Klimawandel in den Alpen: Deutschlands letztes Gletscher-Skigebiet hat kein Eis mehr

An der Zugspitze geht am Freitagnachmittag eine Ära zu Ende: Dort wird der noch einzige bestehende Gletscherlift Deutschlands abgebaut. Wie die Bayerische Zugspitzbahn berichtet, soll nach zwei Wintern Stillstand am 20. März um 17 Uhr der Rückbau des Plattlifts auf dem Nördlichen Schneeferner beginnen.
Der Grund: Das vermeintlich ewige Eis an Deutschlands höchstem Berg zieht sich so massiv zurück, dass die Piste, vor allem aber der Ausstieg des 1967 eröffneten Schlepplifts extrem steil geworden war. Was früher eine leichte – blau ausgezeichnete – Piste war, wurde zuletzt schwieriges Gelände, eine schwarze Piste. Mit dem Absenken des Bodens hängen zudem die Seile zu hoch.
Extremer Eisverlust am Zugspitzplatt
Im Bereich der Lifttrasse habe der Gletscher sieben bis acht Meter in der Vertikalen eingebüßt, erläutert dazu der Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München, der zurzeit mit dem Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) neue Daten zu den vier letzten bayerischen Gletschern veröffentlicht hat. Der Schlepplift sei durch diese starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Hagg: »Damit verliert Deutschland sein einziges Gletscher-Skigebiet.«
Der Plattlift ist der dritte und letzte Lift im Gletscherbereich der Zugspitze, der verschwindet. Es gab früher noch einen Gletschersee-Schlepplift sowie einen Doppel-Sessellift beim ehemals fünften bayerischen Gletscher, dem Südlichen Schneeferner, der bereits 2022 seinen Status als Gletscher verloren hat. »Hier oben kann man den Gletschern beim Schmelzen zusehen. Das ist ein ernstes Thema«, sagt Zugspitzbahn-Sprecherin Laura Schaper.
Gletscherschmelze in Rekordgeschwindigkeit
Deutschlands letzte Gletscher schmelzen den Forschern zufolge insgesamt in Rekordgeschwindigkeit. Sie büßten innerhalb von nur zwei Jahren von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein. Eine Million Kubikmeter Eis gingen insgesamt verloren.
Vom Blaueisgletscher und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen gibt es nur noch klägliche Reste – sie könnten schon bald ihren Status als Gletscher verlieren. Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Nördliche Schneeferner betroffen sein. Am längsten wird sich absehbar der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten, er liegt eher schattig. Doch auch ihm gaben Wissenschaftler zuletzt nur noch maximal zehn Jahre. Deutschland wird damit voraussichtlich im Laufe der 2030er-Jahre keinen einzigen Gletscher mehr haben.
Abbau durch Sprengung
Am Freitag nach Ende des Skibetriebs soll eine kleine Sprengladung die Seile des Schneefernerkopflifts durchtrennen. Damit sollen die Stützen umfallen. Sie stehen nur auf Eis, ohne Fundament im Boden. Nur die Seile halten sie aufrecht.
Immer wieder hatte die Bayerische Zugspitzbahn gehofft, den Lift doch noch laufen lassen zu können, wenn viel Schnee das fehlende Eis etwas ausgleicht. Doch zuletzt war der Lift in der Saison 2023/2024 in Betrieb. Deshalb fiel schließlich die Entscheidung zum Abbau. (dpa/kas)
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.