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Evolution: Neuer Riesen-Dino belebt Tyrannosaurier-Kontroverse

Seit Jahren diskutieren Fachleute, wo die Vorfahren von T. rex herkamen. Der neueste Dino-Fund deutet nach Nordamerika – doch wahrscheinlicher ist weiterhin ein anderer Kontinent.
Eine künstlerische Darstellung einer prähistorischen Landschaft bei Sonnenuntergang. Im Vordergrund ist die Silhouette eines großen Dinosauriers zu sehen, der auf einem Hügel steht. Im Hintergrund sind mehrere Dinosaurier-Silhouetten zu erkennen, die in der Ferne wandern. Die Szene ist in warmen, goldenen Tönen gehalten, die eine ruhige und mystische Atmosphäre schaffen.
Illustration eines Tyrannosaurier-Verwandten. Untypisch für solche Darstellungen: Hadrosaurier wie jene im Hintergrund lebten tatsächlich etwa zeitgleich mit den Tyrannosauriern.

Ein überraschend großer und überraschend alter Raubsaurier ist der neueste Twist in einer der kontroversesten Debatten der Dino-Forschung: Woher stammten die Vorfahren von Tyrannosaurus rex? Der Knochen nämlich, den jetzt ein Team um Nicholas Longrich von der University of Bath offiziell beschrieben hat, soll zu einem der ältesten engen Verwandten des legendären Raubsauriers gehört haben. Wie die Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift »Scientific Reports« berichtet, durchstreifte der noch namenlose Dinosaurier das westliche Nordamerika und erreichte rund 80 Prozent der Größe von T. rex. Er lebte aber acht Millionen Jahre früher. Demnach läge der wahrscheinliche Ursprung der Gruppe riesiger Raubsaurier im südlichen Nordamerika und nicht in Asien, wie die Konkurrenzhypothese besagt.

Der fragliche Knochen ist ein rund 74 Millionen Jahre altes Schienbein aus dem US-Bundesstaat New Mexico. Mit einer Länge von knapp einem Meter deutet es darauf hin, dass sein ursprünglicher Besitzer rund 4,7 Tonnen wog. Vor allem aber legen Merkmale nahe, dass dieser Raubsaurier zu den Tyrannosaurini gehörte, den engsten Verwandten von T. rex. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, würde das die umstrittene Frage nach dem Ursprung der größten Tyrannosaurier neu beleben.

In Laramidia, der westlichen Hälfte des durch ein riesiges Binnenmeer geteilten Nordamerikas, entwickelten sich diese Raubsaurier in der späten Kreidezeit zu großer Vielfalt. Doch die engsten bekannten Verwandten von T. rex, wie die ebenfalls sehr großen Tarbosaurus bataar und Zhuchentyrannus magnus, kamen bisher aus Asien. Deswegen bevorzugen viele Fachleute Szenarien, in denen die Tyrannosaurini dort entstanden und dann nach Nordamerika einwanderten, wo schließlich Tyrannosaurus rex zum größten Landraubtier der Erdgeschichte wurde.

Andererseits könnten die Tyrannosaurier schon auf ihrem Ursprungskontinent zu gigantischer Größe evolviert sein und sich dann schlicht in eine asiatische und eine nordamerikanische Linie aufgespalten haben. Das würde nur eine Migration zwischen den Kontinenten erfordern. Diese Annahme vertreten Longrich und seine Arbeitsgruppe seit einigen Jahren. Der Forscher hatte 2024 bereits Tyrannosaurus mcraeensis beschrieben, der sieben Millionen Jahre vor T. rex in Laramidia lebte und schon ähnlich groß war. Diese Datierung ziehen andere Fachleute jedoch in Zweifel, womöglich lebten beide Arten sogar gleichzeitig.

Der fast ein Meter lange Schienbeinknochen mit den Tyrannosaurier-Merkmalen ist nun der nächste Versuch, einen möglichst alten Vertreter der Linie in Laramidia zu belegen und Nordamerika als ihre Urheimat festzunageln. Ohne weitere Funde allerdings bleibt diese Interpretation spekulativ, ganz zu schweigen von weiter reichenden Schlussfolgerungen. Aber vielleicht ist die ganze Diskussion auch müßig, weil die Unterscheidung zwischen Nordamerika und Asien an der geografischen Realität vorbeigeht. Neuere Analysen deuten darauf hin, dass die Verwandten von Tyrannosaurus rex über die Jahrmillionen ziemlich frei auf beiden Kontinenten umherspazierten.

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  • Quellen
Longrich, N. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–026–38600-w, 2026.

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