Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Rechenscheibe

    04.04.2007, Johnn Stoehr, Kiel
    Eine Variante des Rechenstabs ist die Rechenscheibe. Diese ist nicht selten auf der Rückseite einer Parkscheibe zu finden, auch wenn sie nicht genau gearbeitet ist.
  • Die Rolle der Wahlbeteiligung

    04.04.2007, Ruedi Marti, CH-4144 Arlesheim
    Danke für den schönen Artikel, der ein neues Zuteilungsverfahren beschreibt, welches bei Wahlen, die mehrere Wahlkreise übergreifen, mathematisch beweisbar zu einem möglichst gerechten Resultat führt.


    Nützlich wäre noch die Bemerkung gewesen, dass die scheinbaren Paradoxien des Verfahrens (dass zum Beispiel eine Partei in einem Wahlkreis für 1025 Stimmen drei Sitze erhält, eine andere Partei in einem anderen Wahlkreis für 1642 Stimmen aber nur zwei Sitze) vor allem damit zu tun haben, dass das Stimmverhalten in den einzelnen Wahlkreisen recht unterschiedlich ist.


    Aus den vorliegenden Zahlen aus Zürich lässt sich zum Beispiel schliessen, dass die Wahlbeteiligung im Kreis 12 nur knapp halb so gross war wie im Wahlkreis 7-8.


    Bei einigermassen einheitlicher Wahlbeteiligung in den verschiedenen Wahlkreisen ergäben sich wesentlich weniger Probleme (und scheinbare Paradoxien) bei der möglichst gerechten doppelt proportionalen Zuteilung.


    Ein Anreiz zur eigenen Beteiligung an der Wahl bleibt jedenfalls: Es sind nur die an der Wahl Teilnehmenden, welche über die parteiliche Zusammensetzung des Gemeindeparlaments der Stadt Zürich bestimmen.


    Also: Wählerinnen und Wähler, geht an die Urne !


    Antwort der Redaktion:
    In der Tat: In Wahlkreis 12 sind insgesamt 3618 Stimmen abgegeben worden, in Wahlkreis 7–8 dagegen 11710 Stimmen. Bei Zuteilung auf Wahlkreisebene wäre also in Wahlkreis 12 ein Sitz schon für 361,8 Stimmen zu haben gewesen, in Wahlkreis 7–8 dagegen erst für 688,8 Stimmen. Da die Sitzzahlen für jeden Wahlkreis so bestimmt werden, dass sie (bis auf Rundung) proportional zur Zahl der Wahlberechtigten sind, bleibt als einzige Erklärung für dieses Ungleichgewicht die unterschiedliche Wahlbeteiligung.
  • Rechenschieber und Generationenwechsel

    04.04.2007, Dipl.-Ing. Herbert Köhler, Wien
    Danke für Ihren Artikel über den guten alten Rechenschieber. Erinnerungen werden wach an die Zeit als er noch selbstverständlich war.
    Mein Sohn wollte schon als Zehnjähriger lernen wie man damit umgeht, obwohl oder vielleicht weil er in der Zeit zur Schule ging, als manche Lehrer noch Taschenrechner verbieten wollten.
    Mit Vierzehn erlebte er dann in einer International School Unterricht am Taschenrechner; der Professor dachte - wenn schon denn schon.
    Während seine Mitschüler noch am Eintippen waren, nannte mein Sohn bereits das Resultat der kleinen Übungsrechnung und löste ungläubiges Staunen aus. Sein sliderule wurde wie ein Gerät vom Mars bestaunt. Der Professor aber änderte sogleich den Unterricht und erklärte das faszinierende Prinzip des "fremdartigen Dings" und löste große Begeisterung aus.
    Inzwischen besitzt mein Sohn eine kleine Sammlung verschiedenster Rechengeräte, die auf dem Verschieben von Skalen beruhen, in skurrilsten Ausführungen. Ich darf sie manchmal noch praktisch anwenden.

