Orientierung am Himmel: Per Smartphone zu den Sternen: Drei Apps, die Sie kennen sollten

Das Interesse am Sternenhimmel mit seiner Unmenge rätselhafter Lichtpünktchen ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Man gab den Himmelslichtern Namen, ordnete sie zu Sternbildern und studierte ihre zum Teil komplizierten Bewegungen. Bis auf den heutigen Tag ist die Faszination für den Kosmos ungebrochen. Durch Entdeckungen mit modernen Großteleskopen, die bis zu den Anfängen des Universums vordringen und Bilder von Raumsonden, die unseren Mond und die Planeten vor Ort erkunden, gewinnt die Astronomie weiter an Popularität. Dennoch stellt man fest, dass nur ein kleiner Teil der Menschheit in der Lage ist, Sternbilder oder helle Planeten am Himmel zu identifizieren. Selbst alte Hasen geraten in Erklärungsnot, wenn sie den Himmel der südlichen Hemisphäre zum ersten Mal in Augenschein nehmen oder aufgrund von Wolken nur wenige Sterne sehen können.
Praktische Hilfsmittel für die Orientierung am Himmel existieren schon lange: Die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit wie auch die Entwicklung moderner Smartphone-Apps belegen ein kontinuierliches Interesse der Menschheit über Jahrtausende hinweg. In zurückliegenden Jahrhunderten entstanden Himmelsgloben, präzise Atlanten und handliche drehbare Sternkarten, die Orientierung am Himmel boten. Doch in welchem Sternbild ein Planet derzeit steht, lässt sich auch mit diesen Hilfsmitteln ohne den Gebrauch zusätzlicher Tabellenwerke, sogenannter Ephemeriden, nicht ermitteln.
Spätestens während einer Reise in den Süden wird eine drehbare Sternkarte, die für die geografische Breite von Frankfurt am Main gültig sein mag, unbrauchbar, weil nicht alle von ihr angezeigten Sternbilder unseres nördlichen Himmels am Urlaubsort über den Horizont gelangen. Und während Sternbilder im Jahresrhythmus am Himmel wiederkehren, gilt das für die Planeten nicht: Sie bewegen sich im Tierkreis ständig weiter, sodass es kaum sinnvoll wäre, ihre Positionen in eine Himmelskarte einzutragen. Astronomische Jahrbücher geben hierzu genaue Auskunft, müssen aber für jedes Jahr neu erworben werden.
Heute verfügen wir über hervorragende technische Möglichkeiten, um uns am Himmel zu orientieren: Geht es um das schnelle und einfache Erkennen von Sternen, Sternbildern, Planeten, Kometen, Deep-Sky-Objekten, Satelliten und anderen Objekten, sind Planetariums-Apps nützlich, die sich auf einem Smartphone oder Tablet installieren lassen. Solche Apps können den Anblick des Sternenhimmels für jeden Ort der Erde und jeden beliebigen Zeitpunkt anschaulich darstellen, ähnlich wie ein Planetarium (siehe »Der Himmel digital«). Manche dieser Apps sind kostenlos, für andere wird ein einmaliger Kaufpreis oder ein monatlicher Betrag fällig. Zuweilen sind Apps auch in verschiedenen Leistungsstufen erhältlich, beispielsweise in einer kostenlosen Basisvariante und einer käuflichen Version mit vollem Funktionsumfang. So wird Ihr Smartphone zu einem Planetarium für die Hosentasche. Ein Smartphone kann nicht nur damit punkten, dass es das aktuelle Datum, die Uhrzeit und die geografische Lage des Beobachtungsortes kennt; mithilfe der GPS-Ortung – sofern entsprechende Sensoren eingebaut sind – erkennt das Gerät sogar seine aktuelle Ausrichtung und Neigung. Hierbei kommen mitunter ausgefeilte Techniken zum Einsatz.
Erweiterte Sicht
Grundsätzlich können Apps die Neigung und Ausrichtung des Smartphones oder Tablets erkennen, wenn das Gerät über entsprechende Sensoren (Kompass/Neigung) verfügt. Dann lässt sich das Mobilgerät an jede beliebige Stelle des Himmels halten, und die App zeigt automatisch jene Sternbilder an, auf die das Gerät gerichtet wurde. Das funktioniert umso besser, je leistungsfähiger und je präziser kalibriert die eingebauten Sensoren sind. Auch gezielte Suchen nach Himmelsobjekten sind möglich: Möchten Sie beispielsweise den Planeten Saturn aufsuchen, zeigt Ihnen das Mobilgerät mit Pfeilen die Richtung an, in die Sie es bewegen müssen, um den Ringplaneten am Himmel zu finden.
