Tages bestätigt worden. Ähnlich sieht es in Israel aus. Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle wächst. Weltweit haben sich mittlerweile rund 11 000 000 Menschen infiziert.

Trotz intensiver Forschung an dem neuen Erreger gibt es auf viele Fragen zu dem Virus bisher keine sicheren Antworten. Unklar ist nicht zuletzt, wie tödlich die Krankheit Covid-19 ist. Wie viele Kranke wird es bei diesem Ausbruch in Deutschland geben? Woher kommt das Virus überhaupt? Kann ein Impfstoff die Pandemie stoppen? Wir haben hier die wichtigsten Fragen zum neuen Coronavirus zusammengestellt – und die Antworten, die zu diesem Zeitpunkt möglich sind.

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Wie viele Fälle sind in Deutschland genau bekannt?

Die Entwicklung des Coronavirus in Deutschland | Den ersten Coronavirus-Fall gab es in Deutschland Ende Januar 2020. Seitdem sind mehr und mehr Menschen erkrankt. Klicken Sie in die Grafik, um zu sehen, wie viele das Virus nachweislich in sich tragen, wie viele an den Folgen starben und wie viele als genesen gelten. Die Werte des jeweiligen Tages sehen Sie rechts oben. Mit den Schiebereglern im unteren Abschnitt lässt sich der Zeitraum einschränken.

Wie viele Fälle es in den einzelnen Bundesländern gibt, zeigen unter anderem Grafiken des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizins. Die Aktualisierung erfolgt zeitnah nach Veröffentlichung der Zahlen durch das Robert-Koch-Institut.

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Wie verläuft die Epidemie hier zu Lande?

Die ersten Infizierten in Deutschland steckten sich an, weil sie entweder im Ausland waren oder Kontakt mit aus dem Ausland eingereisten Kranken hatten. In dem Stadium schien es möglich, die Krankheit daran zu hindern, in Deutschland Fuß zu fassen – eine Strategie, die man als »containment« bezeichnet. Doch bald darauf verbreitete sich das Virus auch innerhalb der Bevölkerung. Damit hat sich die Situation verändert.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Neben den behördlichen Tests und Isolierungsmaßnahmen ist das Verhalten der Einzelnen sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Epidemie. Jede und jeder sollte bereit sein, Menschenansammlungen so gut wie möglich zu vermeiden. Wenn nicht, könnte sich ein Szenario wie im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg wiederholen. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort zu einer massenhaften Ausbreitung des Erregers.

Mitte März wurden in Deutschland strenge Kontaktbeschränkungen, sowie Abstands- und Hygieneregeln eingeführt. Schulen, Kitas, Sportanlagen, Geschäfte, Kneipen und Restaurants mussten schließen. Großveranstaltungen wurden untersagt und die Grenzen weitgehend geschlossen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ging relativ rasch zurück. So wurden Ende April die ersten, vorsichtigen Lockerungen beschlossen. Abschlussklassen durften wieder zur Schule gehen und erste Geschäfte konnten unter Auflagen wieder öffnen.

Weil es zu keinem dramatischen Anstieg der Fallzahlen kam, wurde Anfang Mai weiter gelockert. Alle Geschäfte, auch Restaurants, und Ausstellungen durften wieder öffnen und kleinere Veranstaltungen wie Gottesdienste konnten – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – wieder stattfinden. Das führte bereits zu mehreren Ansteckungsereignissen: Nach einem Gottesdienst in Frankfurt am Main wurden mindestens 200 Menschen aus dem Umfeld der Gemeinde positiv auf Sars-CoV-2 gestestet worden. In einem Restaurant im Landkreis Leer infizierten sich einige Besucher eines Restaurants, mehr als 100 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt.

