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Wiederentdecktes Gemälde: Ein echter Rembrandt

In Amsterdam haben Experten ein Gemälde als tatsächliches Werk von Rembrandt identifiziert: »Zacharias im Tempel«. Das Bild hatte 65 Jahre lang niemand zu Gesicht bekommen.
Ein Gemälde zeigt eine reich gekleidete Person, die ein großes Buch oder Manuskript in den Händen hält. Die Person steht in einem dunklen Raum, der von einem warmen Licht erhellt wird, das die Details der Kleidung und des Buchs hervorhebt. Auf einem Tisch neben der Person befinden sich ein Krug und ein Stab. Die Szene vermittelt eine Atmosphäre von Weisheit und Erhabenheit.

»Zacharias im Tempel«

Rembrandt van Rijn war einer der gefeierten Maler des niederländischen Barocks – des Goldenen Zeitalters im 17. Jahrhundert. Dem Künstler, der heute unter seinem Vornamen weltbekannt ist, konnten Experten des Rijksmuseum in Amsterdam ein Werk zuschreiben, das Kunsthistoriker dem Maler 1960 eigentlich aberkannt hatten: das Bild »Zacharias im Tempel«.

Seit ein privater Sammler das Gemälde 1961 erworben hatte, war über dessen Verbleib nichts mehr bekannt geworden. Bis sein heutiger Besitzer es dem Museum zur Untersuchung überließ, wo es zwei Jahre lang erforscht wurde.

Wie die Amsterdamer Fachleute mithilfe einer Röntgenmethode feststellten, entsprechen die im Bild verwendeten Farben, die Maltechnik und die Abfolge der Malschichten anderen frühen Arbeiten Rembrandts. Neben seiner Signatur (kaum sichtbar ganz rechts unten) hatte der Barockkünstler das Entstehungsjahr 1633 aufgemalt. Damals war Rembrandt 27 Jahre alt und stand am Anfang seiner Karriere, die er in seiner Heimatstadt Leiden begonnen und ab 1631 in Amsterdam fortgesetzt hatte. Stilistisch passt das Werk in diese frühe Schaffenszeit des Künstlers. Zudem bestätigte eine dendrochronologische Untersuchung der bemalten Eichenholztafel das Entstehungsdatum. Auch sonst habe Rembrandt Tafeln ähnlicher Konstruktionsweise und mit ähnlichen Maßen verwendet.

Das Gemälde zeigt die Verkündigung an Zacharias aus dem Lukasevangelium (1, 8–20): Der Priester Zacharias bringt im Tempel zu Jerusalem ein Rauchopfer dar, als ihn plötzlich der Erzengel Gabriel aufsucht und verkündet, dass er und seine Frau trotz ihres hohen Alters noch Nachwuchs haben werden. Ihr Sohn solle kein Geringerer als der spätere Johannes der Täufer sein.

In Rembrandts Bild ist der Engel als Lichtschein in der oberen rechten Ecke wiedergegeben, heißt es in einem Bericht des Rijksmuseum. Damit habe der Maler ein bekanntes Motiv auf neue Weise erzählt. Zacharias selbst schaut im Bild ziemlich überrascht – »als Zacharias [den Engel] sah, erschrak er und es befiel ihn Furcht«, steht in der entsprechenden Bibelstelle. Rembrandt nutzte gerade solche Wendepunkte, »staetveranderinge« genannt, häufig als erzählerisches Mittel.

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