    Ihr nostalgisch träumender
    Dipl.-Ing. H. Köhler
  • Die Krone ist schon entdeckt worden

    04.04.2007, Dr. Torsten Sillke
    Es gibt auch andere Amateure, die die Krone entdeckt haben.
    Siehe die Arbeit von Willi Jeschke unter http://www.primini.homepage.t-online.de/parkettierung-7.html
  • Es gibt doch einen Fortschritt

    03.04.2007, Eugen Muchowski, Unterhaching
    Um einen Fortschritt festzustellen, bedarf es keineswegs eines Ziels, sondern lediglich eines Maßstabs. Die unbelebte Natur strebt im abgeschlossenen System einem Maximum der Entropie (Unordnung ) zu. Infolgedessen kann man hier die Entropie als Maß für den Fortschritt anführen.

    Bei der belebten Natur sind die Dinge etwas komplizierter. Die Komplexität als Maß ist schwer zu fassen. Zu behaupten, dass Menschen nur 5% komplexer sind als Mäuse, nur weil sich ihre Genome um 5% unterscheiden, ist nicht zielführend. Angemessener wären Maßstäbe auf der phänomenologischen Ebene.

    Nimmt man also die Anzahl der Funktionen ( Mechanismen zur Erzeugung von Ausgangszuständen aus Eingangszuständen) als Maß für einen Fortschritt, so kann man in der Entwicklung der Arten durchaus eine Zunahme, also einen Fortschritt feststellen. Der Mensch ist überdies in der Lage, sich Ressourcen dienstbar zu machen, die Anzahl der ihm zur Verfügung stehenden Funktionen durch technische Mittel zu vergrößern ( Automobil, Transistor , Computer ..)

    Ein zusätzlicher Maßstab für den Fortschritt ist die Effizienz der Systeme, das heißt, die Menge der Ressourcen, die für die Erzeugung eines Ausgangszustands erforderlich sind.
    Auch hier ist Fortschritt feststellbar, z.B. in der Landwirtschaft, wo heute ein Bauer Nahrungsmittel für 20 Menschen produziert, während früher für diese Tätigkeit 10 Bauern benötigt wurden.

    Insofern ist also ein Fortschritt definierbar und feststellbar. Das hat überhaupt nichts mit Bewertung zu tun. Es ist keineswegs so, dass unser Gehirn nur im eigenen Saft lebt. Das Gehirn ist durchaus in der Lage, Zusammenhänge der äußeren Welt abzubilden und daraus Modelle zu entwickeln, die durch Experimente erhärtet werden können. (Newtonsche Mechanik, Relativitätstheorie, Quantenmechanik) Wie sonst könnten wir beispielsweise Sicherheit empfinden, dass sich unser Automobil nicht im nächsten Augenblick in seine Bestandteile auflöst.

  • Logarithmentafeln von Jost Bürgi

    03.04.2007, Hermann-Michael Hahn, Köln
    Wenn Napier seine Logarithmen-Tafeln erst 1614 veröffentlicht hat, werden sie Kepler bei der Findung seiner Gesetze zur Planetenbewegung kaum geholfen haben, denn die beiden ersten Kepler'schen Gesetze wurden bereits 1605 gefunden.
    Dagegen dürfte Kepler Zugriff auf die von Jost Bürgi erstellten Logarithmentafeln gehabt haben, da dieser ab 1604 ebenfalls in Prag wirkte und bereits seit 1588 an der Entwicklung der Logarithmen gearbeitet hatte.

  • Fragwürdige Theorie

    03.04.2007, Raimund Leistenschneider, Buckenhaldeweg 22, 71069 Sindelfin
    Herr Peter D. Ward hat sicherlich recht, wenn er die gängige Lehrmeinung zu den Massenextinktionen anzweifelt. Allerdings dürfte auch seine Theorie falsch sein! Er zieht das Mengenverhältnis der C13/C12-Isotope heran, welches in direktem Zusammenhang mit pflanzlicher Aktivität steht. Die gleichen Ergebnisse erhält man aber auch bei Eiszeiten. Dort ist dieses Mengenverhältnis ebenfalls stark verschoben, weil die pflanzliche Aktivität während Eiszeiten gering ausfällt. So passen die von ihm angegebenen Isotopenverschiebungszeiträume von 50.000 und 100.000 Jahren ausgezeichnet zu den Eiszeitperioden der jüngeren Erdgeschichte. Es ist davon auszugehen, dass es die Periodizität, die bei den jüngeren Eiszeiten auftrat, ebenso in früheren Erdepochen gab.

