Gute Frage: Wirken Triggerwarnungen?

»Triggerwarnung: Der folgende Inhalt könnte belastend sein.« Solche Hinweise stehen oft am Anfang von Filmen oder Artikeln. Sie sollen Menschen, vor allem jene mit traumatischen Erfahrungen, auf Themen vorbereiten, die verstören können – Gewalt, Krieg, Missbrauch, Suizid. Die Idee dahinter: Wer vorgewarnt ist, kann sich innerlich wappnen oder bewusst dagegen entscheiden, den Beitrag anzusehen.
Das klingt logisch. Doch es gibt keine Belege dafür, dass das auch funktioniert. Aus einer Metaanalyse eines Teams um Victoria Bridgland von der Flinders University in Australien geht hervor: Menschen fühlten sich beim Anschauen gewaltvoller Inhalte mit oder ohne Ankündigung unterm Strich gleich stark emotional belastet – obwohl viele von ihnen traumatische Erfahrungen gemacht hatten. Auch führten die Warnungen nicht dazu, dass die Testpersonen die Inhalte häufiger mieden.
In einigen Fällen passierte sogar das Gegenteil: Mit Warnhinweis schauten sich die Teilnehmenden die Inhalte eher an. Eine mögliche Erklärung ist der »Verbotene-Frucht-Effekt«: Kündigt man etwas als schockierend an, macht es das erst recht interessant. Sind Triggerwarnungen also nicht nur wirkungslos, sondern sogar schädlich, ja gefährlich?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Triggerwarnungen genießen eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz, weshalb viele Menschen ihren Einsatz in verschiedenen Bereichen fordern, zum Beispiel in den sozialen Medien oder in Bildungseinrichtungen. Doch mit ihrer wachsenden Verbreitung fallen die Hinweise zunehmend unterschiedlich aus. So weisen manche nur darauf hin, dass die nachfolgenden Inhalte belastend sein können – ohne zu spezifizieren, worum es überhaupt geht. Andere benennen konkret, was gezeigt wird und welche Reaktionen vorkommen könnten. Ob das einen Unterschied macht, haben wir selbst in einem Experiment untersucht.
In unserer Studie schauten sich 143 psychisch gesunde Teilnehmende einen zwölfminütigen Film an, der physische und sexualisierte Gewalt zeigte. Darauf bereiteten wir sie auf unterschiedliche Weisen vor: Eine Gruppe erhielt lediglich einen Altersfreigabehinweis: ab 18 Jahre. Eine zweite bekam eine vage Warnung (»Triggerwarnung: Das Video, das Sie gleich sehen werden, enthält verstörende Inhalte, die belastend wirken können«). Eine dritte Gruppe bekam detaillierte Informationen zu den Szenen und möglichen Reaktionen darauf. Die meisten Teilnehmenden bewerteten die Triggerwarnungen als positiv – egal, wie sie formuliert waren. Doch wie in früheren Studien reagierten Personen aus allen drei Gruppen ähnlich auf die Szenen: Im Endeffekt waren sie gleichermaßen verängstigt, nervös oder angespannt.
Unerwünschte Erinnerungen
In einer Hinsicht spielte die Art der Warnung durchaus eine wichtige Rolle. Personen, die den vagen Hinweis erhalten hatten, trauten sich nach dem Film weniger zu, mit den Eindrücken umgehen zu können. Verglichen mit Teilnehmenden, die genaue Informationen oder den Altersfreigabehinweis erhalten hatten, litten sie in den darauffolgenden Tagen häufiger an ungewollten Erinnerungen an die Szenen, auch intrusive Gedanken genannt. Offenbar können vage Triggerwarnungen unangenehmes Erleben sogar noch verstärken.
Um zu verstehen, wie die Ankündigungen wirken, reicht es also nicht, nur die unmittelbaren emotionalen Reaktionen auf gewalthaltige Szenen im Blick zu haben. Wichtig ist auch, wie solche Hinweise Erwartungen formen und wie Menschen Situationen dadurch einordnen.
Vage Warnungen kündigen eine Bedrohung an, ohne zu verraten, worin sie genau besteht. Gerade diese Ungewissheit könnte Menschen besonders wachsam machen: Sie achten stärker auf mögliche Gefahrenreize und erinnern sich später womöglich besser an das Gesehene. Klare Informationen hingegen schaffen Orientierung – und könnten deshalb den gegenteiligen Effekt haben.
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