Eine Funktion, über die heute viele Apps verfügen, wird als Augmented Reality (AR) bezeichnet (wörtlich übersetzt: erweiterte Realität). Hierbei wird die eingebaute Kamera verwendet, um auf dem Display ein Livebild zu erzeugen. Die App überlagert dieses Livebild mit beliebigen Informationen, etwa Sternbildlinien oder Bezeichnungen von Sternen und Planeten, sodass diese unmittelbar identifiziert werden können (siehe »Verbesserte Wirklichkeit«). Was verlockend gut klingt, zeigt in der Praxis mitunter Schwächen. Einerseits ist das Livebild einer nächtlichen Szene oft sehr dunkel, was dazu führt, dass allenfalls der Mond und die hellsten Planeten und Sterne sichtbar sind; andererseits sind die Präzision der Kompass- und Lagesensoren sowie deren Kalibrierung bei vielen Mobilgeräten nicht hinreichend genau, um eine deckungsgleiche Überlagerung der grafischen Einblendung zu ermöglichen.
Von der Augmented Reality unterscheidet sich das sogenannte Plate Solving: Ein von der Kamera aufgenommenes Foto wird analysiert, um die darauf abgebildeten Objekte automatisch zu identifizieren. Eine auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software liest aus den Kameradaten den erfassten Bildwinkel aus und vergleicht das aufgenommene Sternenmuster mit gespeicherten Sternkarten. Dazu ist keine aktive Internetverbindung nötig. Für das Betriebssystem Android wird beispielsweise die App SkEye Cam angeboten, die Sternbilder erkennt und dabei auf abgespeicherte Fotos zurückgreifen kann. Auch das Livebild der Kamera lässt sich durch diese kostenlose App »platesolven« (siehe »Durchblick mit KI«). Ebenfalls für Android ist die kostenfreie App FinderCam verfügbar, die zumindest Liveansichten der Kamera auswerten kann.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Anwendung des Plate Solving ist die StarSense-Technologie von Celestron: Das Smartphone wird in eine Halterung eingespannt, die über einen 45-Grad-Spiegel den Anblick des Himmels der Handykamera zugänglich macht. Die Plate-Solving-Software erkennt die sichtbaren Sterne und weiß somit genau, auf welchen Punkt des Himmels das StarSense-Modul ausgerichtet ist. Wurde es parallel zum Teleskop montiert, lassen sich damit beliebige Ziele punktgenau am Himmel ansteuern.
Viele nützliche Apps sind für die beiden weitverbreiteten Betriebssysteme von Smartphones und Tablets erhältlich, nämlich für Android von Google und iOS von Apple. Manche Apps sind nur für eines der beiden Betriebssysteme verfügbar. Die im Folgenden vorgestellten Produkte, die sich in meiner Beobachtungspraxis bewährt haben, werden sowohl für Android als auch für iOS angeboten.
Stellarium Mobile: Die Unkomplizierte
Eine der empfehlenswertesten Planetariums-Apps, sowohl in der Android- als auch in der Apple-Welt, ist Stellarium Mobile (siehe »Im Überblick: Stellarium Mobile«). Die Oberfläche und das Erscheinungsbild der App werden vielen vertraut vorkommen, denn sie ähneln dem unter Amateurastronomen populären Planetariumsprogramm Stellarium, das seit vielen Jahren als Desktopanwendung für Windows, Mac und Linux verfügbar ist.
Im Überblick: Stellarium Mobile
Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften der App Stellarium Mobile und Hinweise auf Bezugsmöglichkeiten.
Funktionen der App: Alle Grundfunktionen, die man von einer solchen App erwartet, erfüllt Stellarium Mobile mit Bravour. Sie nutzt die Ortungsfunktion des Smartphones oder Tablets, um den aktuellen Sternenhimmel zur gegebenen Zeit am jeweiligen Standort anzuzeigen. Selbstverständlich lassen sich auch andere Orte auswählen, entweder aus einer sehr umfangreichen Datenbank, die auch vergleichsweise kleine Städte enthält, oder völlig frei durch die Eingabe von geografischen Breiten- und Längengraden. Das Tippen auf einer kleinen Weltkarte funktioniert ebenfalls, wenn auch sehr ungenau. Datum und Uhrzeit sind frei einstellbar.