    Weiter ist unstrittig, dass die letzte große Massenextinktion im ausgehenden Eozän vor 36 Millionen Jahren, als z.B. die größten Räuber unter den Säugetieren, Basilosaurus (Meer) und Entrusakos (Land), die es je gab, verschwanden, auf das Zufrieren der Pole nach über 100 Millionen Jahren zurückzuführen ist, wodurch sich die Meeresströmungen in der Tethys und das Erdklima änderten.

    Des Weiteren passt die von Ward angegebene toxische Schwelle von 1000 ppm nicht mit den Funden aus erdgeschichtlicher Zeit zusammen. So ist aus Bohrungen in der Arktis bekannt, dass vor 49 Millionen Jahren der CO2-Gehalt bei fast 2000 ppm lag. In dieser Zeit gab es eine hohe pflanzliche und tierische Vielfalt. Auf dem Gebiet, welches später einmal Deutschland heißen sollte, erstreckten sich ausgedehnte Regenwälder mit üppiger Tierwelt.
  • Enttäuschend

    02.04.2007, Marcel Hänggi, Wissenschaftsredakteur, Zürich
    Mit großem Interesse begann ich die kritische Auseinandersetzung mit der Klimawissenschaft zu lesen; groß war aber auch die Enttäuschung. Dass außerwissenschaftliche Interessen die Klimaforschung beeinflussen, ist trivial: Das gilt für jede Forschung. Interessant würde es da, wo der Artikel nicht weiter fragt: Wie wirken diese Interessen? Wo (und warum) ist ihr Einfluss im IPCC-Prozess gar institutionalisiert? Wie geht das Gremium mit Dissens und Konflikten um? Wie integriert es selbst «Klimaskeptiker» wie Richard Lindzen, Hauptautor des 3.
    IPCC-Zustandsberichts von 2001? Von einem Wissenschaftsmagazin hätte ich erwartet, dass es auf die Forschungen eingeht, die sich diesen Fragen widmen (etwa die von Amy Dahan vom Pariser CNRS).

    Dass es nicht nur die Beschwichtiger sind, die auf die Klimawissenschaft Einfluss nehmen, ist ebenfalls trivial; ein paar simple Fragen hätte es auch dazu gebraucht: Wer hat mehr Macht und ist besser organisiert, die Erdöl- oder die Versicherungsindustrie? Welche Industrielobby hat den letzten IPCC-Vorsitzenden, Robert Watson, zu Fall gebracht? Welche Staaten sind im IPCC stärker vertreten: die Hauptverursacher des Klimawandels oder die Haupt-Leidtragenden? Welches Interesse sollten Regierungen daran haben, den Klimawandel drastischer erscheinen zu lassen, als er ist, wenn sie nicht einmal die Kioto-Verpflichtungen einzuhalten vermögen? Haben die im Artikel genannten Anhänger der Gaia-Hypothese, evangelikalen Christen und Antiamerikanisten einen vergleichbaren Einfluss wie orthodoxe Ökonomen, die die Arbeitsgruppe III des IPCC dominieren (und die Szenarien liefern, die der Arbeitsgruppe I zugrunde liegen)?

