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Krankheiten: Zehn der gefährlichsten Viren der Welt

Eine Reihe Schädel in einem Stapel ordentlich sortierter menschlicher Knochen

Viren verursachen eine zelluläre Zombie-Apokalypse: Sie kämpfen nicht gegen unsere Zellen, sondern dringen in sie ein und verwandeln sie in ihre willenlosen Sklaven. Und das, obwohl Viren nicht einmal im eigentlichen Sinn lebendig sind. Im Grunde bestehen sie nur aus gut verpacktem Erbgut und ein paar Proteinen. Doch so einfach diese Genpäckchen aufgebaut sind, so schwer sind sie zu bekämpfen. Hier stellen wir zehn der gefährlichsten Viren der Welt vor.

Eine Asiatische Tigermücke (Aedes aegypti) saugt sich an einem menschlichen Arm mit Blut voll.
Dengue – weltweit gefährlich |

Bis zu 600 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr am Denguefieber. Bei den meisten von ihnen löst das Virus eine Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen und einen sehr typischen Hautausschlag aus, die nach etwa einer Woche wieder verschwinden. Bei einem kleinen Teil der Infizierten jedoch gibt es Komplikationen: Entweder entwickelt sich ein gefährliches hämorrhagisches Fieber mit Blutungen und Gerinnungsstörungen oder das so genannte Dengue Shock Syndrome mit gefährlich niedrigem Blutdruck. Diese Komplikationen sind so selten, dass pro Jahr nur einige tausend Menschen an Denguefieber sterben – wegen der enorm hohen Zahl der Infizierten, der globalen Verbreitung und dem beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden in vielen betroffenen Ländern gilt das Denguefieber trotzdem als eine der gefährlichsten Viruserkrankungen der Welt.

Eine Krankenschwester hält ein Baby mit Mikrozephalie
Zika – die große Unbekannte |

Jahrzehntelang galt das von Moskitos übertragene Zikavirus als weitgehend harmlos. Doch als in einigen Regionen Brasiliens immer mehr Kinder mit einer schweren Fehlbildung des Gehirns geboren wurden, begannen Fachleute auf das Gefahrenpotenzial des Virus aufmerksam zu werden. Heute wissen wir, wie ungewöhnlich Zika tatsächlich ist: Das Virus kann – anders als andere durch Moskitos übertragene Erreger – von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, zum Beispiel durch Bluttransfusionen oder Sex. Außerdem dringt es in normalerweise besonders geschützte Gewebetypen vor wie neuronale Stammzellen, Plazenta und Keimdrüsen. Da Veränderungen in solchen Geweben auch langfristig ernste Folgen haben kann, ist derzeit nur schwer abzusehen, wie gefährlich das Zikavirus tatsächlich ist.

Ein nicht besonders gesund aussehender Straßenköter läuft an einem Strand rum
Tollwut – fast immer tödlich |

Tollwut tötet jährlich zwar nur etwa 50 000 bis 60 000 Menschen weltweit, gilt aber als eine der unangenehmsten Arten zu sterben – und sobald die Symptome auftreten, ist dieses Schicksal nahezu unabwendbar. Das Tollwutvirus wird durch den Biss oder Kratzer eines kranken Tiers übertragen und befällt das zentrale Nervensystem. Je nachdem wie lange der Erreger von der Wunde bis zum Zielgewebe braucht, kann die Inkubationszeit bis zu drei Monate dauern – oder auch nur eine Woche. Menschen ohne Impfschutz sollten nach einer möglichen Infektion sofort geimpft werden, bei beruflichen Tollwutkontakten oder bei Reisen in bekannte Risikogebiete empfiehlt das Robert Koch-Institut eine Impfung vorab.

Typisch für die Krankheit sind Aufregung, Verwirrung, extreme Furcht und die so genannte Hydrophobie, bei der das Opfer nicht trinken oder schlucken kann und schon beim Anblick von Flüssigkeit Krampfanfälle bekommt. Der Erreger vermehrt sich sehr stark in den Speicheldrüsen, so dass die Schluckhemmung zu seiner Verbreitung beiträgt: Das Opfer bekommt in der Spätphase der Infektion selbst durch kleine Reize rasende Wutanfälle, bei denen er über Schlagen, Beißen und Kratzen den Erreger übertragen kann. Am Ende fallen infizierte Menschen und Tiere ins Koma und sterben. Schutz bietet nur eine Impfung innerhalb der ersten 24 Stunden nach einer möglichen Infektion. Eine neue intensivmedizinische Behandlungsmethode, das so genannte Milwaukee-Protokoll, hat eine Überlebensrate von immerhin acht Prozent.