Am 26. Mai verständigten sich Bund und Länder darauf, die Kontaktbeschränkungen bis zum 29. Juni zu verlängern. Die Bundesländer erhielten jedoch zusätzlichen Gestaltungsspielraum bei der Auslegung dieser Regeln. Sie sollen anhand des lokalen Infektionsgeschehens entscheiden, welche Lockerungen angebracht sind. So gelten in Thüringen seit dem 13. Juni lediglich Empfehlungen: Wo immer dies »möglich und zumutbar« sei, soll der Mindestabstand aber weiterhin eingehalten werden. Auch gilt im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften weiterhin die Pflicht, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Auch in Brandenburg und Berlin wurden die verbindlichen Kontaktbeschränkungen inzwischen aufgehoben. Lokale Ausbrüche in Hochhauskomplexen und Schlachtbetrieben, bei denen zum Teil über 1000 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, zeigen jedoch: Die Situation ist nach wie vor nicht stabil.

Langfristig zeigen die historischen Erfahrungen, dass eine Pandemie zwei bis drei Jahre dauert. Vermutlich wird es Phasen mit stärkerer und schwächerer Verbreitung geben, die sich regional unterscheiden. Es wäre also ein Fehler, mit der Bekämpfung nachzulassen, wenn die Pandemie abzuebben scheint. Das Virus kommt wieder, vermutlich mehrfach.

Unklar ist immer noch, ob das Virus mit steigenden Temperaturen inaktiver wird. Bei Grippe und vielen anderen Erkrankungen der Atemwege ist das der Fall. Dafür spricht, dass es vermutlich nicht so sehr die Eigenschaften des Virus sind, die diesen Verlauf bestimmen, sondern Sonnenlicht, Tageslänge und geändertes Verhalten – womöglich sogar körperliche Veränderungen – der Menschen. Dagegen spricht, dass das Virus sehr ansteckend ist.

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Wie tödlich ist das neue Coronavirus?

Noch ist unklar, wie viele Erkrankte an den Folgen des Coronavirus sterben. Nicht alle Menschen können getestet werden – und Todesfälle werden stets mit einiger Verzögerung registriert. Insgesamt verzeichneten einige Länder in den letzten Wochen jedoch deutlich mehr Tote als in anderen Jahren. Das spricht dafür, dass Covid-19 deutlich gefährlicher ist als eine gewöhnliche Atemwegsinfektion.

Die offiziellen Covid-19-Sterberaten verschiedener Länder unterscheiden sich zum Teil stark: Während in Italien, Frankreich und Belgien laut Statistiken etwa 15 Prozent der nachweislich Infizierten verstorben sind, waren es in Deutschland laut dem RKI bislang um die fünf Prozent. Woran dies liegt, ist noch weitgehend unklar.

Die Sterberaten für China haben Wissenschaftler inzwischen genauer untersucht. Sie schätzen, dass die Fallsterblichkeit für ganz China etwa 0,7 Prozent beträgt. Der Vergleich mit internationalen Daten zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, nicht nur in China mit dem Alter zunimmt: Während die Sterberate bei unter 60-Jährigen meist unter einem Prozent liegt, steigt sie ab diesem Alter auf vier bis sechs Prozent. Bei überachtzigjährigen Covid-19-Patienten sterben laut den Berechnungen sogar etwa 13 Prozent.

Etwa ein Fünftel der Infizierten, zeigen die chinesischen Daten, müssen ins Krankenhaus, einige von ihnen mit erheblichem Aufwand künstlich beatmet werden. Fallberichte legen nahe, dass Covid-19 für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem höheren Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko verbunden ist. Zudem mehren sich Berichte von Patienten, deren Herz in Folge der Virusinfektion geschädigt wurde: Von 416 Sars-Cov-2-Infizierten, die im Rahmen einer Studie in Wuhan untersucht wurden, litt jede fünfte Person an Herzproblemen. Möglicherweise greift das Virus nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz an, was wiederum zu einem erhöhten Sterberisiko führt.

Autopsie-Untersuchungen an Covid-19-Toten haben außerdem gezeigt, dass auch das Gefäßsystem und verschiedenste Organe wie Leber, Darm oder Nieren betroffen sein können. Das liegt vermutlich daran, dass auch Zellen in diesen Geweben den Rezeptor an ihrer Oberflächen tragen, der Sars-CoV-2 die Türen öffnet.

Menschen, deren Immunsytem etwa in Folge einer Organtransplantation geschwächt ist, sollen laut einer Studie mit 200 Patienten am Transplantationszentrum in Bergamo jedoch nicht besonders gefährdet sein. Bislang gibt es außerdem keine Hinweise darauf, dass eine Schwangerschaft das Risiko für eine schwere Erkrankung erhöht.

