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Steinzeitkleidung: Mit Federschmuck ins Grab

Eine neue Untersuchungsmethode verrät, welche Bekleidung die Menschen vor 7000 Jahren trugen. Winzigste Materialreste zeigen: Die Steinzeit war auch eine Federzeit.
Eine Person steht in einem herbstlichen Wald, umgeben von Bäumen mit gelben Blättern. Sie trägt einen Mantel aus Tierfellen und Federn sowie eine Kopfbedeckung mit Federn. Am Boden liegt ein Tierknochen. Die Szene vermittelt eine Verbindung zur Natur und traditionellen Lebensweisen.

Fellhaube und Pelzmantel

In steinzeitlichen Gräbern finden sich in der Regel vor allem Knochen und Steinartefakte wie Waffen und Werkzeuge. Spuren von Kleidung fördern Archäologen dagegen nur äußerst selten zutage, da das weiche organische Material im Lauf der Zeit meist zerfallen ist. Doch Wissenschaftler der Universität Helsinki haben nun eine Methode entwickelt, mit der sie nahezu unsichtbare tierische und pflanzliche Überreste sichtbar machen können.

Durch eine Wasserspülung und den Einsatz einer Zentrifuge lösten sie winzige Fasern aus der Erde heraus und identifizierten sie unter dem Mikroskop. Auf diese Weise untersuchten die finnischen Experten Proben aus 35 der 87 Grablegen am südschwedischen Siedlungsplatz Skateholm, den Archäologen in den 1980er-Jahren freilegten. Sie zeigten, dass bei den Bestattungen, die irgendwann zwischen 5200 und 4800 v. Chr. angelegt wurden, Felle und Federn von vielen verschiedenen Tieren Verwendung fanden.

So entdeckten die Forscher im Fußbereich eines Grabs beispielsweise ein weißes und ein braunes Haar, vermutlich von einem Hermelin und einer Katze, sowie Federreste, was darauf hindeutet, dass die bestattete Frau mehrfarbige Schuhe getragen hat. Adler- und Habichtfedern verzierten vermutlich die Ärmel und Schuhe eines jungen Mannes in einem anderen Grab. Das Gefieder von Wasservögeln verarbeiteten die Steinzeit-Skandinavier möglicherweise sogar zu Mänteln.

Die künstlerische Rekonstruktion von Tom Björklund vermittelt einen Eindruck von der steinzeitlichen Mode. Dabei legt der mehrfach ausgezeichnete finnische Künstler nahe, dass die Menschen die Kleidung auch vor ihrem Tod nutzten. Der Mann trägt eine Kopfbedeckung aus Raubtierfell und einen mit langen Federn verzierten Mantel. Bei der Hautfarbe orientierte sich Björklund an dem dunklen Hautton, den Genuntersuchungen für die mittelsteinzeitlichen Jäger-und-Sammler-Kulturen Nordeuropas ergeben haben.

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