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Supernova-Überrest: Ein Vierteljahrhundert Sternengeschichte

Entwicklungen eines astronomischen Objekts direkt zu verfolgen, ist aufgrund der gewaltigen Entfernungen meist unmöglich. Jahrzehnte der Beobachtung mit dem Weltraumteleskop Hubble erlauben es dennoch, die fortschreitende Ausdehnung des berühmten Krebsnebels sichtbar zu machen.
Eine farbenfrohe astronomische Aufnahme des Krebsnebels, die komplexe Strukturen aus leuchtendem Gas und Staub zeigt. Die Farben reichen von Blau über Violett bis zu Orange und Rot, was auf verschiedene chemische Elemente und Temperaturen hinweist. Der Nebel erstreckt sich über das Bild und hebt die dynamische Natur und die Schönheit des Universums hervor. Im Hintergrund sind zahlreiche Sterne zu sehen.
Tiefer Blick in Messier 1 | Der Krebsnebel ist eines der am besten untersuchten Objekte am Nachthimmel und erstreckt sich über fast zwölf Lichtjahre. Diese Aufnahme wurde aus Daten des WFC3-Instruments an Bord von Hubble im Zeitraum zwischen Februar und April 2024 gewonnen. Zum Einsatz kamen dabei Filter im Wellenlängenbereich von 501 bis 673 Nanometern.

Es ist der erste Eintrag in der berühmten Liste von 110 ortsfesten astronomischen Objekten des französischen Astronomen Charles Messier. Der Krebsnebel (Messier 1, M 1) ist der Überrest eines massereichen Sterns, der vor fast 1000 Jahren in einer gewaltigen Supernova explodierte. Das als SN 1054 bekannte Ereignis wurde im Jahr 1054 weltweit beobachtet. Seitdem dehnt sich das verbliebene Material kontinuierlich aus und verändert seine Struktur. Während astronomische Objekte aufgrund der gewaltigen Entfernungen meist statisch wirken, konnte das Hubble-Weltraumteleskop der NASA mit seiner langen Betriebsdauer von mehr als 36 Jahren diese Veränderungen über ein Vierteljahrhundert hinweg dokumentieren. Ein Team um den Astronomen William Blair von der Johns Hopkins University analysierte die Entwicklung zwischen den Jahren 1999 und 2024 und veröffentlichte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift »The Astrophysical Journal«.

Der Krebsnebel befindet sich etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Stier. Eine umfassende Beobachtung mit Hubble begann bereits im Jahr 1999 – damals noch mit der Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2). Während der letzten Wartungsmission im Jahr 2009 ersetzten Astronauten diese durch die Wide Field Camera 3 (WFC3), die über eine höhere Auflösung, einen größeren Erfassungsbereich sowie erweiterte Filter verfügt. Im Jahr 2024 richtete man Hubble für eine detaillierte Nachuntersuchung erneut auf M 1.

© Science: NASA, ESA, STScI, William Blair (JHU); Video: Joseph DePasquale (STScI) / Crab Nebula Expansion over 25 Years
Ein Vierteljahrhundert der Expansion

Der Vergleich beider Datensätze offenbart deutlich die Expansion des Nebels. Aus der zurückgelegten Strecke und dem zeitlichen Versatz lässt sich eine nach außen gerichtete Geschwindigkeit mancher Filamente von mehr als 1500 Kilometern pro Sekunde (rund 5,5 Millionen Kilometern pro Stunde) ermitteln. Dabei stellte das Team fest, dass sich solche in den äußeren Bereichen deutlich mehr bewegen als im Zentrum des Nebels. Tatsächlich bewegen sie sich als Ganzes nach außen, anstatt sich in die Länge zu ziehen, wie man es üblicherweise beobachtet.

Denn anders als bei vielen Supernova-Überresten wird die Expansion hier nicht nur durch die ursprüngliche Expansion angetrieben: Im Zentrum des Krebsnebels sitzt ein Pulsar – der extrem dichte und schnell rotierende Kern des ursprünglichen Sterns. Dieser erzeugt ein starkes Magnetfeld, das mit den sehr energiereichen und geladenen Teilchen im ausgestoßenen Material wechselwirkt. Die dabei erzeugte Synchrotronstrahlung treibt das Gas auseinander.

Messier 1 ist einer der Erde am nächsten gelegenen Supernova-Überreste dieser Art. Darum ist er für Astronomen von unschätzbarem Wert – auch heute noch. Durch den Vergleich der Hubble-Daten mit Beobachtungen in anderen Wellenlängen, etwa mit den Infrarotaufnahmen des James-Webb-Weltraumteleskops, lässt sich ein umfassendes Bild der fortlaufenden Entwicklung einer Supernova »aus nächster Nähe« erstellen.

  • Quellen
Blair, W. et al., The Astrophysical Journal 10.3847/1538–4357/ae2adc, 2026

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