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Wie verbreitet sich das Virus?

Über den Schleim, den erkrankte Menschen ausniesen oder aushusten. Dabei entsteht ein Aerosol aus feinen Tröpfchen, das eine Zeit lang in der Luft bleibt, bevor es sich absetzt. Deswegen sollte sich niemand längere Zeit in der Nähe von möglicherweise Erkrankten aufhalten. Und eventuell Erkrankte sollten sich von anderen fernhalten, also zu Hause bleiben.

Größere ausgehustete Tröpchen können sich auf Oberflächen absetzen; dort überlebt das Virus bis zu mehrere Tage. Auch von den Händen Infizierter gelangt das Virus auf Gegenstände. Wenn man selbst dorthin fasst, hat man die Viren an den Fingern; wir fassen uns oft unbewusst ins Gesicht und können uns auf diesem Weg anstecken. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen schützt ebenso, wie sich bewusst nicht ins Gesicht zu fassen. Wer Handschuhe trägt, tut das seltener.

Eine Verbreitung über das Wasser – etwa in Schwimmbädern – ist eher unwahrscheinlich, zumal das Virus hier sehr stark verdünnt vorliegt und dem Wasser meistens Chlor zur Desinfektion zugesetzt wird. Viel bedenklicher ist der enge Kontakt zu anderen Menschen, etwa auf Liegewiesen.

Eine reine Übertragung über die Luft wurde lange Zeit ausgeschlossen. Zwar ist Viruserbgut in der Luft nachweisbar, die Covid-19-Erkankte ausatmen. Ob diese jedoch tatsächlich vermehrungsfähige Viren enthält, ist aber noch nicht abschließend geklärt. Einzelne Studien zeigen, dass Singen in der Gruppe zu Übertragungen geführt hat. Das könnte aber sowohl über Tröpfchen als auch über Aersole erfolgt sein. Dennoch weißt das RKI auf seiner Seite darauf hin, »dass Sars-CoV-2-Viren über Aerosole auch im gesellschaftlichen Umgang in besonderen Situationen übertragen werden können«. Dabei ist das Risiko in geschlossenen Räumen offenbar um ein Vielfaches höher als im Freien.

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Wie ansteckend ist das Virus wirklich?

Das neue Virus gehört zur großen Gruppe der sarsähnlichen Coronaviren, ist aber nur entfernt mit dem Epidemievirus von 2003 verwandt und verhält sich anders. Der Erreger ist wohl ähnlich ansteckend wie Sars – seine Basisreproduktionszahl R0 liegt laut dem RKI zwischen 2,4 und 3,3.

Diese Zahl beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt – unter der Annahme, dass noch niemand immun gegen das Virus ist. Sie ist aber kein fixer Wert, sondern lässt sich durch unser Verhalten beeinflussen. Im Verlauf einer Epidemie misst man darum die effektive Reproduktionszahl R. Um einen Ausbruch zu stoppen, muss dieser Wert dauerhaft unter 1 gehalten werden. Das bedeutet: Jeder Infizierte steckt im Schnitt weniger als eine weitere Person an. Doch selbst dann schrumpfen die Fallzahlen nicht überall:

Die Reproduktionszahl R

Veröffentlicht am: 03.05.2020

Laufzeit: 0:04:35

Sprache: deutsch

Vermutlich spielen so genannte Superspreading-Ereignisse eine zentrale Rolle in der Epidemie. Das bedeutet: Nicht jeder Mensch steckt gleich viele andere an. Während manche Personen die Infektion nicht weitergeben, geht von anderen eine riesige Ansteckungskette aus: Sie sind Superspreader. Ein frühes Beispiel dafür konnte man im Landkreis Heinsberg beobachten. Dort steckten zwei Menschen, die das Coronavirus bereits unwissentlich in sich trugen, in Folge einer Karnevalsfeier fast 800 Menschen an. Ähnlich scheint es bei den Ausbrüchen bei einem Gottesdienst in Frankfurt sowie in deutschen und niederländischen Schlachthöfen zu sein.