Eine Kalenderfunktion listet die Sichtbarkeit des Mondes, der Planeten und Kometen sowie heller Satelliten auf und liefert eine Monatsübersicht kommender Ereignisse, beispielsweise von Meteorströmen oder Begegnungen des Mondes mit Planeten. Die Sternbilder können sowohl durch Linien als auch durch figürliche Darstellungen sichtbar gemacht werden (siehe »Von der Erde an den Himmel«). Nach dem Antippen der Objekte werden Details genannt, etwa Helligkeiten, Entfernungen, Himmelskoordinaten und Winkeldurchmesser.
Was gefällt: Bereits die kostenfreie Basisversion der App ist für den gelegentlichen Gebrauch nützlich und für manche ausreichend. Sie ermöglicht, sich mit der Bedienung vertraut zu machen und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt die kostenpflichtige Plus-Version zu installieren. Die Darstellung des Himmels ist sehr gefällig, beinahe fotorealistisch. Dämmerungsfarben, der Dunst in Horizontnähe sowie die Beeinträchtigung des Nachthimmels durch störendes Fremdlicht werden überzeugend visualisiert, sofern man diese Funktionen nicht ausschaltet. Wählbare Landschaften als Vordergrund steigern den Realismus noch; selbst die Milchstraße wirkt sehr echt. Aktualisierungen hinsichtlich neuer Kometen und Satelliten werden automatisch eingepflegt, wenn das Gerät mit dem Internet verbunden ist. Errechnete Zeitpunkte, etwa für Auf- und Untergänge oder die Kontaktzeiten bei Finsternissen, werden mit sehr hoher Genauigkeit kalkuliert.
In der Plus-Version können fortgeschrittene Anwender und Anwenderinnen Koordinatennetze, den Himmelsäquator, die Ekliptik und den Meridian einblenden, ebenso die Grenzen der Sternbildareale. Während die Basisversion beim Hineinzoomen auf Deep-Sky-Objekte eine nur grobe Darstellung erlaubt, liefert die Plus-Version hochaufgelöste Bilder. Die Plus-Version ermöglicht darüber hinaus das Einblenden von Gesichtsfeldern, seien es frei wählbare Fernrohrbrennweiten, Okulare, Ferngläser oder Kameras (siehe »Werkzeug für Astrofotografen«). Ferner werden fast 1,7 Milliarden Sterne bis zu scheinbaren Helligkeiten von 20 mag und schwächer dargestellt. Somit eignet sich Stellarium Mobile hervorragend als Planungstool für Beobachtungsnächte und Fotosessions.
Unerfüllte Wünsche: Keine Software, keine App ist in allen Belangen perfekt. So fehlt mir bei Stellarium Mobile, auch in der Plus-Version, die Benennung der Details auf der Mondoberfläche. Obwohl diese in erstaunlich hoher Auflösung angezeigt wird, erscheinen die Namen für Mare und Krater nur für einige wenige Strukturen in einer wählbaren 3D-Darstellung. Hier würde ich mir wünschen, dass man beispielsweise Krater antippen kann und dann Informationen dazu erhält. Auch ein Modul mit einer Übersicht, wann und wo auf der Erde Sonnen- und Mondfinsternisse stattfinden, vermisse ich. Bei der Auswahl von Kameras werden nur Fotokameras und keine spezialisierten Astrokameras angeboten. Letztere lassen sich jedoch manuell hinzufügen.
Möchte man numerische Werte verändern, können sie nicht einfach über eine eingeblendete Tastatur eingetippt werden, sondern müssen mühsam mit Schiebereglern oder Pfeiltasten justiert werden. Weiterhin bedauere ich, dass in früheren Versionen von Stellarium Mobile Sternbildlinien, Koordinatennetze und Bahnen feiner und edler dargestellt wurden – in aktuellen Versionen wirken sie hingegen etwas aufdringlich (siehe »Früher und heute«). Die beste Lösung hierfür wäre, wenn sich die Art der Darstellung konfigurieren ließe. Zu guter Letzt habe ich den Eindruck, dass Stellarium Mobile den Geräteakku zu stark beansprucht.