Schild am Eingang zu einem Markt oder anderen offenen Platz
Ebola – Warnschuss in Westafrika |

Mit der großen Ebolaepidemie in Westafrika hat sich das Filovirus auch in der öffentlichen Wahrnehmung in die erste Liga der Killerviren katapultiert. Blieben die Ausbrüche zuvor begrenzt auf vergleichsweise wenige Menschen in abgelegenen Gebieten, infizierten sich während der großen Epidemie mindestens etwa 30 000 Menschen, von denen nach offiziellen Angaben 11 300 starben. Das ist eine der halbwegs guten Nachrichten des Ausbruchs: Die von Ebola verursachte Sterblichkeit ist weit entfernt von den über 90 Prozent, die zuvor als wahrscheinlich galt. Zusätzlich scheint der Erreger bei etwa einem Viertel aller Infizierten sogar nur eine leichte Erkrankung auszulösen. Andererseits kennt man jetzt die oft schwer wiegenden Langzeitfolgen, wenn der Erreger nach dem Ende der akuten Krankheit in Nerven, Hoden oder Auge versteckt bleibt. Und natürlich ist ein Virus, das nicht nur etwa ein Drittel aller Opfer tötet, sondern auch bei Zehntausenden, die überlebt haben, Jahre danach zur Wiedererkrankung führt, eine Bedrohung für die ganze Welt.

Ein aufrecht stehender Autoreifen, in dem eine schmuddelige Wasserpfütze steht
Gelbfieber – auf dem Sprung in die Städte |

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Gelbfieber zu den gefürchtetsten Krankheiten der Welt. Der erste Versuch, einen Kanal in Panama zu bauen, scheiterte an der Epidemie, die im Jahr 1889 Tausende von Arbeitern in der tropischen Hitze hinwegraffte. Erst später, als Mücken als Überträger der Krankheit bekannt waren, konnte man die Verbreitung des Virus effektiv eindämmen und den Kanal fertig stellen. Gelbfieber ist weitaus gefährlicher als die ähnlichen Erreger Dengue und Zika. Zwar werden 85 von 100 Infizierten nur leicht krank, die restlichen 15 Prozent jedoch bekommen Gelbsucht, die der Krankheit ihren Namen gab, und etwa die Hälfte von ihnen stirbt. Eine Heilung gibt es nicht, jedoch einen wirksamen Impfstoff, mit dem man aufflackernde Epidemien eindämmt. Gefährlich ist Gelbfieber einerseits, weil die Mücken der Gattung Aedes die Nähe von Menschen bevorzugen und ihre Eier zum Beispiel in Pfützen, die sich in alten Autoreifen bilden, ablegen. Andererseits ist der Impfstoff chronisch knapp. Fachleute befürchten, dass sich die Krankheit in den Millionenstädten Afrikas festsetzen wird und dort nur mit großer Mühe effektiv zu bekämpfen wäre.

Frau liegt mit Masern im Bett und guckt betrübt
Masern – die unterschätzte Seuche |

Der Begriff Kinderkrankheit verleiht den Masern bei großen Teilen der hiesigen Bevölkerung eine eher harmlose Aura, zumal die meisten Erkrankten sich wieder erholen. Allerdings sollte man das Virus nicht unterschätzen: Laut dem Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) starben im Jahr 2013 weltweit etwa 100 000 Menschen an Masern, in den 1980er Jahren waren es sogar noch etwa 2,5 Millionen Maserntote. Ursache ist die extrem hohe Ansteckungsrate. In einer ungeschützten Bevölkerung würde jeder Infizierte im Durchschnitt 15 bis 18 weitere Menschen anstecken. Diese enorme Reichweite des Virus führt dazu, dass die Masern selbst innerhalb einer überwiegend geimpften Bevölkerung immer wieder Ausbrüche verursachen. Gefährlich sind die Masern vor allem, weil sie bei etwa einem Viertel der Infizierten nicht dem klassischen Muster folgen: Besonders bei immungeschwächten Personen ist der Anteil schwerer Komplikationen sehr hoch. Aber auch sonst Gesunde können Nebenwirkungen von Lungen- oder Mittelohrentzündungen bis hin zu schweren, oft tödlichen Enzephalitiden bekommen. Die Sterblichkeit an Masern ist in den Industrieländern mit deutlich unter einem Prozent sehr niedrig, in weniger geschützten Gesellschaften mit unzureichender medizinischer Versorgung kann sie auf 10 bis 30 Prozent steigen.

grüne noppige Bälle auf schleimhautfarbener Oberfläche.
Rotavirus – wie Ungleichheit tötet |

In vielen Ländern mit schlecht ausgerüstetem Gesundheitssystem ist Durchfall die wichtigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren – und Rotaviren verursachen weltweit die meisten Durchfälle. Etwa eine halbe Million Kinder sterben jedes Jahr an den Viren, die durch fäkal-orale Übertragung verbreitet werden. Dabei ist die Krankheit im Prinzip sehr einfach unter Kontrolle zu bekommen: Zwei Impfstoffe schützen vor dem Erreger und bewirken dort, wo man sie einsetzt, einen deutlichen Rückgang der Erkrankung. Auch die akute Infektion ist ähnlich wie Cholera mit einfacher Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr gut zu behandeln. Dass diese Krankheit immer noch tötet, liegt allein daran, dass man fahrlässig mit ihr umgeht.

