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Rituale: Wurde das Geheimnis der mysteriösen Ebene der Steinkrüge gelüftet?

Riesige Steinkrüge liegen und stehen verstreut im Gelände nahe der laotischen Stadt Phonsavan. Eine Entdeckung könnte endlich einen lang gehegten Verdacht bestätigen.
Eine Landschaft mit großen, antiken Steinkrügen, die auf einer grünen Wiese verteilt sind. Der Himmel ist bewölkt, und im Hintergrund sind Hügel und Bäume zu sehen. Die Steinkrüge sind unterschiedlich groß und haben eine raue, verwitterte Oberfläche.
Insgesamt liegen mehr als 2000 dieser Gefäße auf der »Ebene der Steinkrüge«.

Die »Ebene der Steinkrüge« gehört zu den großen, touristischen Attraktionen von Laos: Mehr als 2000 Steingefäße lagern dort in der Provinz Xieng Khouang, doch ihre Geschichte ist geheimnisumwittert. Viele Archäologen halten diese zwischen 500 v. Chr. und 500 n. Chr. geschaffenen Gefäße für die Begräbnisbehälter einer megalithischen Kultur. Ein Fund von Nicholas Skopal von der James Cook University in Townsville und seinem Team stützt nun diese These: Die Gruppe entdeckte die Überreste von mindestens 37 Menschen in einem der Krüge, die teils mehr als drei Meter hoch sind und mehrere Tonnen wiegen können.

Vorherige Untersuchungen hatten bereits Glasperlen, Schmuck und verbrannte Überreste von Artefakten oder Menschen in den Gefäßen sowie Bestattung im Umfeld davon hervorgebracht, doch in den Krügen selbst konnten bislang keine bestatteten Körper nachgewiesen werden. Skopal und Co legten jedoch einen Krug frei, der 1,3 Meter hoch und zwei Meter im Durchmesser groß ist. Darin stießen sie auf dicht zusammengepackte skelettierte Leichenteile, darunter die Schädel und rechten Oberschenkelknochen von 19 Menschen. Anhand der eingesammelten Zähne gehen sie jedoch von insgesamt 37 Personen aus, die hier beigesetzt wurden.

Die Altersbestimmung mithilfe von Radiokarbondatierungen ergab, dass der Krug über 270 Jahre hinweg vom 9. bis ins 12. Jahrhundert als Sarkophag diente. Wahrscheinlich verwesten die Leichen in einer Beerdigungsstätte, bevor die gesäuberten Knochen in die Krüge gepackt wurden. Dabei schichteten die Bestatter die längeren Knochen in Richtung der Wände säuberlich auf; kleinere und daher stärker zerbrechliche Knochen fehlen jedoch. 500 Meter entfernt stießen Skopal und Co auf kleinere Krüge, die teils Glasperlen aufwiesen. Die Wissenschaftler vermuten, dass in diesen Gefäßen die Leichen verrottet sein könnten, bevor die Knochen umgebettet wurden.

DNA-Analysen des Knochenmaterials sollen helfen, mehr über die Menschen – und das Volk – herauszufinden, die hier beerdigt wurden. Unklar sei zudem das Alter des Gefäßes, das die Forscher auf eine Zeit deutlich vor den Bestattungen datieren. Wahrscheinlich wurden die Krüger über Generationen hinweg genutzt. Und womöglich gab es dabei auch kulturelle Unterschiede: Viele Krüge stehen aufrecht und sind leer (wahrscheinlich, weil sie geplündert wurden), andere liegen flach und haben nur schmale Innenräume. 

Eine chemische Untersuchung der Glasperlen ergab zudem, dass diese wahrscheinlich aus Südindien und sogar Mesopotamien stammten, was auf großräumigen Handel hindeutet. Das erstaunt die Forscher jedoch weniger, da zur Zeit der Bestattungen verschiedene Hochkulturen in China, Kambodscha und Myanmar existierten, die regen Handel miteinander betrieben.

  • Quellen
Skopal, N. et al., Antiquity 10.15184/aqy.2026.10352 , 2026

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