Planetenlauf im Juni 2026: Planetentreffen nach Sonnenuntergang

Merkur bietet in der ersten Monatshälfte eine recht ansehnliche Abendsichtbarkeit – trotz zunehmend flach stehender Ekliptik. Bereits Ende Mai erscheint der flinke Planet in der Dämmerung tief am Nordwesthorizont. Am einfachsten lässt sich Merkur um den 10. Juni aufspüren, wenn er am Ende der bürgerlichen Dämmerung gegen 22:13 Uhr MESZ eine Höhe von rund acht Grad erreicht.
Danach wird die Suche mit jedem Tag schwieriger, obwohl sich der Planet zunächst noch wacker über dem Horizont hält; immerhin erreicht Merkur am 15. Juni den maximalen Winkelabstand von 24,5 Grad östlich zur Sonne, die größte östliche Elongation – üblicherweise ein günstiger Beobachtungszeitpunkt. Der Grund: Merkur bewegt sich auf seiner Bahn in Richtung Erde, nähert sich also seiner unteren Konjunktion, der Position zwischen Erde und Sonne. Damit wendet er uns zunehmend seine unbeleuchtete Hälfte zu. Seine scheinbare Helligkeit nimmt in der Folge von Tag zu Tag spürbar ab: von anfänglich –0,5 mag am Monatsersten auf 0,2 mag am 10. Juni. Am 20. Juni, dem Ende seines Sichtbarkeitsfensters, scheint er nur noch mit ungefähr 0,9 mag.
Etwa ab der Monatsmitte hat Merkur Mühe, sich in der hellen Abenddämmerung bemerkbar zu machen. Hilfe bekommt man als Beobachter am Abend des 16. Mai: Der gerade einmal zwei Tage alte Mond steht lediglich 1,5 Grad oder zwei Vollmonddurchmesser nördlich des Planeten.
Venus ist nun der strahlende Abendplanet und löst Jupiter endgültig ab. Die Staffelübergabe erfolgt am 9. Juni: An diesem Abend begegnen sich die beiden Planeten an der nordwestlichen Himmelssphäre und kommen einander bis auf 1,5 Grad nahe. Fortan ist Venus nicht nur deutlich heller, sondern steht auch höher als der Riesenplanet. Ihre scheinbare Helligkeit steigt bis zum Monatsende auf –4,1 mag.
Trotz des wachsenden Winkelabstands zur Sonne noch bis Mitte August sinkt ihre Höhe zum Horizont bei gleichem Sonnenstand im Verlauf des Monats bereits. Zum Ende der bürgerlichen Dämmerung steht Venus am 1. Juni um 22:03 Uhr noch in einer Höhe von 16,5 Grad über dem Westhorizont; am Monatsletzten, dann um 22:17 Uhr, sind es lediglich 12,5 Grad. Das liegt an der Lage der Ekliptik, die sich am abendlichen Sommerhimmel nur sehr flach über den westlichen Horizont erhebt. Obwohl sich Venus am Himmel also von der Sonne entfernt und zunehmend heller wird, ist ihre beste Sichtbarkeitsphase bereits vorüber – zumindest, wenn man ihre Horizonthöhe zugrunde legt. Zusammen mit Merkur, Jupiter und dem zunehmenden Mond bietet sie aber weiterhin einen lohnenswerten Anblick am abendlichen Himmel.
Das gilt vor allem für den 17. Juni: Dann kommt ihr die Sichel des 3,2 Tage alten Mondes bis auf 24 Bogenminuten nahe (siehe »Auf der Überholspur«) – das ist weniger als der scheinbare Durchmesser des Mondes selbst. Mitte Juni misst das Venusscheibchen zudem mehr als 15 Bogensekunden im Durchmesser; sein Beleuchtungsgrad sinkt bis zum Monatsende unter 70 Prozent.
