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Kaffee: Nicht nur Koffein hebt die Laune

Kaffee ist ein Genussmittel, von dem manche nicht genug bekommen. Das liegt wahrscheinlich auch an weiteren Inhaltsstoffen neben Koffein, die über den Darm wirken.
Ein durchsichtiges Glas mit einem dunklen Espresso, dessen Crema sich gerade noch setzt.
Ein Espresso am Morgen oder nach dem Mittagessen gehört für viele Menschen zum täglichen Ritual.

Rund um Kaffee gibt es viele Mythen und Wahrheiten: Er macht viele Menschen wacher und kann – in bestimmten Dosierungen getrunken – offensichtlich vor bestimmten Krebsarten schützen. Nicht wenige konsumieren das Heißgetränk auch, weil es ihre Stimmung hebt und die Denkfähigkeit verbessert. Serena Boscaini vom University College Cork und ihr Team haben untersucht, ob daran noch weitere Inhaltsstoffe des Kaffees neben dem Koffein beteiligt sein könnten: die zahlreichen Polyphenole, die das Gebräu beinhaltet. Diese Verbindungen werden mit entzündungshemmenden Eigenschaften und höherer Leistungsfähigkeit in Zusammenhang gebracht. Und tatsächlich scheinen sie die Laune und Gehirnkapazitäten bei Kaffeetrinkerinnen und –trinkern zu verbessern, so das Ergebnis.

Für ihre Studie hatten Boscaini und Co 62 Personen eingeladen, um herauszufinden, was Kaffeekonsum oder ein Leben ohne mit ihrem Mikrobiom macht und welche Folgen das für die Teilnehmer hat. Dazu untersuchten sie unter anderem, wie sich die jeweilige Darmflora vor Beginn der Untersuchungsreihe zusammensetzte. Anschließend mussten die Kaffeetrinker 14 Tage auf ihr Getränk verzichten. Nach dieser Phase folgten drei Wochen, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt wurden, die entweder normalen oder entkoffeinierten Kaffee bekamen oder weiterhin abstinent blieben. Parallel erfassten die Wissenschaftler Blut-, Speichel-, Urin- und Stuhlproben, um diese auf Spuren physiologischer Reaktionen – etwa veränderte Hormonwerte – auf die Kaffeesubstanzen zu untersuchen. Zudem fragten sie die jeweilige Stimmung, die Denkleistung, den Stresspegel, den Schlaf und das Verhalten der Probanden ab.

Die Ergebnisse wiesen eine eindeutige Tendenz auf: Wer Kaffee trank, berichtete von weniger Angstgefühlen und war aufmerksamer als die Gruppe der Kaffeeabstinenten. Entkoffeinierter Kaffee verbesserte den Schlaf und sorgte im Mittel für bessere Leistungen bei Gedächtnistests. Letzteres galt allerdings auch bei den Kaffeeabstinenten. Beide Kaffeesorten reduzierten zudem die Anzahl an Markern, die mit Stress und Depressionen in Verbindung gebracht werden. Kaffeetrinker waren allerdings auch impulsiver und emotional aktiver.

Das Mikrobiom reagierte dabei rasch auf veränderten Kaffeekonsum: Nach der Pause nahm sowohl beim koffeinhaltigen wie auch beim koffeinfreien Kaffee die Konzentration an Bakterien im Mikrobiom rasch wieder zu, die mit nützlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Die Forscher vermuten daher, dass die positiven Veränderungen durch die mannigfaltigen Polyphenole im Getränk zustande kommen, da diese in beiden Kaffeevarianten vorkommen. Bestätigt werde diese durch die Menge an Abbauprodukten dieser Stoffe, welche über den Urin nachgewiesen wurden. Je höher die Konzentrationen, desto stärker zeigten sich im Mittel die positiven Folgen des Konsums.

Als Nächstes will die Arbeitsgruppe untersuchen, wie sich bestimmte Röstungen auswirken. Daneben sollte man bei den Ergebnissen berücksichtigen, dass es sich um eine relativ kleine Versuchsgruppe gehandelt hat. Um wirkliche Schlüsse ziehen zu können, müsste der ausgewählte Personenkreis wohl noch vergrößert werden.

  • Quellen
Boscaini, S. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–026–71264–8, 2026

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