Ernährung: Weberknechte machen überraschende Beute

Weberknechte galten bislang nicht als Räuber von Wirbeltieren. Doch eine Studie in »Ecology and Evolution« fasst Beobachtungen zusammen, bei denen die langbeinigen Spinnentiere – auch Kanker genannt – durchaus Appetit auf größeres Futter haben –, genauer gesagt auf Froschschenkel. »Wir waren überrascht«, sagt Luís Fernando García von der Universität der Republik in Uruguay und Mitautor der Studie. »In der Fachliteratur heißt es oft, dass Weberknechte Allesfresser seien, langsam und schwach.«
Die ersten gegenteiligen Hinweise stammen aus dem Jahr 2008: Garcías Co-Autor Osvaldo Villarreal vom Venezolanischen Institut für Wissenschaftliche Studien und weitere Forscher dokumentierten damals einen Weberknecht, der in einem Nationalpark Venezuelas einen Frosch aus der Überfamilie der Terrarana fraß (diese überspringen das Larvenstadium im Wasser). »Die Fotos und Videos, auf denen der Weberknecht den zappelnden Frosch festhält, waren ein echter Wow-Moment«, erinnert sich Villarreal. Rund ein Jahrzehnt später stieß ein Team in Brasilien erneut auf einen Weberknecht, der einen Frosch verspeiste. Zwischen 2020 und 2025 entdeckten weitere Mitautoren der aktuellen Studie mehrere Weberknechtarten, die in Ecuador und Kolumbien Frösche jagten. »Wir stellten fest, dass es offenbar keine Ausnahme ist, wenn Weberknechte Frösche erbeuten«, erklärt García.
Die Forscher sammelten alle bekannten Beobachtungen von froschfressenden Weberknechten und stellten fest, dass viele der Frösche noch lebten, als sie verzehrt wurden – ein Hinweis darauf, dass die Achtbeiner tatsächlich jagen und nicht nur Aas fressen, so García. Wie die unbeholfen wirkenden Tiere ihre kräftigen, springenden Beutetiere fangen, ist noch unklar – zumal sie im Gegensatz zu ihren Verwandten wie Spinnen oder Skorpionen kein Gift besitzen. Ihre Mundwerkzeuge, die hauptsächlich zum Kneifen geeignet sind, nutzen sie normalerweise, um winzige Insekten, Pilze oder Pflanzen zu bearbeiten, erklärt Jose Valdez vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung, der an der Studie nicht beteiligt war.
Viele tropische Weberknechtarten, wie sie in der Untersuchung vorkommen, sind größer und kräftiger gebaut als ihre Verwandten in gemäßigten Zonen. Das macht gelegentliche Amphibienmahlzeiten eher möglich. Die Autoren, dass einige Arten sich auf ihren gepanzerten Körper und die stacheligen Anhängsel verlassen, um die sich wehrenden Frösche zu bändigen. Jedoch sind diese Spinnentiere vergleichsweise wenig erforscht. »Trotz ihrer Präsenz in vielen Gärten und Wäldern weltweit wissen wir erstaunlich wenig über sie«, sagt Valdez.
Für García deuten die Ergebnisse darauf hin, dass unser Bild vom Verhalten der Weberknechte vor allem durch Arten aus gemäßigten Breiten geprägt ist. In den Tropen verlaufen Nahrungsnetze weniger eindimensional: Dort können Wirbeltiere, die normalerweise Insekten und Spinnentiere fressen, leicht selbst zur Beute werden.
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