Laut einer Studie aus China sind Infizierte vermutlich im Durchschnitt schon 2,3 Tage vor den ersten Symptomen ansteckend. Etwa die Hälfte der 77 untersuchten Übertragungen fand statt, bevor die Krankheit ausbrach. 0,7 Tage, bevor die ersten Symptome auftraten, waren die Infizierten im Schnitt am ansteckendsten. Dass auch Menschen ohne Krankheitszeichen das Virus übertragen können, macht es sehr schwer, seine Ausbreitung einzugrenzen.

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Welche Rolle spielen Kinder?

Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar beantworten. Laut Studien aus Italien, Island und den USA erkranken Kinder deutlich seltener an Covid-19 als Erwachsene. Frühere Daten aus China hatten hingegen nahegelegt, dass sich Kinder ähnlich häufig infizieren. In Deutschland machen Kinder unter 10 Jahren laut Angaben des RKI derzeit etwa zwei Prozent der nachgewiesenen Fälle aus; etwa vier Prozent der Infizierten sind zwischen 10 und 19 Jahre alt.

Kinder erkanken in der Regel eher mild und werden auch schneller wieder gesund. Eine vorab veröffentlichte des Teams um den Virologen Christian Drosten ergab jedoch, dass bei etwa 50 Kindern unter 10 Jahren etwa dieselbe Menge Virus im Rachen nachweisbar ist wie bei Erwachsenen. Sie könnten demnach genauso ansteckend sein. Ob das tatsächlich so ist, ist schwer zu sagen. Oft wird die Erkrankung bei Kindern aufgrund der milden oder ausbleibenden Symptome gar nicht erkannt und sie werden nicht getestet. Somit könnten die Fallzahlen in dieser Altersgruppe deutlich höher sein als bislang angenommen.

Im Juni haben Forscher der Universität Heidelberg und der Universität Ulm die vorläufigen Ergebnisse der bislang größten Studie zum Infektionsgeschehen bei Kindern vorgestellt. Für diese hatten die Forscher 2500 Elternteil-Kind-Paare auf das Virus und auf Antikörper untersucht. Etwa ein Viertel der Kinder ging coronabedingt in die Notbetreuung. Ingesamt stießen die Wissenschaftler bei 49 Eltern und 19 Kindern auf Antikörper gegen das neue Coronavirus. Das könnte darauf hindeuten, dass Kinder sich seltener infizieren und aktuell kein Treiber der Pandemie sind. Wie infektiös Kinder wirklich sind, können jedoch auch diese Daten nicht abschließend klären.

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Was passiert, wenn nicht alle Kranken behandelt werden können?

 

Die größte Gefahr durch Covid-19 ist nicht etwa, dass das neue Virus so tödlich wäre. Das ist es nicht, es tötet weit weniger Menschen als es das Robert-Koch-Institut zum Beispiel im Szenario für den Risikobericht Bevölkerungsschutz 2012 angenommen hatte. Allerdings breitet sich das Virus ohne Gegenmaßnahmen sehr schnell aus.

Die Erfahrungen in Italien haben gezeigt, dass dann vor allem Beatmungsgeräte knapp werden. Wenn nicht mehr alle behandelt werden können, nutzt man ein als Triage bezeichnetes Auswahlverfahren, um zu entscheiden, wer die lebensrettenden Maßnahmen erhält. Damit sollen die knappen Ressourcen effektiver eingesetzt werden, um möglichst viele Leben zu retten.

Triage-Verfahren kennt man sonst aus dem militärischen Bereich und aus der Katastrophenhilfe, wenn sehr viele Verletzte gleichzeitig versorgt werden müssen. Auf einem weniger dramatischen Niveau ist Triage Alltag. In den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser werden Patientinnen und Patienten jeden Tag durch geschultes Pflegepersonal nach Dringlichkeit ihrer Behandlung eingestuft.

Doch wenn Covid-19 die Kapazitäten eines Krankenhauses erschöpft, werden solche Entscheidungen schwieriger. Zwar müssen Fachleute nach medizinischen Kriterien entscheiden – aber nach welchen? Zählt, wie dringend die Behandlung ist, oder bekommt den Vorzug, wer die stärkste Verbesserung erwarten lässt?