Fazit: Bei mir sind mehrere Mobilgeräte im Dauereinsatz, und auf allen ist Stellarium Mobile Plus installiert. Die App ist plattformübergreifend identisch und leicht zu bedienen; sie läuft auch auf älteren Geräten flüssig und schnell, ohne mit Funktionen überfrachtet zu sein. Sie liefert Antworten auf meine Alltagsfragen, etwa die Auf- und Untergangszeiten des Mondes oder die Sichtbarkeitschancen für aktuelle Kometen. Zur Vorbereitung auf astrofotografische Einsätze und Fernreisen mit astronomischem Hintergrund möchte ich Stellarium Mobile nicht mehr missen.
SkySafari: Der Allrounder
Eine App mit immensem Leistungsumfang, der über den von Stellarium Mobile hinausgeht, ist SkySafari. Das Produkt wird in drei verschiedenen Leistungsstufen angeboten. Den Einstieg bildete eine sehr kostengünstige Basisversion, die leider inzwischen aus dem Google Play Store verschwunden ist. Im Apple App Store ist sie noch als »SkySafari Astronomie Karte« zu haben. Weiter geht es mit der Plus-Variante, gefolgt von einer Pro-Version. Wer sich für die Standard- oder Plus-Version entscheidet, kann später nicht kostengünstig auf höhere Versionen upgraden (siehe »Im Überblick: SkySafari«). Desktopversionen von SkySafari gibt es nicht.
Im Überblick: SkySafari
Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften der App SkySafari und Hinweise auf Bezugsmöglichkeiten.
Funktionen der App: Mit dem hohen Leistungsumfang der App geht eine komplexere Bedienung einher, mit zahlreichen Menüs und Untermenüs: Es dauert eine Weile, bis man alle Winkel und Ecken der Menüstruktur erforscht hat. Wurde versehentlich eine benötigte Anzeige deaktiviert, ist man mitunter länger beschäftigt, um die Stelle zu finden, wo sich die Anzeige wieder aktivieren lässt. In der größten Not hilft ein Reset auf die Werkseinstellungen. In den aktuellen Versionen von SkySafari ist die simulierte Ansicht des Sternenhimmels zauberhaft schön und realistisch; sie übertrifft jene von Stellarium Mobile sogar noch ein wenig. Behutsam sollte man beim Einschalten zusätzlicher Anzeigen vorgehen: Ein Gradnetz, der Himmelsäquator, die Ekliptik und der Meridian sind für geübte Anwender und Anwenderinnen ja durchaus wichtige Elemente (siehe »Viele Daten auf einen Blick«). Übertreibt man es aber und lässt zusätzlich Sternnamen, Deep-Sky-Objekte, Dunkelwolken und dergleichen darstellen, wird es auf dem Bildschirm eines Smartphones schnell unübersichtlich.
SkySafari erfüllt alle grundlegenden Eigenschaften, die man von einer Planetariums-App erwartet: die Simulation des Himmels für jeden Ort zu jeder Zeit, die präzise Berechnung von Auf- und Untergangszeiten, die Anzeige von Detailinformationen zu angetippten Objekten, von Gesichtsfeldern oder der Stellung der Jupitermonde. Die Intensität der Sternfarben ist einstellbar, was ich sehr begrüße. Sogar die Position eines Sterns im Hertzsprung-Russell-Diagramm lässt sich auf Wunsch grafisch darstellen (siehe »Astrophysik mit SkySafari 7 Pro«). Zu hellen Sternen steht eine Fülle von Informationen als bebilderter Textbeitrag zur Verfügung, sodass kaum Fragen offenbleiben dürften.
