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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Allium-Arten

Allium-Arten

Fam.: Alliaceae (früher Liliaceae).

Allium ascalonicum Strand (syn. Allium cepa var. aggregatum, A. cepa var. ascalonicum, A. cepa var. multiplicans, A. cepa var. solanina, Porrum ascalonicum); Schalotte (syn. Aschlauch, Charlotte, Eschlauch, Eßlauch, Levante-Lauch, Schalottlauch, Schlotte, Schlutte, Syrische Zwiebel, Askalonische Zwiebel).
Heim.: Mittelmeergebiet, Vorderasien, Orient, heute in ganz Europa angebaut.
Droge: Allii ascalonici bulbus, verwendet wird die frische Zwiebel. Inh.: s. Allium cepa. Anw.: in der Volksheilkunde bei Verdauungsbeschwerden, als Küchengewürz für Saucen und Salate bzw. als Pickles eingelegt.

Allium cepa L. (syn. Allium esculentum, Cepa esculenta, Cepa vulgaris, Kepa esculenta, Porrum cepa); Zwiebel (syn. Bolle, Hauszwiebel, Küchenzwiebel, Sommerzwiebel, Speisezwiebel, Zipolle, Zippel).
Vork.: weltweit in zahlreichen Varietäten kultiviert, beheimatet in Mittelasien.
Droge: Allii cepae bulbus (syn. Bulbus Allii cepae, Bulbus Cepae). Inh.: Alkylcysteinsulfoxide (Alliin und seine Derivate, u.a. Cycloalliin, Cepaen), γ-Glutamylpeptide (schwefelhaltige und -freie), Zwiebel-Alliinase (ein Enzym, das aus Vorstufen die tränenreizende Verbindung (Z)-Thiopropanal-S-oxid bildet), Flavonoide, Phenole, Vitamine, Kohlenhydrate, wasserdampfflüchtige Bestandteile (äther. Zwiebelöl). Anw.: bei Appetitlosigkeit, zur Prophylaxe von altersbedingten Gefäßveränderungen. In der Volksheilkunde wird Zwiebelsaft (Sirupus Cepae) innerlich erfolgreich zur Behandlung von Husten, Keuchhusten, Bronchitis und Asthma sowie zur Anregung der Verdauung eingesetzt. Auch zur Therapie bei Wurmbefall, zur Einleitung der Menstruation, bei Bluthochdruck und Arteriosklerose und unterstützend bei Diabetes kommt die Droge zum Einsatz. Äußerlich verwendet man die Droge bei Insektenstichen, Wunden, Furunkeln und zur Nachbehandlung von Blutergüssen. Außerdem wird die Zwiebel weltweit als Nahrungsmittel, Gewürz oder Gemüse eingesetzt.
Hom.: 1. Allium cepa HAB1, die frische Zwiebelknolle. Anw.-Geb.: aktuter Schnupfen, Entzündungen der Luftwege, Blähungskoliken, Neuralgien, Phantomschmerz. 2. Allium cepa ferm. 34a HAB1, die reifen, frischen Zwiebeln. Anw.-Geb.: anthroposophische Therapierichtung.

Allium chinense G.Don. (syn. Allium bakeri,. A. exsertum, A. rakk'joo, A. splendens, A. triquetum, Caloscordum exsertum).
Vork.: China, Japan, Kalifornien.
Droge: Allii chinensis bulbus. Inh.: s. Allium cepa, außerdem Phenolcarbonsäuren, Chinenosid (Furostanglykosid). Anw.: in der traditionellen chinesischen Medizin wie Allium sativum, im Haushalt zur Herstellung von Pickles.

Allium porrum L. (syn. Allium ampeloprasum, A. laetum, A. porrum var. maximum, Porrum commune, Porrum sativum, Porrum sectile); Porree (syn. Breitlauch, Lauch, Spanischer Lauch, Suppenlauch, Welschlauch, Winterlauch).
Droge: Allium-porrum-Ganzpflanze. Inh.: ähnlich wie bei anderen Allium-Arten. Anw.: in der Volksheilkunde bei Wurmbefall sowie im Haushalt als Gemüse, Suppengewürz und für Salate.