In einer echten Krisensituation kann es auch passieren, dass Angehörige dringend benötigter Berufe, insbesondere medizinisches Personal, bevorzugt behandelt werden. Die Triage führen im Normalfall eigens abgestellte Personen durch.

Man geht in mehreren Schritten vor. Zuerst wird festgestellt, wer überhaupt noch für eine Beatmung in Frage kommt. Dann müssen Fachleute bewerten, bei wem die Überlebenschancen am höchsten sind. Dazu nutzt man bestehende Kriterien wie den Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Score, der laut Studien gute Indizien für die Sterblichkeit bei Covid-19 gibt. Doch auch wenn ein Patient nach einer solchen Bewertung beatmet wird, geht die Triage weiter – unter verschärften Bedingungen.

Denn verschlechtert sich die Prognose deutlich, ist es womöglich sinnvoller, jemanden anderes zu beatmen. Doch die Beatmung eines Patienten einzustellen ist eine dramatische Entscheidung. Unter normalen Umständen trifft man sie nur auf Wunsch eines Patienten – oder wenn es keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt.

Doch während einer akuten Corona-Krise trifft weder das eine noch das andere zu. Die Triage potenzieller Beatmungspatienten stellt medizinisches Personal vor neue, bisher kaum vorstellbare fachliche, ethische und menschliche Dilemmas. Bisher ist unklar, wer diese Entscheidungen trifft und wie.

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Wie viele Menschen sind bisher genesen?

Die Frage ist eher: Was sagt uns diese Zahl überhaupt? Nicht nur ist der Wert schwer zu ermitteln, er hat auch bloß begrenzte Aussagekraft über den Verlauf der Epidemie. Während die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und Todesfälle in vielen Fällen Rückschlüsse darauf erlaubt, wie sich ein Ausbruch entwickelt, hängt die Zahl der Geheilten weit hinterher, und das auf schwer auswertbare Weise.

Nicht zuletzt, weil sich Menschen abhängig von der Schwere der Krankheit langsamer oder schneller erholen. Es gibt auch keinen klaren Zeitpunkt, ab dem Kranke weltweit wieder als gesund gelten. Ist es der Moment, an dem sie aus dem Krankenhaus entlassen werden? Oder jener, an dem sie keine nachweisbaren Viren mehr abgeben? Wegen solcher Unwägbarkeiten spielt die Zahl der Gesundeten nur eine untergeordnete Rolle.

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Warum ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Jedes Jahr infizieren sich nach Schätzungen etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung mit einer saisonalen Grippe; im Lauf der Zeit kommen so fast alle Menschen mit verschiedenen Grippeviren in Kontakt. Dadurch verläuft die Krankheit oft weniger schwer, viele Menschen stecken sich gar nicht an, sie sind immun. Das Robert Koch-Institut identifizierte im Jahr 2020 bereits mehrere hundert Virenstämme, von denen die meisten zu den bereits umgehenden Subtypen H1N1, H3N2 sowie dem Influenza-B-Virus gehören.

Das ist bei Covid-19 anders. Das Virus Sars-CoV-2 ist neu, weshalb es in der Bevölkerung keinen verteilten Immunschutz gibt. Darum breitet sich die Krankheit unter Umständen sehr schnell aus. Das passierte zum Beispiel in China und Italien. Nur bei etwa einem Fünftel der Erkrankten verläuft die Krankheit so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. So der aktuelle Stand. Aber wenn es in kurzer Zeit sehr viele Fälle gibt, können die Krankenhäuser sie oft nur notdürftig oder gar nicht mehr versorgen.

Ein überlastetes Gesundheitssystem bedroht nicht allein Patientinnen und Patienten mit Covid-19, sondern alle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Deswegen können durch Covid-19 sehr viele Menschen sterben, die gar nicht mit dem Virus infiziert sind: Herzkranke, Grippe-Infizierte und Unfallopfer.

