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Therapie mit Psychedelika: LSD verändert das Gehirn bei Depressiven

Höhere Dosen LSD könnten bei schweren Depressionen nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die neuronale Vernetzung verbessern.
Eine farbenfrohe Heatmap mit fließenden Übergängen zwischen Blau, Grün, Gelb und Pink. Die Farben repräsentieren unterschiedliche Werte oder Intensitäten, die in einem wissenschaftlichen Kontext analysiert werden könnten. Die Heatmap zeigt keine spezifischen Datenpunkte oder Beschriftungen.
Forschende untersuchen seit einigen Jahren wieder intensiv das therapeutische Potenzial von LSD – etwa bei Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen.

LSD hilft womöglich manchen Menschen, die unter Depressionen leiden. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass höhere Dosen des Psychedelikums bei Erkrankten mit messbaren Veränderungen der weißen Substanz einhergehen – jener Nervenbahnen, die verschiedene Hirnregionen miteinander vernetzen. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Cell Reports Medicine« erschienen ist.

Forschende um den Neurowissenschaftler Mihai Avram von der Universität zu Lübeck untersuchten dafür 35 Menschen mit schweren Depressionen, die an einer klinischen Studie teilnahmen. Diese erhielten entweder zwei niedrige LSD-Dosen von je 25 Mikrogramm oder zwei deutlich höhere Dosen von zunächst 100 und später 200 Mikrogramm im Abstand von vier Wochen. Über spezielle MRT-Aufnahmen analysierte das Team die weiße Substanz im Gehirn der Erkrankten jeweils vor und nach der Behandlung.

Gemessen wurde unter anderem die »fraktionale Anisotropie«, ein Marker für die Mikrostruktur der weißen Substanz. Höhere Werte sprechen für stark organisierte, intakte Nervenfaserbahnen. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Menschen mit Depressionen hier oft Auffälligkeiten aufweisen. Die Forschenden wollten nun wissen, ob LSD ebenjene Veränderungen beeinflussen könnte. Zusätzlich erfassten sie Depressionssymptome mithilfe standardisierter Fragebögen und klinischer Bewertungen über mehrere Wochen hinweg.

Neuronaler Umbau begleitet Linderung

Das Ergebnis: In der Gruppe mit den höheren LSD-Dosen nahm die fraktionale Anisotropie – und damit die strukturelle Integrität – in mehreren Hirnregionen deutlich zu, darunter in Bahnen, die mit Emotionsregulation, Gedächtnisleistungen und kognitiver Kontrolle in Verbindung stehen. Solche Veränderungen fanden sich in der Niedrigdosisgruppe nicht.

Gleichzeitig besserten sich die Symptome bei den stärker Behandelten wesentlich mehr. Und je ausgeprägter die Veränderungen der weißen Substanz waren, desto stärker fiel die Besserung aus – teils noch zwölf Wochen nach der zweiten LSD‑Gabe.

Die Ergebnisse liefern damit Hinweise, dass eine Therapie mit LSD tiefgreifende neuroplastische Prozesse im Gehirn anstoßen kann. Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Verschaltung zu verändern. Tierstudien hatten bereits gezeigt, dass Psychedelika das Wachstum von Nervenzellen und Synapsen fördern. Die neue Untersuchung liefert nun Anzeichen dafür, dass solche Effekte auch beim Menschen auftreten.

Allerdings hat die Studie auch ihre Einschränkungen: Die Teilnehmerzahl war klein; zudem fehlte eine Placebogruppe. Unklar bleibt auch, welche biologischen Prozesse genau hinter den Beobachtungen stecken. Dennoch sehen die Autoren in den Befunden einen möglichen Hinweis darauf, dass LSD nicht nur kurzfristige Bewusstseinsveränderungen anstößt, sondern womöglich längerfristige Umbauprozesse im Gehirn von schwer Depressiven unterstützt.

  • Quellen
Avram, M. et al., Cell Reports Medicine 10.1016/j.xcrm.2026.102791, 2026

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