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Polyzystisches Ovarialsyndrom: Neuer Name für Hormonstörung PCOS

Rund 170 Millionen Menschen weltweit sind von der Hormonstörung PCOS betroffen, viele bleiben ohne Diagnose. Das soll sich nun ändern – angefangen mit dem neuen Namen polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom, kurz PMOS. 
Eine Person in medizinischer Kleidung hält ein holografisches Bild eines weiblichen Fortpflanzungssystems, das in leuchtendem Blau dargestellt ist. Das Bild zeigt die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke. Im Hintergrund sind medizinische Symbole wie Kreuze zu sehen. Die Person trägt eine Maske und ein Stethoskop um den Hals, was auf einen medizinischen Kontext hinweist.
Das PCO-Syndrom ist eine Hormonstörung, die bei bis 18 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter auftritt.

Ein globales Wissenschaftskonsortium hat am 12. Mai verkündet, dass der Begriff »polyzystisches Ovarialsyndrom« (PCOS) abgeschafft werden soll. In einem Grundsatzpapier in »The Lancet« erklärte das Gremium, der Name sei »unzutreffend«. Er suggeriere fälschlicherweise das vermehrte Vorkommen von Eierstockzysten. Zudem würden die metabolischen und endokrinen Merkmale des Syndroms nicht ausreichend erfasst – einschließlich der Tatsache, dass wahrscheinlich auch Männer davon betroffen sind.

Die Erkrankung trägt nun den Namen polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Die Gruppe hofft, dass die neue Bezeichnung genauer ist, Stigmatisierung verringert und die Forschung fördert. Die Entscheidung betrifft schätzungsweise mehr als 170 Millionen Menschen, die an PMOS leiden. Zu den typischen Anzeichen gehören unter anderem Adipositas und Bluthochdruck, Depressionen, Essstörungen, Akne und Unfruchtbarkeit. Diese »multisystemischen gesundheitlichen Auswirkungen«, so die Autoren der Studie, machten die Umbenennung von PCOS zu PMOS notwendig.

Derzeit bleiben viele Betroffene undiagnostiziert oder erhalten eine falsche Diagnose. Andere sind unzufrieden mit ihrer medizinischen Versorgung oder leiden unter starker Stigmatisierung, schreiben die Fachleute. Dennoch verzögerten sich die Bemühungen um eine Namensänderung der Erkrankung in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder. Jetzt hoffen die Forschenden, dass die Umbenennung neue Studien zu PMOS anstoßen könnte, beispielsweise zu seinen genetischen Komponenten – und vielleicht auch zu potenziellen Behandlungsmöglichkeiten. Derzeit gibt es kein zugelassenes Therapeutikum für PMOS.

Doch zunächst muss das Konsortium die Namensänderung durchsetzen. In dem Strategiepapier legen die Autoren einen Plan vor, wonach die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) die neue Bezeichnung in den nächsten drei Jahren übernehmen sollen. Dann könnte PMOS 2028 zum internationalen Standard werden.

  • Quellen
There, H.J. et al., The Lancet 10.1016/S0140–6736(26)00717–8, 2026

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