    Wenig hilfreich ist auch der Verweis auf Popper: Prognosen, die ein Ereignis betreffen, das nur einmal eintritt, können dem Kriterium der Falsifizierbarkeit gar nicht genügen (jeder Arzt, der den Krankheitsverlauf bei einem ganz bestimmten Patienten abschätzen und entsprechend handeln muss, steht diesem Problem gegenüber). Auf Popper zu beharren hieße da, auf jegliches Handeln zu verzichten.
  • Ein kleiner Anhang zu "Fortschrittsillusion"

    31.03.2007, D. Thiele
    Fortschritt ist wie beschrieben zwar nicht mit Evolution gleichzusetzen, aber doch ist die Illusion des Gehirns "Fortschritt" evolutionär begründet. Die Evolution nämlich hat dem Mängelwesen Mensch die Technik als ein Wesensmerkmal in die Wiege gelegt und eben dadurch existiert dieser psychologische Fortschrittsglaube. Denn die Illusion "Fortschritt" bezieht sich auf den sich exponential verstärkenden Prozess der Technik. Die Situation des "Obsolet"werdens hat sich in den menschlichen Geist eingeprägt. Und dies stärker denn je seit der cartesianischen Reduktion und der Rückbesinnung auf die Systemtheorie mit Systemreflexivität und der bestandsmäßigen Verdinglichung des Menschen. Vielleicht ist es auch einfach so, dass der Wesensverlust des Menschen durch die Technik wie Heidegger ihn beschreibt in der "Verillusionierung" des Menschen liegen, der seine evolutionären Wurzeln verkennt. Als etwas nicht mehr biologisches. Verbinden kann man das ganze auch noch mit der Idee der a priori vorliegenden Kategorien nach Kant oder seiner gesamten Transzendentalphilosophie - auch wenn er den Bezug zur Sprache ausgelassen hat. Meiner Meinung nach hat der "Glücksdrang" der Fortschrittsillusion auch etwas mit der Fähigkeit des Menschen zu Geschichtsbewusstsein im Sinne Nietzsches zu tun. Der Verstand des Menschen ist die Brille durch die er versucht die Welt zu erkennen. Das ist die Hürde, die es zu überwinden gilt. Ohne Verstand vermag man nicht zu erkennen, der Verstand jedoch gibt einem das Erkannte vor und prägt es. Der Mensch wird illusionistisch bleiben, es fragt sich nur inwieweit dies letztendlich Bedeutung hat.
  • "Dunkle Energie ist überflüssig"

    31.03.2007, Gerhard Altenhoff, Dormagen
    Um die Expansion des Weltalls zu beschleunigen, braucht man keine obskuren Mächte oder "dunkle" Energien.
    Der Trick ist ganz einfach: Bei der Fusion von Wasserstoff zu Helium werden 1/133tel der Materie in Strahlung umgewandelt. Das hat Prof. Heinz Haber schon vor rund 40 Jahren in "Bausteine des Universums" beschrieben. Dieser Anteil verschwindet einfach und entzieht sich dem Einfluss der Gravitation. Was keine Masse hat, kann die Gravitation nicht spüren.
    Der Rest ergibt sich aus Einsteins Gleichung E=mc2 - Lösen Sie diese einmal nach "c" hin auf.
    Sie werden eine Überraschung erleben, denn sie müssten zur Berechnung der Energie masseloser Teilchen nicht nur durch Null dividieren, sie müssen zudem, um "Lichtgeschwindigkeit" zu erreichen, das Raumzeitkontinuum in Raum und Zeit zerteilen.
    Das aber ist, Einstein hat es selbst gesagt, unmöglich.
    Und was sagen Sie nun?
    Antwort der Redaktion:
    Tatsächlich wird bei der Kernfusion ein Teil der Masse in Energie umgewandelt – auch diese übt eine Gravitationskraft auf und hat auf die kosmologische Wirkung der Dunklen Energie keinerlei Einfluss. Technisch ausgedrückt: Wendet man Einsteins Feldgleichung auf die Kosmologie an, gilt unverändert, dass die Beschreibung der Raumzeit-Geometrie auf der einen Seite der Gleichung steht und die SUMME der Energiebeträge auf der anderen. Salopp gesagt passen gerade auf Grund der Gleichung E = mc2 sowohl die Massen- als auch die Energiebeiträge dorthin.
    Dr. Götz Hoeppe
  • Ursache und Wirkung

