Kurs auf den Asteroidengürtel: Psyche holt Schwung

Am heutigen Tag, dem 15. Mai 2026, hat die NASA-Raumsonde Psyche einen entscheidenden Abschnitt ihrer langjährigen Reise erreicht. Um 21:28 Uhr MESZ passiert sie den Roten Planeten in nur rund 4500 Kilometern Abstand – deutlich näher, als die Astronauten der Artemis II-Mission dem Mond kamen. Dabei wird dessen Schwerefeld ausgenutzt, um ihre Geschwindigkeit zu erhöhen und die Flugbahn anzupassen. Das präzise Manöver dient vor allem als Sprungbrett, um die Raumsonde auf Kurs zu ihrem finalen Ziel, den metallreichen Asteroiden (16) Psyche, zu bringen. Gleichzeitig nutzt das leitende Team der Arizona State University und des Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien die Gelegenheit für zahlreiche Messungen sowie als Generalprobe für die spätere Kartierung eines Asteroiden.
Begleitet wird das sogenannte Swing-by-Manöver von einer kontinuierlichen Serie aus Bildern des Multispectral-Imager-Instruments – bereits seit dem 7. Mai übermittelt Psyche eifrig Bilder. Während erste Aufnahmen vom 10. Mai 2026 den Mars aus Millionen Kilometern Entfernung noch als schmale, überbelichtete Sichel zeigten, die an eine totale Sonnenfinsternis erinnert, liefern die aktuellsten Daten nun ein weitaus detaillierteres Bild. Aufnahmen vom 14. Mai lassen auf der Oberfläche der schmalen Marssichel bereits deutlich Strukturen erkennen. Die NASA veröffentlicht die Rohbilder mit einem Verzug von nur wenigen Stunden auf ihrer Missionswebsite. Mit der Passage und dem anschließenden Weiterflug schwenkt die Kamera nun auf die beleuchtete Tagseite des Mars und erfasst zunehmend den gesamten Planeten. Das Team koordiniert seine Beobachtungen während des Vorbeiflugs zudem mit denen anderer, ständiger Marsorbiter, wie etwa dem Mars Reconnaissance Orbiter der NASA oder dem europäischen Mars Express.
Auch das Visualisierungsprogramm »Eyes on the Solar System« der NASA wurde jüngst um eine 3D-Simulation des Vorbeiflugs erweitert. Nutzer können die Flugbahn von Psyche in einer interaktiven Simulation verfolgen, während die Kamera stets auf den Mars gerichtet ist – ein kinoreifer Blick auf den Vorbeiflug.
Für ein Swing-by-Manöver ist entscheidend, auf welcher Seite des Planeten eine Sonde vorbeizieht. Um eine Zunahme der Geschwindigkeit im Referenzsystem der Sonne zu erreichen, muss diese den Planeten in dessen Bewegungsrichtung um die Sonne »von hinten« überholen. Dadurch bekommt sie einen Schubs, gewinnt Energie und bewegt sich fortan auf einer größeren Sonnenumlaufbahn weiter nach außen. Ein Vorbeiflug »vor« dem Planeten führt dazu, dass die Sonde einen Teil ihrer orbitalen Bewegungsenergie abgibt und in eine engere Umlaufbahn eintritt. Auch die des Planeten ändert sich dabei – angesichts des Massenunterschiedes ist dieser Effekt für die Bewegung des Planeten allerdings völlig vernachlässigbar.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Swing-bys befindet sich Psyche auf dem direkten Kurs in den Asteroidengürtel. Der Abstand zum Mars wird in den nächsten Wochen schnell zunehmen. Erst im Jahr 2029 soll die Raumsonde den gleichnamigen Asteroiden erreichen und in eine Umlaufbahn um diesen eintreten.
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