Eine junge Frau liegt in gesellschaft einer größeren Anzahl Taschentücher im Bett und schneuzt sich gerade die Nase
Grippe – warten auf die nächste Katastrophe |

Die Influenza ist gleichzeitig eine der tödlichsten und gefährlichsten Virusinfektionen überhaupt. Bis zu 500 000 Menschen sterben jedes Jahr an der Grippe – in einer typischen Saison. Geht eine überdurchschnittlich aggressive Variante des Virus um, können es auch schon mal deutlich mehr sein. Die Spanische Grippe, die im Jahr 1918 begann, infizierte je nach Schätzungen etwa 30 bis 50 Prozent der Weltbevölkerung und tötete ungefähr 50 Millionen Menschen. Dabei verursacht die Grippe im Vergleich zu anderen berüchtigten Virenerkrankungen eine vergleichsweise geringe Sterblichkeit im Bereich von Zehntelprozent bis wenigen Prozent und ist auch im Vergleich zu Seuchen wie Masern oder Pocken eher wenig ansteckend. Allerdings geben Infizierte das Virus bereits vor dem Auftreten schwerer Symptome in großen Mengen ab, und der Erreger überlebt zum Beispiel auf Banknoten unter Umständen länger als zwei Wochen. Vermutlich schlägt die Grippe deswegen jedes Jahr im Winter zu: Wenn die Sonne tiefer steht, erreicht weniger Viren zerstörende UV-Strahlung die Erde, und die Kälte sorgt dafür, dass schützende Schleimtropfen nicht so schnell austrocknen.

Ein Apothekenregal voller dubioser, uralter Glasflaschen unbekannten Inhalts.
Pocken – manchmal kommen sie wieder |

Eigentlich sind die Pocken ausgestorben – aber so ganz sicher kann man da nicht sein. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, dass die letzten offiziellen Proben des einst so gefürchteten Erregers irgendwann einmal reaktiviert werden, es könnte auch noch weitere unbekannte Restbestände geben. Fachleute spekulieren, dass der auftauende Permafrost irgendwann einmal das Virus aus dem tiefgefrorenen Gewebe von Pockenopfern freisetzen könnte, wie es jüngst in Sibirien mit dem Milzbranderreger geschah. Zusätzlich weiß niemand, ob nicht noch irgendwo auf der Welt vergessene Proben des Erregers lagern, wie sie vor einiger Zeit ja auch in US-Labors noch aufgefunden wurden. Eine Rückkehr der Pocken jedenfalls wäre der schlimmste denkbare Seuchenalarm: Große Teile der Weltbevölkerung sind weder geimpft noch jemals mit dem Erreger in Berührung gekommen. Mit einer geschätzten Reproduktionszahl zwischen 3, 5 und 6 sind die Pocken ein Vielfaches ansteckender als die Grippe und könnten sich global verbreiten, bevor Gegenmaßnahmen greifen. Nach Schätzungen würde bis zu ein Drittel der Infizierten sterben, bei den Überlebenden verursachen die Pocken teils schwere neurologische Schäden.

Zwei junge Männer knutschen auf einem Bett rum, der eine macht mit einem Kondom das, was man in so einer Situation gerade nicht tun sollte: In die Kamera halten.
HIV – Killer in Lauerstellung |

Seit die Welt in den 1980er Jahren auf die Krankheit Aids und seinen Erreger aufmerksam wurde, sind 32 Millionen Menschen an der Seuche gestorben, etwa 37 Millionen sind infiziert. Jedes Jahr kommen etwa zwei Millionen Neuansteckungen hinzu. Unbehandelt führt die Krankheit bei allen Infizierten binnen 10 bis 15 Jahren zum Tod, es gibt derzeit weder eine Impfung noch ein Heilmittel. Der Ausbruch der Krankheit Aids durch die HIV-Infektion kann durch die Einnahme mehrerer Medikamente dauerhaft aufgehalten werden, allerdings verursachen die heutigen Kombinationstherapien bei einem Teil der Patienten unangenehme Nebenwirkungen, und immer wieder treten resistente Virenstämme auf. Dank intensiver Aufklärungs- und Präventionskampagnen und Medikamentenprogrammen ist die Zahl der Neuinfektionen weltweit seit den 1990er Jahren drastisch gesunken, doch derzeit stagniert die HIV-Bekämpfung. In Europa werden sogar wieder mehr Neuinfektionen registriert. Sollten die globalen Maßnahmen gegen den Erreger zum Beispiel durch eine weltweite politische oder wirtschaftliche Krise zusammenbrechen, würde sich die Seuche wohl wieder rasant ausbreiten.

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