    30.03.2007, Winfried Platz, Baiersdorf
    Herr Springer nimmt es mutig mit einem sperrigen
    Thema auf, leider wohl vor einem Forum weit gehend Gleichgesinnter - ob der Papst das jemals liest?
    Bei den ungelösten Rätseln der Natur sieht Herr Springer die Nähe zum Betätigungsfeld der Religionen und führt als Beispiel die Naturkonstanten an: Warum sind deren Beträge
    genau so groß, dass nur dann ein Universum sein
    kann? Ich bin der Meinung, hier werden schlicht
    Ursache und Wirkung verwechselt, denn eben nur
    weil das Universum besteht, sind die Konstanten
    so wie sie sind. Sie wurden sozusagen gefunden
    durch die Entstehung des Universums.
    Analog begründen Esoteriker die göttliche Urheberschaft beim Sonnensystem gern damit, dass Umlaufzeiten, Bahnradien u.ä. gerade in solchen (z.B. ganzzahlig teilerfremden) Verhältnissen stehen, dass die Planeten in ihren Bewegungen nicht zerstörerisch interagieren können.
    Auch hier gilt jedoch im Umkehrschluss, dass das
    heute beobachtbare System derart sicher ist, weil es eben gefunden wurde durch Eliminierung aller nicht konformen Massen und Bahnen.
    Davon zeugen Planetoiden- und Kuipergürtel, Oortsche Wolke, aber auch die stark nachlassende Einschlagshäufigkeit auf den beobachtbaren Planeten und Monden im Sonnensystem.
  • Energieverknappung viel bedrohlicher

    30.03.2007, Dr. Karleugen Habfast, Bremen
    Ich habe selten einen so guten und gut begründeten Kommentar zur aktuellen Klima-Debatte gelesen. Man kann nur noch sagen: So ist es. Wir wissen einfach nicht, was passieren wir, haben nur gute Gründe für allerhand Befürchtungen. Sicher geht die Welt nicht unter; sie ändert sich bloß, irgendwie.

    Gleichwohl wundere ich mich immer wieder, dass die mit viel höherer Sicherheit vorhersagbare Verknappung der fossilen Energie und die damit einhergehende drastische Verteuerung, einschließlich verheernder Ressourcenkriege, nicht als die viel gefährlichere Bedrohung empfunden wird:
    Deutlicher: Wir werden uns die elementare Basis unserer modernen Zivilisation mit hoher Sicherheit - weit mehr als 90% - in historisch absehbaren Zeiträumen nicht mehr leisten können. Möglicherweise viel früher, als bis wir Gelegenheit bekommen werden, die Richtigkeit der derzeitigen Klimahypothesen zu verifizieren.

    Nach meinem Dafürhalten sollte man sich deshalb viel intensiver, auch politisch, darauf konzentrieren, einen Energie-Wandel, technisch und verhaltensmäßig, zu vollziehen oder diesen wenigstens verbindlich zu planen. Notfalls auch unter Verwendung fossiler Energie, solange wir uns wenigstens das noch leisten können. Hilfreich, aber wohl aussichtslos, wäre dafür ein mit ähnlich ‘wissenschaftlicher’ Sorgfalt durchgeführter Versuch, die noch vorhandenen Ressourcen genauer zu quantifizieren und zu qualifizieren. Warum nicht auch mit UN-Hilfe? Wir hätten auf diese Weise wenigstens die Mittel, die nächste Katastrophe, auf die wir zusteuern, ein wenig hinauszuschieben.
  • Kühler Kopf in Zeiten der Massenhysterie

    30.03.2007, Dr. Peter Heller
    Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel. Das ist Medienberichterstattung, wie man sie sich in Zeiten der Massenhysterie nur wünschen kann.

