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Fortpflanzung im Weltraum: China schickt künstliche Embryonen ins All

Sind Schwangerschaften im All möglich? Um das herauszufinden, haben Fachleute nun künstliche embryonale Strukturen auf die Raumstation Tiangong geschickt.
Raumstation Tiangong-3 (Illustration)
Illustration der chinesischen Raumstation Tiangong, die seit dem 5. Juni 2022 ständig besetzt ist.

Seit Jahrzehnten fliegen Menschen in den Weltraum – und nicht wenige hegen den Traum, das All langfristig zu besiedeln. Doch eine wichtige Frage ist bislang ungeklärt: Sind Schwangerschaften im Weltraum möglich und sicher? Auf der Suche nach einer Antwort hat die Chinesische Akademie der Wissenschaften nun künstliche menschliche Embryonen auf die Raumstation Tiangong geschickt. Es sei das erste Experiment dieser Art, betonen die Verantwortlichen

Bei den künstlichen Embryonen handelt es sich um Strukturen aus Stammzellen, welche die Embryonalentwicklung der ersten Tage einer Schwangerschaft nachahmen. Anders als echte Embryonen könnten sie sich jedoch nicht zu Menschen entwickeln, selbst wenn sie in eine Gebärmutter implantiert würden. Die Forscher konzipierten diese embryoähnlichen Strukturen als Modell, um die frühesten Entwicklungsstadien des Menschen zu untersuchen, da es internationale Vorschriften gibt, die die Forschung an echten menschlichen Embryonen verbieten, die älter als zwei Wochen sind.

Die Fachleute brachten die künstlichen Embryonen Anfang Mai 2026 zur Raumstation Tiangong, während eine Kontrollgruppe in einem Labor auf der Erde untersucht wird. Das Experiment war auf fünf Tage ausgelegt; danach wurden die Proben an Bord der Raumstation eingefroren und sollen schließlich zur Analyse zur Erde zurückgebracht werden, erklärt Yu Leqian, Leiter des Projekts und Forscher am Institut für Zoologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. »Wir hoffen, dass wir durch den Vergleich der Proben im Weltraum und auf der Erde jene Faktoren identifizieren können, die das frühe Wachstum menschlicher Embryonen in der Weltraumumgebung beeinflussen, und so die Risiken angehen können, denen Menschen bei einem langfristigen Aufenthalt im Weltraum ausgesetzt sind«, so Yu.

Die Fruchtbarkeit im Weltraum wird schon lange wissenschaftlich untersucht; bislang sind die Ergebnisse gemischt. Im Jahr 1994 gelang es NASA-Astronauten, japanische Reisfische an Bord eines Spaceshuttles zu paaren. Mehrere andere Experimente mit Taufliegen in der erdnahen Umlaufbahn zeigten jedoch, dass die Larven eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen als auf der Erde. Ein früherer Versuch im Jahr 2006, Mäuseembryonen im Weltraum zu züchten, war nicht erfolgreich, und auch Experimente zur Vermehrung von Ratten scheiterten. Ein weiterer Paarungsversuch mit Geckos endete 2014 beinahe in einer Katastrophe, nachdem der russische Satellit, auf dem sie sich befanden, den Kontakt zur Bodenstation verlor – zwar wurde der Kontakt zum Raumfahrzeug wiederhergestellt, doch die Geckos kamen ums Leben, bevor sie hätten Nachkommen zeugen können.

Die Erforschung menschlicher Fortpflanzung in der Schwerelosigkeit ist aus offensichtlichen Gründen spärlicher. Da die NASA und private Raumfahrtunternehmen wie Elon Musks SpaceX inzwischen langfristige Stützpunkte auf dem Mond und dem Mars planen, zieht das Forschungsgebiet mehr Interesse auf sich. Anfang 2026 brachte eine australische Forschungsgruppe menschliches Sperma in eine Mikrogravitations-Simulationskammer, um herauszufinden, ob es sich in einem künstlichen weiblichen Fortpflanzungssystem zurechtfinden würde. Doch die Spermien neigten dazu, sich auf dem Weg zum Ziel zu verirren.

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