Die fehlende Immunität in der Bevölkerung kann auch dazu führen, dass sehr viele Menschen sterben, obwohl das Virus gar nicht so tödlich ist. Fachleute schätzen, dass bis zu 70 Prozent der Bevölkerung erkranken könnten. Selbst wenn nur etwa ein Prozent der Infizierten tatsächlich an der Krankheit stirbt, würde das schlimmstenfalls 560 000 Tote allein in Deutschland bedeuten.

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Wie verhindert man, dass das Virus sich wieder ausbreitet?

Die Epidemie hat in Deutschland vorübergehend ein Level erreicht, das kontrollierbar scheint. Damit das so bleibt, müssen allerdings weiterhin alle mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen das Virus eindämmen. So empfehlen Fachleute, die Coronavirus-App zu nutzen, um die Kontaktverfolgung zu erleichtern. Das erste Gebot ist aber: sich nicht selbst anstecken – im eigenen Interesse und zum Wohle anderer.

Inzwischen sind die wichtigsten Bedingungen bekannt, unter denen sich das Virus gut verbreitet. Geschlossene Räume mit geringem Luftaustausch, besonders wenn viele Menschen darin sind, stellen ein Risiko dar – um so mehr, je länger man sich darin aufhält. Durch lautes Sprechen oder Singen scheint die Ansteckungsgefahr auch zu steigen. Masken bieten einen gewissen Schutz – sofern sie gut sitzen und keine großen Lücken an den Seiten lassen.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Maßnahmen:

  • In ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und niesen
  • Mund-Nase-Schutz tragen
  • Größere Menschenansammlungen meiden
  • Innenräume meiden
  • Zahl der regelmäßigen Kontakte klein halten
  • Hände regelmäßig waschen oder desinfizieren
  • Nicht ins Gesicht fassen
  • Bei Erkältungssymptomen zu Hause bleiben
Hände waschen kurz erklärt

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Was deutet darauf hin, dass ich mich angesteckt habe?

Viele Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme wie bei einer Grippe. Kopfschmerzen und Durchfall sind ebenfalls möglich. Manche Erkrankte verlieren offenbar zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Ein Team der University of California befragte etwa 250 Menschen mit grippeartigen Symptomen. Etwa 70 Prozent derjenigen, die sich als Sars-CoV-2-positiv herausstellten, konnten nach eigenen Angaben wesentlich schlechter riechen und schmecken als sonst, unter den Sars-CoV-2-Negativen waren es nur etwa 17 Prozent. Es könnte also ein Anzeichen für eine ansonsten mild oder gar symptomlos verlaufende Infektion sein. Keine der erkrankten Personen musste wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden; der Geruchs- und Geschmackssinn kehrte in den meisten Fällen nach weniger als zwei Wochen zurück. Wenn die Infektion schwerer verläuft, kommt eine Lungenentzündung hinzu. Insbesondere Atemnot ist ein Warnzeichen dafür und sollte unbedingt ernst genommen werden.

Der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – die Inkubationszeit – beträgt nach jetziger Kenntnis meist 2 bis 14 Tage, im Mittel etwa 5 Tage. Offenbar kann man bereits in diesem Zeitraum andere Menschen anstecken.

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Was ist zu tun, wenn ich eine Ansteckung vermute?

Sich telefonisch beim Hausarzt melden und zu Hause bleiben. Die Kriterien dafür, wer getestet wird, wurden bereits mehrfach angepasst. Laut dem neuen Infektionsschutzgesetz soll künftig noch mehr getestet werden und die Krankenkassen sollen auch präventive Corona-Tests bezahlen.

Konkrete Anzeichen, insbesondere die einer Lungenentzündung, sind dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt zu melden. Wichtiger als ein Test ist allerdings, andere Menschen nicht anzustecken, egal mit welchem Virus. Nicht die Behörden leisten den wichtigsten Beitrag zur Eindämmung der Epidemie, sondern Menschen, die umsichtig handeln.

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Wird sich das Coronavirus weltweit unkontrolliert ausbreiten?

Der Schwerpunkt der Epidemie liegt schon lange nicht mehr in China. Bereits am 19. März überstieg die Zahl der Todesfälle in Italien jene derer in China, auch Spanien, Frankreich und Großbritannien liegen um ein Vielfaches darüber. Die USA meldeten inzwischen fast 130 0000 Tote. Je nach Quelle unterscheiden sich die aktuellen Fallzahlen etwas.