Was gefällt: Die Oberflächen von Körpern unseres Sonnensystems werden in hoher Auflösung dargestellt, wobei man Details antippen kann und Informationen hierüber erhält. Dies gilt nicht nur für den Mond, sondern beispielsweise auch für den Mars und den Merkur. Zudem kann die Winkeldistanz zweier Himmelskörper in Grad auf einfache Weise ermittelt werden. Bei der Suche nach Objekten ist nicht nur Standardware im Angebot, sondern auch Doppelsterne, veränderliche Sterne und Asterismen werden angezeigt. Eine Übersicht, was es in einer kommenden Nacht zu sehen gibt, enthält neben den Auf- und Untergangszeiten für Sonne und Mond auch die Uhrzeit, zu der die astronomische Dämmerung beginnt und endet. Diese Liste bietet sogar eine 7-Tage-Vorschau für das zu erwartende Wetter sowie das Seeing und die Lichtverschmutzung – allerdings als Premium-Sonderdienste, für die ein weiterer Obolus (40,99 Euro pro Jahr oder 4,99 Euro pro Monat) fällig wird. Wer den Dienst nicht abonniert, kann die entsprechenden Abschnitte aus der Übersicht zur kommenden Nacht dauerhaft ausblenden.
Unerfüllte Wünsche: Etwas inhomogen ist die Übertragung der App in die deutsche Sprache. Bei den Sternbildnamen wird grundsätzlich auf die lateinische Originalbezeichnung zurückgegriffen, was noch zu verschmerzen ist. Dennoch tauchen plötzlich die deutschen Sternbildnamen »Luchs« und »Bildhauer« auf. Die Beschriftung der Details auf der Mondoberfläche führt bei manchen Zoomstufen dazu, dass der Mond vor lauter Texten nicht mehr zu sehen ist. Tippt man einen Krater an, erscheinen sinnvolle und wichtige Informationen dazu, etwa der Durchmesser und die Person, nach welcher der Krater benannt ist – allerdings in einer Mischung aus deutschen und englischen Wörtern wie »Crater auf Mond«.
Auf Dauer lästig können Töne beim Antippen von Objekten sein, die sich jedoch abschalten lassen. Die Konfiguration von Gesichtsfeldern ist sehr umständlich und mühevoll. Nach der Installation lädt die App große Datenmengen aus dem Internet herunter; daher ist auf einen ausreichend freien Speicher auf dem Mobilgerät zu achten. Möchte man zusätzlich den Sternkatalog des Astrometriesatelliten Gaia mit seinen 90 Millionen Sternen installieren, müssen weitere 1,64 Gigabyte heruntergeladen werden.
Ein absolutes No-Go ist für mich die Grundeinstellung der App, die im Menü »Speicherort« eine Cloud zu Backup-Zwecken vorsieht. Obwohl sich diese Funktion ausschalten lässt, würde ich mir diese Off-Einstellung als vorgewählte Option wünschen. Ein Modul für anstehende Sonnen- und Mondfinsternisse suche ich auch in SkySafari vergeblich.
Dass die Version SkySafari 8 Pro derzeit nur für iOS, nicht aber für Android erhältlich ist und die 7er-Versionen der App für Android zu reduzierten Preisen angeboten werden, ist hoffentlich kein Hinweis darauf, dass es zukünftige Versionen nur noch für iOS geben wird. Wünschenswert wäre, dass auch Android-User sich weiterhin für diese App entscheiden können.
Fazit: SkySafari ist eine tolle, leistungsfähige App. Allerdings kann die Vielfalt der Funktionen bei gelegentlichen Anwendern und Anwenderinnen zu Verdruss führen. Wer die App jedoch regelmäßig benutzt, wird ihre Leistungsfähigkeit sehr zu schätzen wissen. Dass die angebotenen Audiotouren zu den Objekten sowie die Aussprache der Objektnamen nicht ins Deutsche übersetzt wurden, sollte dabei nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Wer Apple- und Androidgeräte parallel verwendet, muss zwar den Kaufpreis für die App doppelt entrichten, hat danach aber ein identisches Produkt auf allen seinen Mobilgeräten.
StarWalk 2: Die Verspielte
Mit StarWalk 2 bietet sich eine dritte Planetariums-App an, die sich sowohl mit Android als auch mit iOS nutzen lässt. Eine kostenlose Version ist unter dem Namen »Star Walk 2 Plus« verfügbar; allerdings erscheinen bei der Benutzung Werbeanzeigen, und der Funktionsumfang ist eingeschränkt. Zum Kennenlernen der App reicht es aber allemal. Das Upgrade auf die werbefreie Version »Star Walk 2 Pro« erfordert einen einmaligen Kaufpreis oder regelmäßige Zahlungen (siehe »Im Überblick: StarWalk 2«).
