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Lexikon der Psychologie: Alterssexualität

Alterssexualität, Sexualität im Alter, lange Zeit tabuisiertes Thema bzw. vorherrschende Annahme vom "geschlechtslosen Alter". Bis vor kurzem hat man in unserer Gesellschaft alten Menschen Sexualität nicht zugestanden. Wenn alte Menschen in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschten, wurde dies von der Mehrheit der Bevölkerung als abweichendes Verhalten betrachtet, das den geltenden Normen widersprach. Denn, so die Stereotype zur Sexualität im Alter: Sexualität sei ein Vorrecht der Jugend, alte Menschen messen der Sexualität keine Bedeutung mehr bei, Sexualität nehme mit zunehmendem Alter stark ab. Derart ungeprüfte Annahmen fanden sich auch in wissenschaftlichen Abhandlungen in den 60er Jahren, daß nämlich "der Sexualtrieb und die sexuelle Potenz des Mannes im allgemeinen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr erlöscht". Auch heute, 30 Jahre später, sind solche Auffassungen weit verbreitet. Gravierende Folgen der angenommenen "Geschlechtslosigkeit" alter Menschen zeigen sich gerade auch in Altenheimen, die auf sexuelle Bedürfnisse ihrer Bewohner nicht eingerichtet sind (Alters- und Pflegeheime).
Befragungen (z.B. Duke-Längsschnittstudie, an der Duke-Universität in den USA durchgeführt) zeigen jedoch, daß noch ein Drittel bis ein Viertel der Befragten vom siebten bis achten Lebensjahrzehnt sexuell aktiv sein dürften, wobei die Häufigkeit des Verkehrs von monatlich bis wöchentlich schwankt ( Abb. ). Verheiratete Frauen blieben wesentlich aktiver als alleinstehende Frauen, Männer gaben den Geschlechtsverkehr häufiger aus Potenz- oder Libidioverlust auf, Frauen häufiger als Folge des Partnerverlustes. Deutsche Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Wie die Forschung zeigen konnte, sind durch das Älterwerden die normalen sexuellen Reaktionen im Prinzip unverändert, sie laufen allerdings etwas langsamer ab als in der Jugendzeit. Physiologische Veränderungen der Geschlechtsorgane stellen sich erst im Verlauf von vielen Jahren ein, die sexuelle Reaktionsfähigkeit als solche wird allein durch Alterungsprozesse in geringem Maße beeinflußt. Körperliche Gesundheit vorausgesetzt, ist ein befriedigendes Sexualleben für Frauen bis ins höchste Alter möglich. Auch Männer brauchen mit fortschreitendem Alter ihre sexuellen Aktivitäten nicht aufzugeben. Zwar sind ihre Reaktionen verlangsamt, vor allem dauert es länger, bis eine Erektion erfolgt, die außerdem weniger stark sein kann als früher. Dafür hält die Erektion länger an, da der Drang zur Ejakulation weniger stark ist. Die Rückbildung der Erektion verläuft schneller, und die Refraktärperiode dauert länger.

Literatur
Howe, J. (1988). Sexualität im Alter. In J. Howe u.a. (Hrsg.), Lehrbuch der psychologischen und sozialen Alternswissenschaft. Bd.1: Grundlagen. Heidelberg: Asanger.



Abb. Alterssexualität: Sexuelles Verhalten im höheren Erwachsenenalter nach Ergebnissen der Duke-Längsschnittstudie mit anfänglich 215 Personen.

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  • Die Autoren
Gerd Wenninger

Die konzeptionelle Entwicklung und rasche Umsetzung sowie die optimale Zusammenarbeit mit den Autoren sind das Ergebnis von 20 Jahren herausgeberischer Tätigkeit des Projektleiters. Gerd Wenninger ist Mitherausgeber des seit 1980 führenden Handwörterbuch der Psychologie, des Handbuch der Medienpsychologie, des Handbuch Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz sowie Herausgeber der deutschen Ausgabe des Handbuch der Psychotherapie. Er ist Privatdozent an der Technischen Universität München, mit Schwerpunkt bei Lehre und Forschung im Bereich Umwelt- und Sicherheitspsychologie. Darüber hinaus arbeitet er freiberuflich als Unternehmensberater und Moderationstrainer.

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