Die Ausbrüche lassen sich in einzelnen Ländern unterschiedlich gut eindämmen: Einerseits scheint es mancherorts zu gelingen, Coronavirus-Fälle schnell zu entdecken und Kranke und ihre Kontakte zu isolieren. In Südkorea, Taiwan und nicht zuletzt China beispielsweise. Auch Neuseeland war zwischenzeitlich coronavirusfrei. Andererseits zeigte sich in Europa, dass es keineswegs einfach ist, Covid-19 zu kontrollieren. Die Zahl der immer neuen Infizierten drohte die Gegenmaßnahmen zu überwältigen, wie lange Zeit in Italien zu beobachten war. Auch in anderen Ländern besteht die Gefahr. Zudem wachsen die Befürchtungen vor einer zweiten Welle, etwa in China, Japan oder Israel.

Die USA sind derzeit das mit Abstand am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Dort wurde lange Zeit wenig getestet und es gab kaum systematische Gegenmaßnahmen. Insgesamt haben sich bis zum 2. Juli etwa 2 700 000 Menschen in den USA nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, so viele wie nirgendwo sonst. Auch in Mittel- und Südamerika spitzt sich die Lage zu: Brasilien verzeichnet nach offiziellen Angaben mehr als 1 400 000 Infektionen und 60 000 Todesfälle, die im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus stehen.

Die Zahl der bekannten Infizierten in Afrika ist bislang eher gering. Wieviele Menschen sich dort bisher tatsächlich infiziert haben, ist jedoch unbekannt. Erst seit kurzem haben die meisten Länder dort die Möglichkeit, möglicherweise Infizierte auf Covid-19 zu prüfen. Insgesamt sind in Afrika schon etwa 9700 Menschen in Folge einer Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben. Einige Staaten haben drastische Einschränkungen eingeführt – manche sogar, obwohl sie noch gar keinen Infektionsfall hatten. Allerdings sind die Regelungen sehr unterschiedlich, teils widersprüchlich und schwer umzusetzen. So ist eine Selbstisolierung Betroffener in armen Vierteln und Städten, wo die Menschen dicht gedrängt auf engstem Raum leben, praktisch unmöglich. Zudem gehen ihre Einkommensmöglichkeiten verloren – es droht eine gleichzeitige Hungersnot. Auch in Indien herrschen zum Teil katastrophale Zustände. Dort steigen die Fallzahlen noch immer; dennoch lockert das Land seinen Lockdown Schritt für Schritt.

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Wann wird es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Erste Impfstoffstudien an Menschen laufen bereits, auch in Deutschland. Dennoch ist vor 2021 mit einem Impfstoff nicht zu rechnen. Ein Grund: Impfstoffe müssen sehr viel gründlicher getestet werden als normale Medikamente. Hunderten Millionen Gesunde sollen sie schließlich bekommen.

Bisher dauerte es meist Jahre und erfordert erhebliche Mittel, einen Impfstoff gegen einen neuen Erreger zu entwickeln. Beim Sars-Coronavirus dauerte es 20 Monate, bis auch nur ein Impfstoffkandidat bereit für die klinische Prüfung war. Deswegen setzen die beteiligten Unternehmen und Arbeitsgruppen auf neue, womöglich schnellere Verfahren. Künstliche DNA oder RNA kommen hier zum Einsatz. Auch eine deutsche Firma arbeitet an einem RNA-Impfstoff.

Solche Erbgut-Impfstoffe können deutlich schneller zur Verfügung stehen als klassische Impfstoffe. Beispiel: Im Jahr 2015 gelang mit Hilfe künstlicher DNA binnen sieben Monaten ein testfertiger Impfstoff gegen das Zika-Virus. Außerdem können sich die Entwicklungsteams nicht nur auf die bereits verfügbaren Gendaten von Sars-Cov-2 stützen, sondern auf jahrelange Erfahrung mit der Suche nach anderen Coronavirus-Impfstoffen gegen Sars und Mers. Die Erfahrung mit der Ebola-Epidemie im Kongo hat gezeigt, dass man neue Impfstoffe im Prinzip gleichzeitig einsetzen und testen kann.

