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Evolution: Überraschend friedliche Urzeit-Riesen

Die ältesten Jäger der Welt hatten riesige, aber überraschend harmlose Nachkommen mit einem ganz eigenen Lebensentwurf.
Ein Blauwal der Urzeit

Ein Blauwal der Urzeit

Die älteste Tiergruppe mit eigenem Zoologen-Fanclub heißt "Anomalocarididen" und ist wirklich ziemlich spannend: Die kopflosen, längst ausgestorbenen, einst meterlangen Riesen aus der Ozeanwelt des Kambriums vor gut 520 Millionen waren die wohl ersten wirklich großen Jäger der Erde und – so bisher die Legende der Experten – schnappten sich ihre Beute mit bizarren dornenbewehrten Fangzangen. Das allerdings traf durchaus nicht auf alle zu, meint nun ein Forscherteam, nachdem es ein Fossilexemplar aus Marokko untersucht und rekonstruiert hat: Ihr einst zwei Meter langer Meerwasser-Filtrierer Aegirocassis benmoulae hat sich als später Vertreter der Gruppe eher wie ein Blau- denn wie ein Killerwal ernährt und pflügte für seine Zeit zwar imposant, aber durchaus friedfertig durchs Wasser, wobei er höchstens für Tonnen von Plankton zur Gefahr wurde. Immerhin schaffte er es so, eines der bis dato größten bekannten Gliedertiere aller Zeiten zu werden.

A. benmoulae lebte vor rund 443 bis 485 Millionen Jahren im Ordovizium und war ein später Verwandter der berühmten Anomalocarididen aus dem älteren Kambrium. Über die Verwandtschaft der Tiergruppe hatten sich Forscher schon seit Langem gestritten. Man vermutet auf Grund des Aufbaus von Anhängen und der Körpergliederung, dass sie wohl eine frühe Seitenlinie der heutigen Gliedertiere waren uns somit eine Art Urkrebs, -insekt und -spinne; zumindest aber vielleicht die Ahnform der heute im tropischen Regenwald heimischen Stummelfüßer. Was zwischen Kambrium und den modernen Gliedertieren in der Evolution genau geschah, ist aber durch Übergangsformen kaum belegt.

Immerhin scheinen sich einige Anomalocarididen-Linien zwischen Kambrium und Ordovizium entwickelt zu haben, wie der große Filtrierer nun zeigt: Das Wesen besitzt vor allem auffällige lappenartige Anhänge an der Unterseite der Körpersegmente wie die frühen Stummelfüßerahnen der Lobopoden. Allerdings hatten die Ordovizium-Tiere diese offenbar auch zum Teil zu ganz eigenen reusenartigen Werkzeugen umgebaut, mit denen sie das Wasser nach Nahrung durchsiebten. Da die Tiere aber immerhin zwei Meter lang wurden, bedeutet dies auch, dass im Ordovizum bereits große Schwärme von Plankton als Nahrung für die Filtrierer im Ozean trieben.

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