    Es ist aber nicht nur so, dass die Klimamodelle unzureichend und die ihnen zugrundeliegenden Hypothesen beispielsweise zum Strahlungshaushalt der Erde hochspekulativ sind, allein schon die Messung eines scheinbar so einfachen Parameters wie der "globalen Durchschnittstemperatur" übersteigt bei weitem unsere Möglichkeiten. In schöner Regelmäßigkeit müssen Interpretationen entsprechender Daten über Ozeane, über verschiedene Schichten der Atmosphäre und aus historischen Quellen wie Baumringen, Eisbohrkernen oder Fossilien abgeleitete Werte revidiert werden. Ganz davon abgesehen, dass unklar ist, welche physikalische Relevanz ein durch den Menschen künstlich definierter Wert für das Klima überhaupt hat. Man kommt ja auch nicht auf die Idee, die "durchschnittliche Farbe" einer Stadt für Aussagen über das mögliche Bevölkerungswachstum heranzuziehen.

    In der aktuellen Diskussion ist außerdem das Maß für die Dimensionen völlig verloren gegangen. Wir leben eigentlich in einer Eiszeit auf einer Wüstenwelt, die fast ausschließlich von einzelligen Lebewesen besiedelt wird. Jedes größere Erdbeben, jeder größere Vulkanausbruch, selbst ein größerer Wirbelsturm spotten über den Energieumsatz der Menschheit und sollten uns eigentlich bescheidener zurücklassen. Die Klimahysterie in Politik und Medien erscheint nur mehr als ein schlimmer Rückfall in anthropozentrische Gedankenwelten des Mittelalters.

    Es ist interessant, wie ein sich selbst organisierendes System aus Politik, Medien, dem IPCC und verschiedenen Lobbygruppen und Beratungsunternehmen sich gegenseitig befruchtet und gemeinsam die Öffentlichkeit verdummt.
    Dieser Mechanismus wird in einigen Jahren Forschungsthema an Hochschulen sein. Herr Titz vergisst dabei in seinem Abriss über die unterschiedlichen Motivationen der Beteiligten, dass das IPCC ebenfalls nicht so sehr dem Weltklima, sondern eher der Gewinnung von Forschungsgeldern für das angeschlossene Netzwerk an Klimaforschern verpflichtet ist.

    Wie subtil der Mechanismus funktioniert, auch dafür liefert der Artikel von Herrn Titz den klaren Beleg. Er möchte eben nicht behaupten, man müsse sich über den Klimawandel keine Sorgen machen. Dabei sagt er im Kern genau das:
    Man muss sich eben keine Sorgen machen, wenn der wissenschaftliche Ast, auf dem die Mahner sitzen, so dünn ist, wie beschrieben (man muss sich dann höchstens Sorgen über die Mahner machen). Oder anders gesagt: Man muss sich über den Klimawandel etwa genau so viel Sorgen machen wie über die Möglichkeit, daß bald mordlüsterne, schleimige Aliens mit Sonnenbrillen die Erde überfallen. Denn es gibt für beides keinen Gegenbeweis. Wie man es schafft, allein mit dem Fehlen eines Gegenbeweises eine "Wahrheit" zu begründen, nun ja, dafür sind Theologen Experten. Und der religiös-inquisitorische Aspekt der Klimadebatte spiegelt sich ja auch in dem Fanatismus wider, mit dem die so genannten "Skeptiker" verteufelt oder totgeschwiegen werden.

    Nein, es existiert kein wissenschaftlicher Konsens über den Klimawandel und schon gar keiner über den menschlichen Einfluss auf denselben. Der jüngste IPCC-Bericht hat nur eine positive Seite: Er beendet die wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht, er setzt erst den Impuls für ihren wirklichen Beginn.

