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Fußball: Jeder einzelne Kopfstoß kann dem Gehirn schaden

Nicht nur Fußballprofis, auch Amateurspieler sind in Gefahr: Biomarker im Blut zeugen von der Verletzung des Hirngewebes schon nach einem einzigen Kopfstoß. Wann wird der Kopfball im Jugendfußball abgeschafft?
Ein Fußballspieler in einem rot-weißen Trikot köpft einen Ball. Der Himmel ist klar und blau. Der Spieler zeigt Konzentration und Bewegung, während er den Ball mit dem Kopf trifft.
Bei einer Studie mit Amateurfußballern reagierte das Gehirn auf einzelne Kopfbälle zumindest kurzzeitig nachweislich gestresst.

Schadet schon ein einziger Kopfstoß dem Gehirn? Laut einer Studie einer niederländischen Arbeitsgruppe ist das durchaus wahrscheinlich – selbst ohne erkennbare Gehirnerschütterung. Das Team nahm mehr als 300 Amateurfußballern nach dem Spiel Blut ab und fand darin erhöhte Konzentrationen bestimmter Biomarker, die auf verletztes Hirngewebe hindeuten. Der Effekt zeigte sich bereits nach einem einzigen Kopfball. Je mehr Kopfstöße ein Spieler während des Matches ausgeführt hatte, desto stärker stiegen die Marker an.

Profifußballer haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für eine spätere neurodegenerative Erkrankung. Als mögliche Ursache gilt die jahrelange Belastung durch Kopfstöße. Mit jedem Aufprall gerät das im Nervenwasser »schwimmende« Gehirn ruckartig in Bewegung. Das Gewebe wird gestaucht und gedehnt; und nach sehr heftigen Stößen kann es sogar zu Blutungen im Schädelinneren kommen.

Schon länger weiß man, dass Gehirnerschütterungen lang anhaltende gesundheitliche Folgen haben können. Möglicherweise wird die Blut-Hirn-Schranke dauerhaft durchlässiger. Ob und wie sich einzelne »normale« Kopfbälle akut auswirken, war dagegen bislang unklar. Für die Studie gaben die Amateurspieler mehrmals Blut ab: vor, unmittelbar nach sowie ein bis zwei Tage nach dem Match. Per Videoanalyse ermittelte das Forschungsteam für jeden Teilnehmer, wie oft er während des Spiels geköpft hatte. Außerdem analysierte es die vorherige Flugbahn des Balls, um die jeweilige Wucht des Aufpralls einzuschätzen. Auch die individuelle Anstrengung beeinflusst die Biomarker-Messung, unter anderem, weil sich unter großer Belastung das Blutplasma eindickt. Deshalb zeichneten die Forscher zusätzlich die Herzrate und Laufparameter jedes Fußballers auf.

Bereits nach einem einzigen Kopfball stieg der Pegel des Eiweißes S100B im Blut stärker an als bei Spielern, die gar nicht geköpft hatten. Das deutet laut den Autoren auf eine Schädigung von Gliazellen hin, die die Nervenzellen unterstützen. Ab dem dritten Kopfstoß fanden sich zudem erhöhte Konzentrationen an p‑Tau217. Es gehört eigentlich ins Innere der langen Nervenzellfortsätze. Werden sie verletzt, taucht das Protein vermehrt im Blut auf. Je öfter geköpft wurde, desto stärker stiegen beide Marker. Auch ein besonders starker Aufprall spiegelte sich in den Messergebnissen wider. Nach 24 und 48 Stunden hatten sich die Werte wieder normalisiert. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass sich das neuronale Gewebe folgenlos regeneriert hat.

Schon lange warnen Fachleute vor den neurologischen Konsequenzen des Kopfstoßes. In den deutschen Leitlinien zum Jugendtraining finden sich inzwischen Empfehlungen, Kopfbälle zu reduzieren und eine Technik zu trainieren, die zu weniger Krafteinwirkung auf das Gehirn führt. Der britischen Fußballvereinigung geht das nicht weit genug: Sie hat den Kopfball für Jugendliche der U11 und darunter zu deren Schutz abgeschafft.

  • Quellen
Hoppen, M.I. et al., JAMANeurology, 10.1001/jamaneurol.2026.1224, 2026

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