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Ernährung: Die letzte Mahlzeit des Tollund-Mannes

Zu den bekanntesten europäischen Leichen gehört der Tollund-Mann: eine Moorleiche aus Dänemark. Nun wurde sein Mageninhalt analysiert.
Kopf des Tollund-MannsLaden...

Wurde er hingerichtet? Oder tötete man ihn als Opfergabe für die Götter? Warum der Tollund-Mann aus Dänemark sterben musste, weiß man noch nicht: Sicher ist aber wegen des Stricks um seinen Hals, dass er gehängt oder erdrosselt wurde, bevor man ihn vor rund 2400 Jahren in einem Moor zur letzten Ruhe bettete. Die besonderen Bedingungen im Torf gerbten die Leiche nicht nur schwarz, sondern sorgten auch dafür, dass Nina Helt Nielsen vom Museum Silkeborg und ihr Team den Magen- und Darminhalt des sehr gut erhaltenen Toten untersuchen konnten. Von ihren Befunden berichteten sie in »Antiquity«.

Die Arbeitsgruppe untersuchte dazu pflanzliche Überreste, Pollen sowie Steroide und Proteine, die sie im Verdauungstrakt ausfindig machte. Die letzte Mahlzeit des frühen Dänen bestand demnach aus einer Art Getreidebrei, der zu 85 Prozent aus Gerste, zu 5 Prozent Flachs und zu 9 Prozent aus Samen des Ampfer-Knöterichs (Persicaria lapathifolia) bestand. Letzterer ist sehr nährstoffreich und wird manchmal noch heute in der Schweinemast als Futter eingesetzt. Detailuntersuchungen der Gerste zeigten, dass sie zumindest teilweise leicht angebrannt war und in einem Tongefäß gekocht wurde.

Das restliche eine Prozent setzte sich aus 20 weiteren Pflanzenarten zusammen, die wahrscheinlich als Verunreinigung mit dem Getreide in den Kochtopf gewandert waren. Wegen des Knöterichs und der restlichen Samen, die eigentlich beim Dreschen größtenteils aussortiert werden sollten, vermuten Nielsen und Co, dass es sich um ein rituelles Mahl gehandelt haben könnte: Der Knöterich wäre dann gezielt beigemischt worden. Bereichert wurde das Mahl durch einen fettigen Fisch wie Aal, dessen Überreste ebenfalls nachgewiesen wurden. »Das Essen blieb so gut erhalten, dass wir praktisch das Rezept hätten aufschreiben können«, sagt Nielsen.

Typisch für die damalige Zeit war, dass der Mann auch von Parasiten besiedelt war, wie Eier und typische Proteine anzeigen: Peitschen-, Band- und Madenwürmer nannten sein Inneres ihr Zuhause. Der Tollund-Mann hatte sie wahrscheinlich über unzureichend erhitzte Nahrung und verschmutztes Wasser aufgenommen.

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