Mars zeigt sich zaghaft in der Morgendämmerung. Am Monatsletzten erreicht er zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung gegen 04:30 Uhr noch eine Höhe von mehr als 13 Grad über dem nordöstlichen Horizont. Seine scheinbare Helligkeit beträgt allerdings nur 1,4 mag, sodass es dennoch herausfordernd ist, den Planeten in der Morgendämmerung aufzuspüren. Ein Fernglas kann das Auffinden erleichtern: Vom ebenfalls in der Morgendämmerung auftauchenden Sternhaufen der Plejaden (Messier 45) schwenkt man etwa vier Grad genau nach Süden; dort stößt man auf den Roten Planeten. Der Mond begegnet Mars am 13. Juni, hält mit über sechs Grad jedoch gebührenden Abstand.
Jupiter sagt zum Monatsende recht abrupt »Goodbye«. Nach der abendlichen Begegnung mit Venus am 9. Juni versinkt der –1,9 mag helle Riesenplanet in der zweiten Monatshälfte zunehmend in der Abenddämmerung: Seine Untergänge verfrühen sich von 00:20 Uhr am Monatsersten auf 22:44 Uhr am 30. Juni, also etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang. Eine sinnvolle Teleskopbeobachtung ist nur noch zu Beginn des Monats möglich. Ende Juli steht Jupiter in Konjunktion mit der Sonne und befindet sich damit von der Erde aus gesehen hinter dieser.
Saturn entwickelt sich im Sternbild Fische zum Objekt des Morgenhimmels. Der rund 0,8 mag helle Ringplanet geht am 1. Juni bereits um 03:15 Uhr auf und klettert bis 04:33 Uhr, wenn die bürgerliche Dämmerung eintritt, auf eine Höhe von gut zwölf Grad über dem Osthorizont. Bis zum Monatsende verfrühen sich die Aufgänge auf 01:24 Uhr, die Horizonthöhen steigen bei Dämmerungsbeginn auf 28 Grad – das Beobachtungsfenster für die nächste Saturnsaison öffnet sich somit wieder.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Saturns Anblick deutlich verändert: Die Phase, in der wir lediglich von der Seite auf die Ringebene blicken konnten, liegt nun weit zurück. Inzwischen bietet sich wieder eine deutlich bessere Sicht auf das beeindruckende Ringsystem des Gasriesen. Der Öffnungswinkel der Ringe beträgt zum Monatsende neun Grad, wobei unser Blick jetzt auf die Südhalbkugel des Planeten fällt. Die abgeplattete Saturnscheibe erreicht am Äquator einen Durchmesser von mehr als 17 Bogensekunden. Der abnehmende Mond passiert Saturn vom 10. auf den 11. Juni nördlich.
Uranus stand Ende Mai mit der Sonne in Konjunktion. Zwar geht er jetzt wieder vor unserem Tagesgestirn auf, bleibt in der Morgendämmerung jedoch noch unbeobachtbar.
Neptun steht wie Saturn im Sternbild Fische und positioniert sich Mitte des Monats um neun Grad östlich vor dem Ringplaneten. Besonders in der zweiten Junihälfte erreicht er damit wieder ausreichende Horizonthöhen unter dunklem Himmel für eine Beobachtung mit dem Teleskop – mit einer scheinbaren Helligkeit von 7,9 mag ist er nur mit optischer Unterstützung zu sehen.
Seine sternarme Umgebung macht das Aufsuchen nicht einfach, denn Saturn steht etwas zu weit entfernt, um als Orientierungshilfe zu fungieren. Am besten sucht man ihn mit einer geeigneten Sternkarte etwa auf halber Strecke der Verbindungslinie zwischen den beiden Sternen 41 Piscium (5,4 mag) im Sternbild Fische und Jota Ceti im Walfisch (ι Ceti, 3,6 mag). Ende Juni geht Neptun um 01:00 Uhr auf und klettert bis 05:00 Uhr, wenn der Himmel allmählich zu hell für eine Sichtung wird, auf knapp 27 Grad über den südöstlichen Horizont.
Kurz erklärt
Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.