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Mandela-Effekt: Falsch gemerkt

Viele Menschen erinnern sich falsch an Bilder von Mr. Monopoly oder Pikachu. Das Phänomen wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht. Wie es zu Stande kommt, bleibt aber unklar.
Ältere Frau spielt Memory
Eine ältere Frau spielt das Spiel Memory. Dabei muss sie sich die Position gleicher Bilder merken und diese zusammenlegen. (Symbolbild mit Fotomodell)

Wie sieht Mr. Monopoly, das Maskottchen des Brettspiel-Klassikers, aus? Viele erinnern sich an das Logo von einem älteren Mann mit Schnauzer, Zylinder und Monokel. Die Erinnerung trügt jedoch: Mr. Monopoly hat noch nie ein Monokel getragen. Berichte über falsch erinnerte Logos und Bilder häufen sich im Internet. Dort wurde dieses beobachtete Phänomen visueller Mandela-Effekt getauft. Der Name geht darauf zurück, dass sich mehrere Menschen fälschlicherweise daran erinnern, der Bürgerrechtler Nelson Mandela sei in den 1980er Jahren im Gefängnis gestorben. Nun haben die Forscherinnen Wilma Bainbridge und Deeprasi Prasad von der US-amerikanischen University of Chicago erstmals nachgewiesen, dass der Effekt existiert – und viele sich auf ähnliche Weise falsch erinnern. Ihre Ergebnisse sind in einer Vorab-Publikation erschienen, deren finale Version im Fachjournal »Psychological Science« veröffentlicht wird.

100 Versuchspersonen sollten zwischen originalen und manipulierten Versionen von bekannten Symbolen und popkulturellen Figuren unterscheiden. Neben Mr. Monopoly bekamen sie unter anderem das VW-Logo und das Vorzeige-Pokémon Pikachu aus der japanischen Anime-Serie zu sehen. Mehrheitlich und aus Überzeugung entschieden sich die Probanden für die veränderten Bilder, in dem Glauben, es handle sich dabei um die Originale. Als sie die Logos in einem weiteren Versuch aus dem Gedächtnis nachzeichnen sollten, enthielt fast jedes zweite Bild die gleichen falsch erinnerten Merkmale – etwa Mr. Monopolys Monokel oder Pikachu mit geschwärzter Schwanzspitze.

Wie der Mandela-Effekt zu Stande kommt, konnten die Forscherinnen allerdings nicht klären: Die Theorie, dass die falschen Erinnerungen auf Grund von eingeprägten Vorstellungen entstehen, galt nur für ein paar der Logos. Ein Eye-Tracking-Versuch ergab außerdem, dass die Probanden alle Bilder gleich aufmerksam und auf ähnliche Weise betrachteten. Möglicherweise, folgerten die Forscherinnen, seien die Mandela-Bilder einfach einprägsamer als die Originale.

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