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Und was ist mit Medikamenten zur Behandlung?

Inzwischen haben sich eine Reihe von Medikamenten als mögliche Behandlungsoptionen bei Covid-19 erwiesen. Der beste Kandidat ist derzeit Dexamethason, ein künstliches Steroid, das normalerweise bei allergischen und entzündlichen Erkrankungen eingesetzt wird; der Wirkstoff reduzierte in einer Studie die Steblichkeit bei beatmeten Patienten um ein Drittel. Dexamethason verlangsamt Entzündungsreaktionen und steht quasi in der Tradition früherer Versuche, die Lungenschäden durch Covid-19 durch eine Hemmung von Immunprozessen einzudämmen.

Als bedingt effektiv erwies sich der antivirale Wirkstoff Remdesivir, der die Vermehrung des Virus hemmt. In Studien damit wurden Patienten deutlich schneller wieder gesund. Allerdings ist unklar, wie gut das Mittel bei schweren Verläufen wirkt – dort, wo ein Medikament am dringendsten gebraucht wird. Der Stoff greift in die Produktion des Viruserbgutes ein und verlangsamt so die Ausbreitung des Virus im Körper. Das heißt, am effektivsten ist es recht früh im Verlauf der Infektion – was aber heißt, dass man viele Menschen damit behandeln müsste, die auch ohne Hilfe die Krankheit überstehen würden. Möglicherweise setzt man Remdesivir als Komponente einer Kombinationstherapie am sinnvollsten ein.

Die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin dagegen scheinen entgegen anfänglicher Erwartungen nicht zu helfen. Bisher liegt kein Beleg für die Wirksamkeit der Stoffe vor. Seit April mehren sich sogar die Indizien, dass die Behandlung die Gefahr für Herzprobleme erhöht. Eine Untersuchung, laut der in einer Studie mit den Medikamenten sogar mehr Todesfälle auftraten, wurde allerdings ebenfalls zurückgezogen.

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Woher kommt die neue Krankheit?

Wie der Erreger auf den Menschen übersprang, weiß bislang niemand genau. Die bisher plausibelste Hypothese präsentierten Chen Yongyi und Xiao Lihua von der South China Agricultural University in Guangzhou. Deren Untersuchung des Spike-Proteins des Virus schien auf das Pangolin als Infektionsquelle hinzudeuten.

Das Genom eines Coronavirus aus dem Tannenzapfentier stimmt an wichtiger Stelle mit jenem von Sars-CoV-2 zu 99 Prozent überein. Doch diese hohe Übereinstimmung gilt nur in einer spezifischen Region. Insgesamt ähneln die verschiedenen untersuchten Pangolin-Viren dem Sars-CoV-2 nur zu rund 90 Prozent. Das ist viel zu wenig, als dass diese Viren direkte Vorläufer des Covid-19-Erregers sein könnten.

Aus dem Spiel ist das Schuppentier damit als Zwischenwirt aber nicht. Für die Pangolin-Hypothese spricht immer noch eine Reihe weiterer Argumente. Zum einen werden die Schuppentiere in China tatsächlich gehandelt und verkauft, obwohl das illegal ist – zum anderen ist bekannt, dass Coronaviren Pangoline töten.

Abgesehen davon hat man bisher keine besseren Kandidaten. Einige zuvor aufgekommene Hypothesen – wie jene Studie, die Schlangen als Überträger vorschlug, oder gar die Vermutung, das Virus sei im Labor erzeugt – gelten als nicht vereinbar mit dem, was man heute über das Genom und die Biologie des Erregers weiß.

Nahezu sicher ist, dass das neue Coronavirus ursprünglich aus Fledermäusen kommt, in denen man auch 2018 seine nächsten Verwandten fand. Eine direkte Übertragung jedoch ist unwahrscheinlich.

Anm. d. Red.: Das RKI weist darauf hin, dass es auf Grund des Meldeverzugs zwischen dem Bekanntwerden von Fällen vor Ort und der Übermittlung an das RKI Abweichungen zu den zum Beispiel von den Bundesländern aktuell herausgegebenen Zahlen geben kann.

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12/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12/2020

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