Allium sativum L. (syn. Porrum sativum); Knoblauch (syn. Gartenknoblauch, Knobloch, Knopfel).
Vork.: weltweit kultiviert.
Drogen: 1. Allii sativi aetheroleum (syn. Oleum Allii sativi); Ätherisches Knoblauchöl (syn. Knoblauchdestillat, Knoblauchöldestillat). Inh.: wasserdampfflüchtige Umsetzungsprodukte des Alliins (homologe Di-, Tri- und Oligosulfide), Limonen und andere nicht definierte Stoffe. Anw.: zur unterstützenden Therapie bei erhöhten Blutfettwerten und Prophylaxe der Arteriosklerose. 2. Allii sativi bulbus (syn. Bulbus Allii sativi); Knoblauchzwiebel, vgl. Abbildung. Inh.: γ-Glutamyl-S-alkylcysteine (0,5-1 %), S-Alkyl-L-cysteinsulfoxide (z.B. Alliin, mind. 0,3 %), Alliinase (ein Enzym, das verantwortlich ist für die Bildung von Allicin, Di- und Oligosulfide, Ajoene, Vinyldithiine), Allithiamin, Adenosin, Aminosäuren, Fructane, Flavonoide und äther. Öl. vgl. Formel Wirk.: antibakteriell, antimykotisch, lipidsenkend, Hemmung der Plättchenaggregation, Verlängerung der Blutungs- und Gerinnungszeit, Steigerung der Fibrinolyse, antiviral, lokal reizend. Anw.: zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei erhöhten Blutfettwerten und zur Prophylaxe altersbedingter Gefäßveränderungen. In der Volksheilkunde wird die Droge bei Arteriosklerose, Hypertonie, Erkrankungen des Respirationstraktes und Magen-Darm-Kanals (Verdauungsbeschwerden, Koliken), als Wurmmittel (Oxyuren) und klimakterischen Schmerzen eingesetzt. Auch zur Unterstützung bei Diabetes und als Tonikum kommt die Droge zur Anwendung. Äußerlich wird sie bei Hühneraugen, Warzen, Schwielen, Haarflechten, Ohrenentzündung, Muskelschmerzen, Neuralgien und Rheuma verwendet. Außerdem ist die Knoblauchzwiebel weltweit ein beliebtes Küchengewürz. 3. Allii sativi bulbus siccatus; Getrocknete Knoblauchzwiebel (als Pulverdroge). Inh.: s. Allii sativi bulbus, ohne äther. Öl. Alliingehalt mind. 1 %. Wirk. und Anw.: s. Allii sativi bulbus.
Hom.: Allium sativum HAB1, die frische Zwiebel. Anw.-Geb.: Entzündungen der unteren Luftwege, Verdauungsstörungen, Muskelrheumatismus im Lendenbereich.



Allium sativum, Allii sativi bulbus, Knoblauchzwiebel



Allium-Arten. Das in der Droge vorliegende Alliin wird nach der Zerstörung von Zellen durch die Alliinase (Alliin Lyase) zunächst hydrolytisch in Brenztraubensäure und Allylsulfensäure gespalten, letztere wird dann zu Allicin umgewandelt. Daraus können weiterhin Diallylsulfid und Ajoen gebildet werden.

Allium schoenoprasum L. (syn. Allium tenuifolium, Cepa schoenoprasum, Porrum schoenoprasum, Schoenoprasum vulgare); Schnittlauch (syn. Binsenlauch, Graslauch, Pankokenkraut, Preseloak, Prieslauch, Schnittling, Schnittzwiebel, Suppenkraut, Suppenlauch).
Heim.: Mittelmeergebiet, in Eurasien und Nordamerika kultiviert.
Droge: Allium-schoenoprasum-Blätter; Schnittlauchblätter. Inh.: γ-Glutamylpeptide (nichtflüchtige, schwefelhaltige Verbindungen.), verschiedene Alkylsulfide und weitere noch nicht definierte Stoffe. Anw.: in der Volksheilkunde bei Wurmbefall. Die Droge wird als Küchengemüse und -gewürz, bes. im Frühjahr genutzt.

Allium tuberosum Rottler ex Spreng. (syn. Allium angulosum, A. argyi, A. chinense, A. Clarkei, A. odorum, A. roxburghii, A. senescens, A. sinicum, A. tuberosum, A. uliginosum, A. yesoense). Anw.: s. A. ursinum.

Allium ursinum L. (syn. Allium latifolium, A. nemorale, Ophioscorodon ursinum); Bärlauch (syn. Bärenlauch, Ramsell, Waldknoblauch, Waldlauch, Wilder Knoblauch, Zigeunerlauch).
Vork.: Nord- und Mitteleuropa.
Drogen: 1. Allii ursini bulbus (syn. Bulbus Allii ursini). Bärlauchzwiebel. Inh.: abhängig von der Verarbeitungsweise, u.a. Cysteinsulfoxide (z.B. Alliin), Thiosulfinate, Dithiine und Ajoen, wasserdampfflüchtige Bestandteile (ca. 12 % in der frischen Droge) und freie Aminosäuren. Anw.: In der Volksheilkunde wird die Droge roh gegessen oder der Preßsaft bei Arteriosklerose sowie Hypertonie angewendet. Außerdem dient die Droge als Gewürz. 2. Allii ursini herba (syn. Herba Allii ursini); Bärlauchkraut (syn. Zigeunerlauchkraut). Inh.: s. Allii ursini bulbus. Anw.: in der Volksheilkunde ähnlich wie Allium sativum bei Verdauungsbeschwerden, gegen Arteriosklerose und bei Hypertonie. Äußerlich bei Hautausschlägen.
Hom.: Allium ursinum HAB1, die ganzen, frischen, zu Beginn der Blütezeit gesammelten Pflanzen. Anw.-Geb.: Verdauungsschwäche.

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