Im Überblick: StarWalk 2
Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften der App StarWalk 2 und Hinweise auf Bezugsmöglichkeiten.
Funktionen der App: Bereits nach dem ersten Start wird deutlich, dass diese App sich nicht an Astronomieprofis wendet. Eine sphärische Musik erklingt, während der Sternenhimmel angezeigt wird, wobei die Sternbilder nicht nur durch Verbindungslinien dargestellt, sondern auch durch eine figürliche Darstellung hinterlegt werden. Diese gleicht einem dreidimensionalen, aus Kristallglas geschliffenen Objekt, das durch Licht- und Glanzeffekte animiert wird. Um das Display nicht zu überladen, wird stets nur das in der Bildmitte befindliche Sternbild auf diese Weise angezeigt. Funkelnde Sterne, Reflexionen auf einer Wasseroberfläche im Vordergrund und gelegentlich auftauchende Meteore und Satelliten vervollständigen den Eindruck einer sehr lebendigen, aktiven Sternkarte (siehe »Bilder und Sternbilder«).
Man wird geradezu eingeladen, mit Gesten den sichtbaren Himmelsausschnitt zu verschieben oder einzelne Objekte anzutippen, was durch Geräusche in stets wechselnden Tonhöhen quittiert wird. Eine denkbare Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche – aber nicht ausschließlich, denn der erste Eindruck sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass schon in der Basisversion zu vielen angezeigten Objekten eine Datenbank mit umfangreichen Informationen hinterlegt ist. Damit empfiehlt sich StarWalk 2 als interaktive Lern-App.
Für helle Sterne werden beispielsweise alle grundlegenden Fragen beantwortet, etwa, wie weit ein Stern entfernt ist, zu welchem Sternbild und -muster er gehört, wo und wie man ihn findet und wie hell er leuchtet. Auch wissenschaftlich relevante Angaben wie der Spektraltyp, die absolute Helligkeit, die Koordinaten und gängige Katalogbezeichnungen des Sterns werden aufgelistet. In der Pro-Version lässt sich sogar die Geschichte von Sternbildern in Erfahrung bringen. Je nach betrachteter Himmelsregion liegt die Grenzgröße für Sterne zwischen 8,5 und 10 mag. Ein Alleinstellungsmerkmal von StarWalk 2 ist schon in der Plus-Variante verfügbar, nämlich die Darstellung des gesamten Himmels in verschiedenen Spektralbereichen: Der Himmelshintergrund lässt sich für Gamma-, Röntgen-, H-alpha-, Infrarot- und Radiostrahlung anzeigen (siehe »In anderem Licht«).
Was gefällt: Erfreulich leistungsfähig ist bereits die kostenlose Plus-Version der App, erschwinglich die empfehlenswerte Pro-Version. Zu begrüßen ist die frisch wirkende Oberfläche, welche die klassischen Wege der Himmelsdarstellung mutig hinter sich lässt und zur Nutzung der App animiert. Wer findet, dass es des Guten zu viel ist, kann eingreifen und zum Beispiel die Hintergrundmusik, die Tastentöne, die spiegelnde Wasseroberfläche im Vordergrund und die figürliche Darstellung der Sternbilder abschalten. Eine Augmented-Reality-Funktion fehlt ebenso wenig wie die Möglichkeit, den Sternenhimmel über jedem Ort der Welt zu jeder beliebigen Zeit anzeigen zu lassen. Die Fülle der Informationen, die den Objekten hinterlegt ist, beeindruckt außerordentlich. Bahndaten von Satelliten und Kometen werden automatisch aktualisiert, wenn eine Internetverbindung besteht. Die Anreize, sich mit der App und der Astronomie auseinanderzusetzen, werden unter anderem durch Funktionen wie das schnelle Teilen von Bildschirmansichten, Weltraum-Quizze, Infografiken und Weltraum-Cartoons verstärkt.
Unerfüllte Wünsche: Eine Übersicht, wann und wo Sonnen- und Mondfinsternisse zu sehen sind, fehlt auch in StarWalk 2. Zudem ist die Anzeige von Deep-Sky-Objekten nicht zufriedenstellend: Sie werden, wenn überhaupt, erst bei extrem hoher Zoomstufe dargestellt und beschriftet. Ohne das Wissen, dass an dieser oder jener Position ein Objekt steht, würde man es demnach nie finden. Selbst wenn man konzediert, dass StarWalk 2 sich vorwiegend an visuelle Beobachter und Beobachterinnen wendet, sollte die Anzeige von Objekten, die mit bloßem Auge oder Fernglas gut zu sehen sind, verbessert werden. Manche fehlen vollständig, etwa der berühmte Doppelsternhaufen h+Chi im Sternbild Perseus.
