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Lexikon der Neurowissenschaft: Bienensprache

Bienensprache w, Bienentanz, E bee language, vor allem von K. von Frisch untersuchter Verständigungsmechanismus der Honigbienen (Apis mellifera), durch den erfolgreiche Sammelbienen die Information über Richtung, Entfernung und Ergiebigkeit einer Futterquelle an andere Sammlerinnen weitergeben. Die Bienensprache stellt eine echte Symbolsprache (Tanzsprache) dar, deren Begriffe allerdings im Gegensatz zur menschlichen Symbolsprache (Sprache), die erlernt werden muß, durch angeborene Verknüpfungen festgelegt und verstanden werden ( siehe Zusatzinfo , siehe Abb. ). Kompaßorientierung.

Bienensprache

Elemente der Bienensprache:
Liegt die Futterquelle weniger als 100 m vom Bienenstock entfernt, macht die Sammlerin durch einen Rundtanz auf sie aufmerksam, der keinen Richtungshinweis übermittelt. Weiter entfernt liegende Trachtquellen werden durch den Schwänzeltanz signalisiert: hierbei drückt die Tanzgeschwindigkeit die Entfernung aus (je weiter die Futterquelle entfernt ist, desto langsamer ist der Tanz). Die Richtung wird durch die Ausrichtung der geraden, durch Schwänzeln betonten Tanzstrecke symbolisiert. Tanzt die Sammlerin auf dem waagrechten Anflugbrett, dann zeigt die Schwänzelstrecke direkt auf den Futterplatz. Fast immer wird aber auf der senkrecht stehenden Wabe im dunklen Stock getanzt. Dort wird die Schwerkraft benutzt, um die Richtung der Futterquelle im Verhältnis zur Position der Sonne auszudrücken: die Senkrechte nach unten gibt die Richtung zur Sonne an. Der Winkel der Schwänzelstrecke zu dieser Senkrechten gibt den Winkel zwischen Sonne und Futterplatz wieder. Die nachfolgenden Bienen können die Tanzrichtung mit Hilfe von Sinneshaaren, Schweresinn und Fühlerstellung registrieren und beim Ausflug aus dem Stock in den richtigen Winkel zur Sonne umsetzen. Der Sonnenstand kann von den Bienen auch bei Bewölkung bestimmt werden, da ihr Facettenauge (Komplexauge) die Polarisationsmuster des Sonnenlichts am Himmel wahrnehmen kann (Polarisationssehen). Die Polarisationsmuster hängen spezifisch vom Sonnenstand ab; daher kann die Biene aus ihrer Wahrnehmung den augenblicklichen Sonnenstand erschließen. Auch eine Mitwirkung des Erdmagnetfeldes als Orientierungshilfe (magnetischer Sinn) ist zweifelsfrei nachgewiesen worden. Neuerdings konnte festgestellt werden, daß während des Tanzes auch spezifische Vibrationssignale von der Tänzerin über die Waben abgegeben werden. Ihre Funktion wurde jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die Art der Tracht wird durch anhaftende Duftstoffe übermittelt, die die der Tänzerin nachfolgenden Bienen aufnehmen. Die Ergiebigkeit der Tracht drückt sich in der Intensität und Ausdauer beim Tanzen aus. Auch beim Schwärmen wird die Richtung der neuen Behausung von den Kundschafterbienen durch Tanzen auf der Schwarmoberfläche angegeben. In der Evolution ist dieses hochkomplexe Kommunikationssystem wahrscheinlich deshalb entstanden, weil zur Trachtzeit die Konkurrenz der Blütenbesucher um die Futterquellen sehr stark ist. Da ein Bienenvolk auf große Vorräte angewiesen ist, muß für jede ergiebige Futterquelle möglichst schnell die notwendige Zahl von Sammlerinnen rekrutiert werden. Die Bienensprache stellt also ein Instrument dar, um das Verhältnis von Sammelausbeute und Energieaufwand (beim Suchflug) zu optimieren.



Bienensprache

1 Bewegungsmuster in a Rundtanz, b Schwänzeltanz. 2 Informationsweitergabe durch akustische Signale; die Tänzerin (links) erzeugt durch Vibration der Flügel Tanzlaute, die von den Nestgenossinnen mit den Antennen wahrgenommen werden; diese erzeugen Vibrationen der Waben, mit denen sie die Tänzerin stoppen können. 3 Entfernungsweisung. 4 Richtungsweisung bei verschiedenem Stand von Futterplatz und Sonne.

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