    Und was Herr Titz auch zu erwähnen vergaß: Es ist ohnehin zu kalt auf dieser Erde. Ja soll es denn noch kälter werden? Das Klima ändert sich, ob wir wollen oder nicht, und das Klima hat sich in der Vergangenheit auch schon schneller geändert als für die Gegenwart behauptet. Ich hoffe dann aber doch, dass es wärmer wird. Denn davon profitieren wir insgesamt mehr, als wir dadurch verlieren.
  • Interessenverflechtungen

    29.03.2007, Henning Thielemann
    Bei den Interessenvertretern zugunsten der Klimaerwärmung fehlen wenigstens noch die Kernenergiebefürworter und die Leute, die am Handel mit Emissionszertifikaten verdienen werden.
  • Genie versus Virtuosität

    29.03.2007, Dr. S. Möller, Trakehnerweg 4, 37603 Holzminden
    Hochinteressanter Artikel; die Wahrheit liegt aber - wie meistens - in der Mitte: nicht nur Training macht das "Genie", sondern auch die genetische Disposition der vorausgehenden Zellinie (d. h. der Vorfahren, vgl. Befunde der Epigenetik). Eine Grundveranlagung scheint die gute Vernetzbarkeit zwischen dorsalem und ventralem System in Gehirn zu sein, die während der kindlichen Ontogenese - u. a. durch körperliches Bewegunsglernen - ausgebildet werden muss. Dies wusste schon der Musikpädagoge F. Wieck, der seine Tochter Clara Schumann nach einem strengen Programm - inklusive täglichen Spaziergängen - zur Klaviervirtuosin ausbildete. Leider vernachlässigen Kognitionswissenschaftler bei der Konzentration auf geistige Prozesse - die im Computer nach logischen Regeln programmierbar sind - den physischen Aspekt des Lernens.

    Störend in der aktuellen Diskussion ist der nicht korrekte Gebrauch des Begriffs "Genie". "Genie = ein Mensch, der im Unterschied zum Talent nicht nur im Rahmen des Überkommenen Vollkommenes leistet, sondern neue Bereiche des Schaffens erschließt ...; dass das Genie starke geschichtliche Wirkung auslöst..." Ein Genie wie Mozart oder Newton hinterlässt - aufbauend auf den aktuellen Stand der kollektiven menschlichen Entwicklung - Spuren, die die kollektive menschliche Weiterentwicklung ermöglicht.

    Insofern sind Schachspieler ebenso wie hervorragende Interpreten in der Musik eher Virtuosen, aber keine Genies. Dies gilt auch für "Rechengenies" - seien es Nomalbegabte oder so genannte Savants mit Inselbegabungen. Sie gehen virtuos mit Zahlen um, was einen enormen Übungsaufwand erfordert, aber der Stand der aktuellen Mathematik wird weder verstanden noch weiterentwickelt (im Gegensatz zum Aufstellen neuer mathematischer Sätze etwa durch Gauss oder Hilbert). Ein Genie beherrscht nicht nur den aktuellen Stand, sondern schafft über die Ebene der Abstraktion zugleich Neues - dies ist das kreative Element des Genies.

    Letztendlich ist die Hypothese vom "angestrengten Üben" verlockend, tatsächlich findet ja eine Weiterentwicklung nur bei stetig steigenden Anforderungen statt. "Angestrengt" klingt aber recht negativ und vernachlässigt den Einfluss der Emotionen auf den Übungserfolg. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Kind freudig neue Herausforderungen sucht - was zu anstrengungsarmem Üben führt - oder eben sich angestrengt neuen Herausforderungen stellt. Die Emotionalität schlägt sich in der unterschiedlichen Aktiverung entsprechender Hirnareale nieder. Auch ist die Freude am Lernen, Ausprobieren und Bewältigen schwieriger Aufgaben eine andere Motivation als das Gewinnenwollen im Vergleich mit anderen. Insofern gefällt mir der Diskussionsbeitrag der Schachtrainerin "Kinder mit leuchtenden Augen" besonders gut: Kinder, deren Augen beim Schachspiel oder Hören von Geigentönen leuchten, werden durch die positiven Emotionen beflügelt; sie fordern immer mehr und üben anstrengungsarm. Dies ist ein eher selbstgesteuerter Prozess, der vermutlich seinen Urprung in der motorischen Disposition hat. Eine solche emotionale Disposition zeigen alle wirklichen Genies - auch von Mozart weiß man, dass er ein sehr liebevolles, zärtliches Kind war.