Ein Telrad-Sucher und ein Sucherfernrohr können eingeblendet werden, nicht jedoch Gesichtsfelder für Okulare oder Kameras. Die stark vergrößerte Darstellung von Sonne und Mond bei niedrigen Zoomstufen kann mitunter irritierend sein und lässt sich nicht konfigurieren oder abschalten. Oberflächenstrukturen des Mondes werden nicht beschriftet und können auch nicht angewählt werden. In der Pro-Version gibt es immerhin einen »Mondatlas«, der die wichtigsten Formationen des Erdtrabanten zeigt. Zu den Landestellen von Mondmissionen sind erstaunlich viele Details abrufbar. Dass in Anbetracht der Zielgruppe die App die Nutzer siezt statt duzt, ist nicht konsequent.
Fazit: Wer SkyWalk 2 verwendet, erwartet in erster Linie nicht nur nützliche Informationen mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern auch eine kurzweilige, unterhaltsame Beschäftigung mit dem Himmelsgeschehen. Selbst bei bewölktem Himmel ist die Verlockung groß, diese App zu starten, um auf unbeschwerte Art und Weise zu erfahren, welche Pracht die Wolken verhüllen. Auch unter dem Sternenhimmel wird man immer wieder auf die Informationsdatenbank der App zugreifen, um seine Kenntnisse zu erweitern oder um Fragen von Mitbeobachtern und Mitbeobachterinnen beantworten zu können.
Ein Himmel voller Apps
Der Markt für Apps unterliegt einem raschen, stetigen Wandel, was den Leistungsumfang, die Preise, die Kompatibilität und das Erscheinungsbild betrifft. Die hier vorgestellten Apps mögen einen ersten Eindruck davon liefern, welche Wünsche ein solches Produkt erfüllen kann – und welche nicht. Überprüfen Sie, ob die hier genannten Eigenschaften noch zutreffen. Möglicherweise erfüllen einige hier nicht erwähnte Apps Ihre Anforderungen besser (siehe »Im Überblick: Kurzübersicht weiterer Apps«). Sofern Sie spezielle Eigenschaften vermissen und sich damit nicht abfinden wollen, empfehle ich Ihnen, eigene Recherchen durchzuführen.
Im Überblick: Kurzübersicht weiterer Apps
Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über derzeit am Markt verfügbare Apps für die Betriebssysteme Android und iOS, die bei der Orientierung am Himmel hilfreich sein können. Die Apps sind im Google Play Store (Android) beziehungsweise im Apple App Store (iOS) erhältlich.
Unregelmäßig werden temporäre Sonderangebote geschaltet, die zuvor kostenpflichtige Apps kostenfrei oder zu stark reduzierten Beträgen zugänglich machen. Beachten Sie bei Ihrer Auswahl, dass preiswerte Smartphones und Tablets zuweilen nicht mit Kompass- und/oder Neigungssensoren ausgestattet sind, was die Nutzung von Apps stark einschränken kann. Zudem mag es eine Rolle spielen, für welche Funktionen eine aktive Internetverbindung erforderlich ist. Auf Geräten ohne Internetverbindung sind die Apps zwar grundsätzlich nutzbar und funktional, aber es kann erforderlich sein, für bestimmte Module Inhalte aus dem Internet nachzuladen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn für die App ein Update vorliegt oder die Bahndaten von Kometen und Satelliten aktualisiert werden müssen.
Soll die App auch zur Ansteuerung einer astronomischen Montierung verwendet werden, muss vor dem Kauf geklärt werden, ob die verwendete Montierung von der App unterstützt wird. Weitere Anwendungen für Astronomieinteressierte sind Apps für Wetterprognosen und die Vorhersage von Polarlichtern – solche Anwendungen wären Themen für weitere Beiträge. Nun aber wünsche ich Ihnen viel Freude bei Ihrer ersten geführten Tour am Sternenhimmel mit dem Smartphone oder Tablet.
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