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News: Die pompöse Ouvertüre

Eigentlich hatten Hubbles tiefe Einblicke in die Vergangenheit des Universums nahe gelegt, dass die Sternentstehung erst mehrere Milliarden Jahre nach dem Urknall ihr Maximum erreichte. Doch ein neuer Blick in alte Daten lässt nun vermuten, dass der Höhepunkt des Feuerwerks schon ein paar hundert Millionen Jahre nach dem Urknall erreicht war.
Deep-Field-Aufnahme zahlreicher Galaxien am Südhimmel mit dem Weltraumteleskop Hubble
Auf die Himmelspole hatte man 1995 und 1998 die Objektive des Hubble Space Telescope gerichtet und in deren Umfeld die berühmten Hubble Deep Fields aufgenommen: zwölf Milliarden Lichtjahre tiefe Ein- beziehungsweise Rückblicke in die Tiefen des Universums. Doch was aus dieser Zeit noch zu sehen ist, ist blass und lichtschwach.

In den Hubble Deep Fields erscheinen allemal die Flutlichter, schwächer leuchtende Galaxien sind nicht auszumachen - jedenfalls nicht, ohne sich eines gewagten Tricks zu bedienen: dem Vergleich des Lichts uralter Galaxien mit dem uns nahe gelegener Sternsysteme.

Und so gingen Ken Lanzetta von der State University of New York in Stony Brook und seine Mitarbeiter dabei vor: Sie suchten sich aus den Hubble Deep Fields insgesamt 5000 schwach leuchtende Galaxien heraus, bestimmten deren Entfernung und analysierten ihre Lichtspektren, die offenbar von extrem heißen und ungewöhnlich hell strahlenden, jungen Sternen stammen. Die Galaxien, in denen sie geboren wurden, leuchten indes so schwach, dass sie auf Hubbles Bildern unsichtbar bleiben.

Was die Forscher sahen, war also nur die Spitze eines Eisbergs, aus der sie nun den Rest unter der Wasserlinie ableiten mussten. Und das taten sie, indem sie die Daten der fernen Galaxien mit denen von Galaxien außerhalb der Deep Fields verglichen – solchen, die der Erde viel näher liegen. So hofften sie, den Energieteil zu berechnen, der auf dem zwölf Milliarden Lichtjahre weiten Weg in die Hubble-Objektive verloren ging. Vorsichtig extrapolierten die Forscher die gegenwärtigen Verhältnisse in Galaxien in die weite Vergangenheit.

Das Ergebnis ist erstaunlich und könnte die ohnehin vage Geschichte des jungen Universums ein weiteres Mal erschüttern. 90 Prozent der Energie im jungen Universum sind demnach auf den Hubble-Bildern gar nicht zu sehen, was bedeutet, dass es in der Frühzeit des Universums weit mehr Sterne gab als bisher angenommen. Es sieht so aus, als habe die Sternentstehung schon wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall ihren Höhepunkt erreicht. Bisherige Auswertungen der Hubble Deep Fields ließen hingegen darauf schließen, dass die Vehemenz, mit der Sterne und Galaxien entstanden erst nach fünf oder sechs Milliarden Jahren ihr Maximum erreichte. Im Vergleich zu damals entspricht der heutige Umfang der Sternentstehung übrigens allenfalls einem Tischfeuerwerk.

Allerdings sind die Randbedingungen der Astronomen weit komplexer als im Falle eines Eisbergs, und so bewertet auch Lanzetta selbst die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe durchaus zurückhaltend. Er weiß, dass ihr Trick gewagt ist, und hofft deshalb auf die neue Advanced Camera for Surveys, die Anfang 2002 einen noch tieferen Blick in die Vergangenheit erlauben soll.

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